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Homosexueller Ex-Fußballer: Hitzlsperger verweigert Rolle als Symbolfigur

Ex-Profi Hitzlsperger: "Ich nehme diese Rolle nicht an" Zur Großansicht
DPA

Ex-Profi Hitzlsperger: "Ich nehme diese Rolle nicht an"

Coming-out ja, Symbolfigur nein: Der Ex-Fußballer Thomas Hitzlsperger möchte keine Ikone einer möglichen Schwulenbewegung im Sport werden. Mit Bundestrainer Joachim Löw hatte Hitzlsperger nach SPIEGEL-Informationen bereits zur EM 2012 über seine Homosexualität gesprochen.

Hamburg - Thomas Hitzlsperger will "nicht zur Ikone einer Schwulenbewegung im Sport werden." Das machte der Ex-Profifußballer, der sich am Mittwoch als homosexuell geoutet hatte, in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" deutlich.

"Ich nehme diese Rolle nicht an. Eine Vereinnahmung und Instrumentalisierung durch Leute, die damit ein Eigeninteresse verfolgen, werden mit mir nicht möglich sein", so Hitzlsperger.

Zur Diskussion in Baden-Württemberg über das Thema Homosexualität im Schulunterricht sagte der ehemalige deutsche Nationalspieler: "Jeder Heranwachsende sollte die Unterstützung erhalten, die er benötigt, um sich seiner eigenen sexuellen Orientierung gewiss zu werden."

Behauptungen, er habe den Zeitpunkt seines Outings bewusst vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi gewählt, wies Hitzlsperger zurück: "Da bin ich scheinbar von einigen Medien missverstanden worden."

Überrascht über die große Resonanz

Hitzlsperger äußerte sich im ZDF-"heute journal" zudem überrascht über die Dimensionen, die sein Coming-out angenommen hat. "Ich habe einen Nerv getroffen. Das war auch mein Ziel. Dass es in diesem Ausmaß stattfinden würde, habe ich nicht abschätzen können, aber es ist erfreulich, dass darüber gesprochen wird", so der Ex-Profi.

Außerdem schließe er nicht aus, dass sich nun auch aktive Fußballer zu ihrer Homosexualität bekennen könnten. "Vielleicht hat diese Diskussion dazu beigetragen, dass Spieler merken: Es ist nicht diese homophobe Stimmung, weder in den Kabinen noch im Stadion", sagte Hitzlsperger.

Homophobie hält der 31-Jährige zudem für einen Teil der Gesellschaft und nicht ausschließlich des Fußball-Milieus: "Ich glaube, dass wir in Deutschland auf einem guten Weg sind. Es gibt immer noch Leute, die Minderheiten diskriminieren. Die sollten sich fragen, warum sie das tun… Aber sowohl im Fußball als auch in anderen Bereichen gibt es Leute, die nie zu belehren sind."

Outing bei Bundestrainer Löw schon zur EM 2012

Bereits vor eineinhalb Jahren hatte Thomas Hitzlsperger mit Fußball-Bundestrainer Joachim Löw über seine Homosexualität gesprochen. Vor der Europameisterschaft 2012 habe ihm der frühere Nationalspieler erzählt, dass er plane, sich in einem großen Interview zu outen, sagte Löw dem SPIEGEL.

"Er möchte ein normales Leben führen, wollte ein klares Bekenntnis abgeben und nicht irgendwann von einem Fotografen überrascht werden. Als er mir davon erzählte, dachte ich: Es ist für ihn persönlich sicher eine gute Entscheidung." Ein paar Tage später habe ihn der Spieler angerufen, um zu sagen, dass er es sich mit dem Coming-out zunächst anders überlegt habe. Am vergangenen Mittwoch, sagte Löw dem SPIEGEL, habe ihn Hitzlsperger dann informiert, dass er nun die Öffentlichkeit einweihe.

Löw hofft, dass die Aufmerksamkeit, die das Coming-out des Fußballprofis erregt hat, dabei hilft, den Umgang mit dem Thema Homosexualität zu verändern. "Wenn unsere Gesellschaft dafür sensibilisiert ist, wird der Umgang damit irgendwann ganz normal sein. So selbstverständlich, dass man gar nicht mehr darüber sprechen muss."

Der ehemalige Fußballprofi Hitzlsperger hatte für sein Coming-out Lob von allen Seiten bekommen. Die Bundesregierung begrüßte den Schritt in die Öffentlichkeit, frühere Kollegen wie Arne Friedrich oder Lukas Podolski zollten Hitzlsperger via Twitter ihren Respekt. Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte sich unter anderem Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff geäußert: "Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann."

