Von Lukas Rilke
Hamburg - Hört man den Namen Real Madrid - was hat man da vor Augen? Klar: die weißen Trikots. Das Kronen-Wappen. Das Estadio Santiago Bernabéu oder Alfredo Di Stéfano. Doch einer kommt einem wohl kaum in den Sinn: Jens Jeremies.
Der Mittelfeldspieler des FC Bayern hatte in seiner aktiven Karriere auf dem Platz wenig königliches an sich. Jeremies musste nicht dahin gehen, wo es weh tat. Sondern es tat dort weh, wo Jeremies war. Diese Erfahrung mussten auch Luis Figo, Steve McManaman und Claude Makelele machen. 2001 legten der Münchner und seine Teamkollegen das edle Real-Mittelfeld im Halbfinale der Champions League lahm.
1:0 gewann der FC Bayern in Madrid, 2:1 anschließend im Olympiastadion. Giovane Elber traf in Hin- und Rückspiel. Und Jeremies bewies mit seinem Treffer zum 2:1-Endstand, dass er seinem Gegner auch indirekt weh tun konnte. Es folgte der Finalsieg gegen den FC Valencia, der bisher letzte Triumph der Münchner in der Königsklasse.
Am Dienstagabend trafen beide Teams erneut im Halbfinale der Champions League aufeinander - und die Bayern haben sich offenbar an die Heldentaten des Jens Jeremies erinnert. Das Team von Trainer Jupp Heynckes gewann 2:1 (1:0). Doch das große Ziel ist die Finalteilnahme am 19. Mai im eigenen Stadion.
Augenthaler trifft vorne und hinten, Makaay nach zehn Sekunden
Bereits zum fünften Mal trifft der FC Bayern in der Runde der letzten Vier auf Real Madrid. Bislang konnten sich die Münchner dreimal durchsetzen, neben 2001 auch noch 1987 (1:2-Finalniederlage gegen Porto) und 1976 (1:0-Sieg gegen Saint-Etienne). Beim Erfolg in den Siebzigern (1:1/2:0) traf ein Spieler dreimal für die Bayern: Gerd Müller. In den Achtzigern verschuldete Klaus Augenthaler mit seinem Eigentor im Rückspiel zwar die 0:1-Niederlage. Doch zwei Wochen zuvor hatte der Libero mit einem Treffer ins richtige Tor bereits seinen Teil zum 4:1-Sieg beigetragen. Zudem trafen Lothar Matthäus (zwei Tore) und Roland Wohlfarth.
Besonders häufig spielten die Teams nach der Jahrtausendwende gegeneinander. Gleich viermal in der Saison 1999/2000. Im Frühjahr 2000 hatte der FC Bayern in zwei spektakulären Partien der Champions-League-Gruppenphase 4:2 im Bernabéu und 4:1 im Olympiastadion triumphiert. Doch beim Wiedersehen im Halbfinale setzten sich die Königlichen durch: Nicolas Anelka sorgte mit seinem Auswärtstor zum 1:2 für die Entscheidung, nachdem Madrid das Hinspiel 2:0 gewonnen hatte.
Beim bisher letzten Aufeinandertreffen im Februar 2007 hatte Real das Achtelfinal-Hinspiel 3:2 gewonnen, die Münchner standen unter Zugzwang. Und das "Phantom" Roy Makaay war zur Stelle. 10,03 Sekunden nach dem Anpfiff erzielte der Niederländer die Führung für die Bayern. Am Ende reichte ein 2:1 zum Weiterkommen, im Viertelfinale war dann aber gegen den AC Mailand Endstation.
Statistisch betrachtet ging der FC Bayern als Favorit in den Europapokal-Klassiker. Von insgesamt 18 Partien in der Königsklasse sowie dem früheren Europapokal der Meister haben die Münchner vor der Partie am Dienstagabend zehn gewonnen, die Spanier dagegen nur sechs. Vor allem die Heimbilanz der Bayern ist mit acht Siegen und einem Unentschieden herausragend - Real Madrid siegte in München noch nie. Diese Serie hielt auch im Hinspiel des Champions-League-Halbfinales.
Hier geht's zur Fotostrecke mit den historischen Duellen zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid.
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