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10. September 2018, 14:15 Uhr

Stadiontragödie

Hillsborough-Einsatzleiter beteuert Unschuld

Bei der Katastrophe im Hillsborough-Stadion von Sheffield 1989 waren 95 Menschen gestorben. Polizei-Einsatzleiter David Duckenfield muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten - weist jedoch die Schuld von sich.

David Duckenfield, Einsatzleiter der Polizei während der Hillsborough-Tragödie 1989, hat vor Gericht die Verantwortung für eine der größten Stadionkatastrophen der Fußballgeschichte von sich gewiesen. Bei dem Unglück im englischen Sheffield waren 95 Menschen ums Leben gekommen. Der 74-Jährige muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten und plädierte im Gerichtssaal im nordenglischen Preston auf nicht schuldig.

Beim FA-Cup-Spiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest war es vor 29 Jahren auf einer überfüllten Zuschauertribüne zu einem Gedränge gekommen. 95 Menschen, die meisten Fans des FC Liverpool, starben noch vor Ort. Ein weiteres Opfer, Tony Bland, erlag später seinen Verletzungen. Durch die damalige Rechtslage gibt es jedoch keinen Ansatz für die weitere Strafverfolgung seines Todes, weshalb er in der aktuellen Anklage nicht auftaucht.

Im Vorfeld der Katastrophe hatte Duckenfield unter anderem einen Notausgang öffnen lassen, durch den Hunderte Liverpool-Fans über einen schmalen Tunnel auf die bereits überfüllte Stehtribüne strömten. Zäune hinderten die Menschen daran, auf das Spielfeld oder angrenzende Tribünen auszuweichen. Sie wurden von den nachkommenden Fans zu Tode gequetscht.

Die Schuldfrage an der Hillsborough-Tragödie hat Großbritannien über Jahrzehnte bewegt. Nachdem lange die Fans für die Katastrophe verantwortlich gemacht wurden, stellte eine Untersuchungskommission vor zwei Jahren fest, dass die Hauptschuld bei der Polizei lag.

Neben Duckenfield müssen sich noch vier weitere Männer wegen der Tragödie und der späteren Vertuschung vor Gericht verantworten. Auch der frühere Geschäftsführer des Fußballklubs Sheffield Wednesday, Graham Mackrell, plädierte am Montag auf nicht schuldig. Ihm wird Missachtung geltender Sicherheitsvorschriften im Stadion vorgeworfen. Als vorläufiger Termin für die Gerichtsverhandlung wurde der 14. Januar des kommenden Jahres genannt.

tip/dpa/AP

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