Er habe Hitzlsperger, der am vergangenen Mittwoch seine Homosexualität öffentlich machte, damals zugeraten: "Ich habe ihm gesagt, wenn du mit einem Interview an die Öffentlichkeit gehen möchtest, habe ich großen Respekt davor", so Löw über Hitzlsperger.

asi

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1. Die Masse
FairPlay 11.01.2014
schreit: Prima, Toll, sehr mutig. Oder vielleicht Aufmerksamkeitssyndrom.Ob Homo oder Hetero wenn geht das was an ? Niemand ! Das ist doch jedem seine eigene urpersönliche Angelegenheit.
2. Klingt gut
mosquitojg 11.01.2014
Ich finde es ok, dass er sich geoutet hat und ich finde es gut, dass er sich nicht politisch instrumentalisieren lässt. Die Berichterstattung über sein Outing hatte mich ehrlich gesagt genervt, weil es mich das Sexualleben anderer nicht interessiert. Umso überraschender, wenn sein Bild in der Presse im Zusammenhang mit dieser Petition gezeigt wurde. Da wurde schon angefangen, zu instrumentalisieren.
3. @FairPlay
Chatzi 12.01.2014
Mensch, das ist doch genau der Punkt! Wenn es jedem seine eigene urpersönliche Angelegenheit ist, und sie im Verborgenen stattfinden muss, während die Mehrheit sich der Geborgenheit und Gewissheit eben dieser Mehrheit sicher ist, ist das doch genau DIE perverse Situation, von der Rosa von Praunheim schon 1970 gesprochen hat. Es hat sich an dem Satz "nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" nicht viel geändert, wenn man sich verleugnen muss, sich erpressbar macht, sich unwohl fühlt in seiner Haut, nicht FREI leben kann usw usw. Ich verstehe die Mehrheit (Heteros) nicht, die sich ihrer Geborgenheit sicher ist, und eben diese den Homosexuellen verwehrt, in dem sie genervt darauf reagiert "ah, nun der schon wieder, schwul, na uns, war da was?". Das ist auch sehr beleidigend, diese Ignoranz Andersdenkenden und -fühlenden gegenüber. Um das Ganze problematisch noch zu toppen, was wäre wenn, ein Ausländer schwul wäre? Und wenn dann dieser schwule Ausländer auch noch mit den HI-Virus infiziert wäre? Genau das ist hier der Fall, und ich reagiere äusserst sensibel auf UnfairesPlay und Ungerechtigkeiten jedweder Art, denn ich habe schon zuviel einstecken müssen von Leuten, die sich in Ihrem sicheren und wohligen Kokon zurückziehen und über andere herziehen, als wäre es das normalste auf der Welt. Ist es nicht, und soll es auch nie werden!
4. optional
dieter0708 12.01.2014
Wieso bricht eigentlich die Bundesregierung in einen Jubelsturm aus? Wenn sich 100.000 Bürger einer Petition gegen den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg anschließen wird das mit keinem Wort erwähnt. Ich schließe daraus nur Minderheiten werden noch registriert, die Masse ist irrelevant da "rückständig, homophob, reaktionär, rechtsradikal".
5.
SysLevel 12.01.2014
Zitat von sysopDPAComing-out ja, Symbolfigur nein: Der Ex-Fußballer Thomas Hitzlsperger möchte keine Ikone einer möglichen Schwulenbewegung im Sport werden. Mit Bundestrainer Joachim Löwe hatte Hitzlsperger nach SPIEGEL-Informationen bereits zur EM 2012 über seine Homosexualität gesprochen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/hitzlsperger-moechte-keine-ikone-der-schwulenbewegung-werden-a-943051.html
Zitat: 'Behauptungen, er habe den Zeitpunkt seines Outings bewusst vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi gewählt, wies Hitzlsperger zurück: "Da bin ich scheinbar von einigen Medien missverstanden worden."' .. Auf seiner Wikipedia-Seite steht: "Er fügte an, dass er sich gezielt kurz vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi geoutet hätte, um gegen das russische Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“ ein Zeichen zu setzen." .. Die Aussagen widersprechen sich, eine der beiden Aussagen ist also gelogen. Herr H. als mit den Medien vertrauter Kolumnist sollte wissen, ob er "missverstanden" werden kann.
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