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Hoeneß' Kritik an WM-Vergabe: "Eine der größten Fehlentscheidungen"

Der neue Bayern-Präsident Uli Hoeneß übt massive Kritik an der Vergabe der WM nach Afrika und spricht von einer Fehlentscheidung des Fifa-Chefs Joseph Blatter. Er stellt sich damit gegen die Einstellung seines Vorgängers Franz Beckenbauer. Hinfahren will er auch nicht.

Südafrika-Kritiker Hoeneß: Bleibt im Sommer lieber in Bayern Zur Großansicht
dpa

Südafrika-Kritiker Hoeneß: Bleibt im Sommer lieber in Bayern

Hamburg - Wenn Uli Hoeneß vor ein Mikrofon tritt, kann immer etwas passieren. Das war in seinen 30 Jahren als Bayern-Manager so, das hat sich auch im neuen Amt als Präsident nicht geändert. Jetzt hat Hoeneß wieder zugeschlagen. Wie bisher kein Zweiter im deutschen Fußball hat er die Vergabe der Weltmeisterschaft an Südafrika massiv kritisiert. Dass das Land am Kap die WM ausrichten dürfe, sei "eine der größten Fehlentscheidungen" von Fifa-Chef Joseph Blatter gewesen, sagte Hoeneß bei einer Ehrung im Münchner Rathaus. Ein Tonfall, der ganz im Gegensatz zu den offiziellen Äußerungen des Deutschen Fußball-Bundes DFB steht - und auch zu denen von Hoeneß' Vorgänger im Amt, Franz Beckenbauer.

"Ich war nie ein großer Freund einer WM in Südafrika oder überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent, solange Sicherheitsaspekte nicht zu hundert Prozent geklärt sind", legte Hoeneß nach. Er sei sich sicher, dass Blatter "im stillen Kämmerlein" längst begriffen habe, dass die Vergabe ein Fehler gewesen sei. "Ich habe es immer für falsch gehalten. Jetzt hat es keinen Sinn mehr zu lamentieren", lamentierte Hoeneß: "Man muss versuchen, das Beste daraus zu machen."

Ähnlich, aber weit vorsichtiger im Tonfall, hatte sich bislang lediglich der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Reinhard Rauball, vorgewagt. Beim Neujahrsempfang der DFL nahm er Bezug auf den Rebellenanschlag, der im Vorfeld des Afrika-Cups auf das togoische Team verübt worden war. Rauball hatte damals Parallelen zur WM gezogen und festgestellt: "Wenn es unter Nationalspielern bedenken gibt, ob ihre Familie zur WM mitreisen kann, dann ist das nicht mehr unser Standard." Dafür hatte sich Rauball böse Worte von den WM-Gastgebern anhören müssen - mit dem Hinweis, als im Kosovo Bomben fielen, habe auch niemand die Sicherheit der WM in Deutschland in Zweifel gezogen.

DFB steht noch treu zum WM-Gastgeber

Der DFB hat bislang immer treu zu Südafrika als WM-Ausrichter gestanden. Der WM-Berater in Reihen des DFB, Schatzmeister Horst R. Schmidt, ist die Stimme der Südafrika-Befürworter. Er hat jüngst noch einmal die Sicherheitslage im Land als "solide und von polizeilicher Seite absolut vertretbar" bewertet. Vergleiche zwischen Angola und Südafrika verböten sich.

Die vehementeste Stimme pro Südafrika kommt allerdings aus Hoeneß' engstem Umfeld. Franz Beckenbauer, auch Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa, hat die hohen Sicherheitsstandards des WM-Gastgebers wiederholt hervorgehoben. Seinen Satz aus dem Jahr 2007 - "die WM in Südafrika wird ein großer Erfolg werden" - hat er seitdem immer wieder bestätigt. Es sei "phantastisch, wie sich die Südafrikaner auf ihre WM vorbereiten", hatte Beckenbauer gesagt.

