Hilfe vom Klassenfeind Bayern will St. Pauli retten

Einst galt Uli Hoeneß als das absolute Feindbild der Fanszene auf St. Pauli. Doch nun hat sich der Bayern-Manager als Helfer der in Not geratenen Kiezkicker angeboten. Auch die Stadt Hamburg erwägt ein Solidaritätsprogramm für den Zweitliga-Absteiger, allerdings nicht auf Kosten der Steuerzahler.


Bayern-Manager Uli Hoeneß: "Wir möchten, dass St. Pauli am Leben bleibt"
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Bayern-Manager Uli Hoeneß: "Wir möchten, dass St. Pauli am Leben bleibt"

Hamburg - Das Schicksal des um die Regionalliga-Lizenz bangenden Zweitliga-Absteigers FC St. Pauli lässt selbst den deutschen Rekordmeister FC Bayern München nicht kalt. "Wir möchten, dass St. Pauli am Leben bleibt", sagte Manager Uli Hoeneß am Donnerstag und bekundete seine Bereitschaft, sein Starensemble zu einem Benefizspiel nach Hamburg zu schicken. "Wir sind gerne bereit, das zu machen, wenn es einen vernünftigen Termin gibt." Voraussetzung für ein solches Gastspiel sei allerdings, dass St. Pauli auf die Münchner zukomme.

Das Angebot kommt ausgerechnet wenige Tage, nachdem Hoeneß für die klammen Bundesligaclubs Subventionen vom Staat gefordert hatte. Die hat der Hamburger Senat dem Kiezclub am Mittwoch verweigert.

Auch Trainer Ottmar Hitzfeld will dem hoch verschuldeten Hamburger Stadtteilverein, der in der vergangenen Saison noch in der Bundesliga spielte und dabei die Bayern im Heimspiel mit 2:1 besiegen konnte, helfen: "St. Pauli hat ein Super-Publikum. Es ist schade, dass der Verein absteigen muss, sie haben mit Geschichte geschrieben. Ich freue mich, wenn sie ein Freundschaftsspiel bekommen, und hoffe, dass wir dort freundlich empfangen werden."

Sturz in die Oberliga droht


Ohne Hilfsaktionen droht St. Pauli nur gut ein Jahr nach dem spektakulären Bundesliga-Erfolg über die Bayern in der Bedeutungslosigkeit der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein zu verschwinden. Sollte der Verein der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bis zum 11. Juni keinen ausgeglichenen Etatentwurf für die nächste Saison in der Regionalliga Nord vorlegen, erhält der Club keine Lizenz. Den Hanseaten fehlen zwei Millionen Euro.

St. Pauli-Fan am Millerntor: "Geschichte geschrieben"
DPA

St. Pauli-Fan am Millerntor: "Geschichte geschrieben"

Die Hoffnung von Präsident Corny Littmann auf eine städtische Bürgschaft zur Deckung der Liquiditätslücke hatte sich aus rechtlichen Gründen zerschlagen. Nach einem Bericht der Finanzbehörde war das Risiko zu hoch, dass das Geld nicht zurückgezahlt werden kann. "Der Senat unterliegt dort ungeheuer strikten Vorschriften, wie mit Steuergeldern umzugehen ist", erklärte der Senatssprecher Christian Schnee. Dennoch arbeiten Politiker und Clubverantwortliche an alternativen Rettungsmöglichkeiten. "Die Stadt ist gewillt, dem FC St. Pauli zu helfen", teilte der Senatssprecher mit, "es ist niemandem egal, was mit dem Club passiert". Bis Ende Mai soll ein Unterstützungsprogramm präsentiert werden.

Kartenvorverkauf soll vorgezogen werden


Littmann will nun in Gesprächen mit den im Landesparlament vertretenen Fraktionen alternative Rettungsmöglichkeiten suchen. "Die Bürgerschaft kann als Vertreter des Volkes andere Maßnahmen beschließen", sagte Schnee. So wäre zum Beispiel die Stundung von Mietgebühren für das Trainingsgelände auf städtischem Grund denkbar. "Der Verein muss ein Konzept präsentieren, das man dann prüfen muss", heißt es aus dem Rathaus.

Ultra-Aktion der St. Pauli-Fans vor dem Spiel gegen Bayern München im Februar 2002
AP

Ultra-Aktion der St. Pauli-Fans vor dem Spiel gegen Bayern München im Februar 2002

Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der Littmann in einem persönlichen Gespräch die Ablehnung der Bürgschaft mitgeteilt hatte, bot sich als Passgeber zur Wirtschaft bei der Suche nach privater Hilfe an. Am 1. Juni werden sich von Beust und Littmann erneut zusammensetzen. Bis dahin will der Club versuchen, Hilfszusagen von Sponsoren zu bekommen. Die Fans haben schon über eine Spendenaktion nachgedacht, außerdem soll eventuell der Vorverkauf für die kommende Spielzeit auf Anfang Juni vorgezogen werden, um Liquidität zu schaffen.



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