Steueraffäre Hoeneß stellt Strafanzeige

Uli Hoeneß dreht den Spieß um: Der Bayern-Präsident, gegen den wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, hat jetzt selbst Strafanzeige gestellt. Er will damit die Verletzung des Steuergeheimnisses in seinem Fall verfolgt wissen.

Bayern-Präsident Hoeneß: Strafzeige wegen Verletzung des Steuergeheimnisses
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Bayern-Präsident Hoeneß: Strafzeige wegen Verletzung des Steuergeheimnisses


Hamburg - Uli Hoeneß, Präsident des deutschen Fußballmeisters Bayern München, hat in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit seiner Steueraffäre eine Strafanzeige gegen unbekannt wegen "Verletzung des Steuergeheimnisses" bei der Staatsanwaltschaft München II gestellt. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich bestätigte eine entsprechende Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins "Focus". "Wir haben die Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft München I weitergereicht", sagte Heidenreich.

Gegen den 61 Jahre alten Hoeneß, auch Chef des Aufsichtsrats des FC Bayern, läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München II wegen Steuerhinterziehung. Hoeneß droht dabei sogar eine Gefängnisstrafe. "Das Ermittlungsverfahren läuft weiter. Ich kann nicht sagen, wann es beendet ist, weil ich es schlichtweg nicht weiß", sagte Heidenreich. Gegen Hoeneß liegt ein Haftbefehl vor, der aber nicht vollstreckt wird, weil er eine Kaution von fünf Millionen Euro hinterlegt hat.

Am vergangenen Montag hatte Hoeneß dem Aufsichtsrat angeboten, sein Amt ruhen zu lassen, bis die zuständigen Behörden über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige entschieden haben. Hoeneß, der bereits 3,2 Millionen Euro an Steuern nachbezahlt hat, hatte bei der Sitzung sein Bedauern ausgedrückt und um Entschuldigung gebeten. Der Aufsichtsrat hatte einen Rücktritt von Hoeneß abgelehnt.

Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges hat das Festhalten des Aufsichtsrats am Steuersünder Hoeneß verteidigt. "Wir haben sehr intensiv über das Thema im Aufsichtsrat von Bayern München diskutiert. Und wir haben aus guten Gründen eine Entscheidung getroffen", sagte Höttges, der Mitglied im Kontrollgremium des deutschen Fußball-Rekordmeisters ist, der "Welt am Sonntag". Aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht könne er sich aber nicht weiter äußern.

Höttges betonte, die Telekom werde trotz des Wirbels am Sponsoring der Bayern festhalten. "Diese Investition hat für uns einen enormen Wert zur Aufladung unserer Marke. Das ist messbar und für uns hochattraktiv. Deswegen ist Bayern München der richtige Partner", erklärte der designierte Nachfolger von Telekom-Chef René Obermann. Höttges ist einer von neun Mitglieder im Aufsichtsrat des FC Bayern. Neben Hauptsponsor Telekom sitzen auch die Vorstände von Volkswagen, Audi und Adidas in dem Gremium.

aha/sid/dpa



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insgesamt 288 Beiträge
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Professor Balthasar 11.05.2013
1. Und noch ein Eigentor
Wenn Hoeneß mit aller Härte gegen Whistleblower vorgehen will, verdient auch er keine Nachsicht. In der Fussballsprache: Eigentor mit voller Wucht ins eigene Netz gedroschen.
frenchhornplayer85 11.05.2013
2. optional
getroffene hunde beißen! wär ihm wohl sehr lieb gewesen, wenn keiner was mitbekommen hätte, und er trotz kriminellem verhalten weiter auf moralische instanz hätte weitermachen können. der typ ist einfach wiederlich!
vbhfgdl 11.05.2013
3. Whistleblower
Zitat von Professor BalthasarWenn Hoeneß mit aller Härte gegen Whistleblower vorgehen will, verdient auch er keine Nachsicht. In der Fussballsprache: Eigentor mit voller Wucht ins eigene Netz gedroschen.
Hier geht´s nicht um sog. "Whistleblower", sondern um Beamte der Staatsanwaltschaft bzw. der Steuerbehörden, die ihre strafrechtlich sanktionierte Verschwiegenheitspflicht verletzt haben. Und die gilt auch gegenüber Steuersündern.
Zaphod 11.05.2013
4. Scherben
Man sollte den Spiegel nicht zerschlagen, nur weil einem das Bild nicht gefällt. Die durch den Fall Hoeness initiierte Diskussion über asoziales Verhalten der "Eliten" ist notwendig und richtig. Bei dieser Diskussion zeigt sich, z.B. an der nicht nachvollziehbaren Entscheidung des Aufsichtsrates, wie die "Eliten" glauben, eigenes Recht leben und sich über Gesetze und Anstand hinwegsetzen zu können. Insofern sollte Hoeness froh sein, dass seine Steuerverbrechen publik geworden sind, denn immerhin hat er eine sinnvolle Diskussion entfacht.
fin2010 11.05.2013
5. recht hat er
Nein, es ist nicht richtig, Steuern zu hinterziehen. Dass das keine gute Idee war, hat Hoeneß selbst gemerkt, siehe Selbstanzeige. Die Info an die Presse weiterzugeben ist aber auch nicht ok und gehört genauso verfolgt. Übrigens @Professor Balthasar: seltsame Logik, die Sie da haben - weil H. einen Straftatbestand anzeigt, deshalb verdient er selbst auch keine Nachsicht??? Der Zusammenhang erschließt sich mir nun wirklich nicht.
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