190.000 Polizisten will Südafrika einsetzen, um die Sicherheit von Sportlern, Betreuern und Zuschauern zu gewährleisten. Chefplaner Danny Jordaan weist gebetsmühlenartig darauf hin, dass das Land in den vergangenen 15 Jahren mehr als 100 sportliche Großveranstaltungen ausgerichtet habe, ohne dass es zu größeren Zwischenfällen gekommen sei. Die Gefahr terroristischer Anschläge verwies Jordaan ins Reich "wilder Phantasie".

Hoeneß verzichtet auf den Südafrika-Trip

So wurden die Sicherheitsstandards beim Afrika-Cup auch von Südafrika äußerst hart kritisiert. Angola habe die Sicherheit besonders im Vorfeld der Veranstaltung vernachlässigt, war einhelliger Tenor in den südafrikanischen Zeitungen. Im Land selbst sind nach einer aktuellen Studie 84 Prozent der Südafrikaner überzeugt, dass das Turnier ein Erfolg wird, 86 Prozent freuen sich auf die WM. Auftraggeber der Studie: Die Fifa.

Hoeneß kann das alles nicht überzeugen. Er hat jedenfalls seinen Entschluss schon gefasst: "Ich fahre da nicht hin."

aha/sid/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
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1. Auf ein Neues
Brieli 27.01.2010
Der Uli halt wieder :-)
2. Politik
johnnywaters 27.01.2010
Was mich stutzig und ärgerlich gemacht hat, war die Tatsache, dass die FIFA auf ihrer Trophy Tour auch den netten Herrn Robert Mugabe, Diktator in Simbabwe, den Weltpokal in seinen Händen halten ließ. Das ganze vor einem Cola-Werbeschild. Früher sang Sting "Bobby Mugabe, where do you go from here?" Jetzt fragt man sich "FIFA, where do go from here!"
3. Keine Ausschreitungern dank hoher Kriminalität und Terrorangst!!!
Herzkasper, 27.01.2010
Zitat von sysopDer neue Bayern-Präsident Uli Hoeneß übt massive Kritik an der Vergabe der WM nach Afrika und spricht von einer Fehlentscheidung des Fifa-Chefs Joseph Blatter. Er stellt sich damit gegen die Einstellung seines Vorgängers Franz Beckenbauer. Hinfahren will er auch nicht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,674307,00.html
Das sehe ich auch so . Johannesburg ist für jeden " Ausländer" ab einer bestimmten Zeit ( und das nicht nur in einigen Stadtteilen) eine absolute No-Go-Zone. Wenn man sich die Verbrechensstatistik alleine in der Hauptstadt durchliest , kommt einem das Schaudern. Na wenigstens hat die WM in Süd Afrika einen Vorteil: Es werden wohl keine Ausschreitungen von Seiten der Hooligans geben, weil sogar sie sich in die Hose machen, wenn sie an Johannesburg denken.
4. Uns Ulli...
Currie Wurst 27.01.2010
Da kann er Recht haben. Wenn´s nach ihm gegangen wäre, hätte er allerdings auch Klinsmann vor der WM 2006 ausgetauscht. Im Nachhinein hat er das dann auch anders gesehen und war etwas kleinlauter. Ändern lässt es sich ohnehin nicht mehr, also wäre es nach dem Motto Augen zu und durch sicher besser. Und vielleicht wird´s ja eine große Party. Was mich noch mehr davon abhält, da hinzufahren: da ist dann Winter, hier Sommer. Schön blöd, wenn man sich das nicht bei uns im warmen und sicheren Biergarten anschaut...
5. .
UdoL 27.01.2010
Terroranschläge hat es in Deutschland auch schon gegeben, die kann man nicht hundertprozentig ausschließen. Und ansonsten sollte man sich mal angucken, wo schon überall große Turniere stattgefunden haben. Da lassen sich viele Länder finden, die in puncto "Sicherheit" nicht mit Deutschland vergleichbar sind. Trotzdem ist es unterm Strich gutgegangen. Wieso sollte es gerade in Südafrika anders sein?
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