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Hoeneß-Auftritt unter Tränen: Rührstück in Rot

Von Sebastian Winter, München

Besser hätte man eine Choreografie nicht einstudieren können: "Uli Hoeneß, du bist der beste Mann." Trotz Steueraffäre feierten die Anhänger des FC Bayern ihren Präsidenten mit minutenlangem Applaus. Der brach gerührt in Tränen aus. Es dürfte für lange Zeit sein letzter Triumph gewesen sein.

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Hier also, in der runden Arena der FC-Bayern-Basketballer im Münchner Westen, wurden viele Szenen für "Rollerball" gedreht, jenes 1975 entstandene Science-Fiction-Drama, in dem Menschen auf Rollschuhen in einem perfiden Spiel um Leben und Tod kämpften. An diesem Mittwoch ist der Bau mit den orangefarbenen Sitzschalen die Bühne für die Jahreshauptversammlung des FC Bayern - und für ein grandios inszeniertes Rührstück, verziert mit Rekordzahlen, das einen Mann in den Mittelpunkt rückte, der zwar nicht um Leben und Tod, aber doch um sein Ansehen ringt: Uli Hoeneß.

Der wegen seiner Steueraffäre angeschlagene Bayern-Präsident hatte bereits bei seiner Ankunft in der Halle großen Beifall von den 3573 anwesenden Mitgliedern erhalten, und dann lieferte ihm der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge noch eine nette Steilvorlage: "Uli erlebt im Moment sicher eine schwierige Zeit. Ich bin sein Freund, und Freundschaft zeigt sich gerade, wenn man bei Problemen zusammensteht. Er ist der Spiritus rector des FC Bayern. Ohne sein Tun wäre der FC Bayern nicht das, was er glücklicherweise heute darstellt."

Hoeneß brach in Tränen aus. Zugleich erhoben sich die Fans von ihren Sitzen, applaudierten minutenlang und riefen im Chor: "Uli Hoeneß, du bist der beste Mann." Es war eine Choreografie, wie sie besser nicht hätte einstudiert sein können.

"Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann"

Die vielen Rekordzahlen, wie der Umsatz von 432,8 Millionen Euro, unterfütterten die bayerische Schmonzette noch, die Hoeneß selbst auf die Spitze trieb, indem er sagte: "Ich werde diesem Verein dienen, bis ich nicht mehr atmen kann."

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Mitgliederversammlung des FC Bayern: Rekordumsatz und Hoeneß-Tränen
Hoeneß, der sich vom 10. März an in München wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung von mehr als drei Millionen Euro vor Gericht verantworten muss, blieb auch vor den eigenen Mitgliedern bei seiner üblichen Taktik: Reue zeigen ("Ich habe einen großen Fehler gemacht, zu dem ich stehe"), soziales Engagement betonen ("Ich habe die letzten fünf Jahre über fünf Millionen Euro gespendet"), sich als Opfer stilisieren ("Die einzige Selbstanzeige, die so in aller Öffentlichkeit dargestellt wurde, war meine"), zum Angriff blasen ("Ich hoffe, einen fairen Prozess zu bekommen, auf den die medialen Vorabverurteilungen keinen Einfluss haben").

Einen Rücktritt schloss der Bayern-Präsident erneut aus mit der Begründung, dass er die Unterstützung der Gremien seines Clubs und auch der Mitglieder habe. Hoeneß kündigte jedoch an, nach dem Prozess auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Vertrauensfrage an die Mitglieder zu stellen: "Ich möchte Ihnen das Recht geben zu entscheiden, ob ich noch der richtige Präsident für diesen Verein bin."

Hoeneß droht im Falle einer Verurteilung Gefängnis

Es war ein geschickter Schachzug für die Zukunft, sein Schicksal mit dem Votum der Mitglieder zu verknüpfen. Denn der Geschäftsmann Hoeneß weiß genau, dass ihn die eigenen Anhänger niemals fallenlassen würden. Deren Zustimmung ist ihm so gut wie sicher. Zugleich schafft ein solches Vorgehen Vertrauen, das Hoeneß dringend zurückgewinnen muss.

Allerdings weiß der Bayern-Präsident auch, dass nicht nur die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden, sondern vor allem die Richter im Steuerprozess. Denn wenn er verurteilt wird, droht ihm Gefängnis oder zumindest eine hohe Bewährungsstrafe. Dann ist er kaum mehr zu halten als Präsident des FC Bayern München. Schon jetzt regt sich mehr und mehr Widerstand, vor wenigen Tagen erst forderte die Vereinigung der Aufsichtsräte Hoeneß zum Rücktritt auf.

Noch ficht Hoeneß das äußerlich nicht an, schon gar nicht bei der Jahreshauptversammlung, wo die treuesten der treuen Bayernfans sitzen. Hoeneß durfte vielmehr zeigen, dass er nach wie vor alle Fäden in seinen Händen hält. Er berichtete von der Vertragsverlängerung des Vorstandsvorsitzenden Rummenigge um drei Jahre und erzählte, dass Bastian Schweinsteiger seine Operation soeben gut überstanden habe.

Eines ist jedenfalls klar: Der Präsident will auch weiterhin regieren, über den 10. März hinaus. Es wäre das Schlimmste für Hoeneß, wenn ihm vor Gericht sein Lebenswerk genommen würde. "Ich könnte euch heute alle umarmen", sagte Hoeneß zum Schluss. Dann gab er Autogramme, dutzendfach. Er stand wie ein Kaiser auf der Bühne, unter sich das Fußvolk. Hoeneß weiß, dass dies für Monate sein letzter Triumphzug gewesen sein dürfte.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 242 Beiträge
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1. Mann ohne Anstand und Moral
IngoHH 14.11.2013
Wenn der Uli ein integerer Mann wäre und nicht immer nur integer daher reden würden, träte er zurück. Das Urteil würde gesprochen, Strafe verhängt (oder nicht), Strafe zahlen oder absitzen, 2 Jahre Ruhe und dann könnte er wieder zurückkommen. So ist und bleibt er ein Gauner ohne Anstand (das mutmaßlich fehlt, denn den Steuerbetrug hat er ja bereits zugegeben)
2. Hoeneß sollte abdanken...
deeco85 14.11.2013
Wenn ich daran denke, wie er damals Christoph Daum durch den Kakao gezogen hat (sein persönlicher Feldzug) dann wäre es nur fair, dass er geht....
3. Immer diese Versager
vrdeutschland 14.11.2013
Einem 7-jährigen könnte man das ja noch abnehmen, aber es wird Zeit, das erwachsenen Verbrechern die Konsequenzen für ihr Handeln aufgezeigt werden. Keine Sekunde des Innehaltens, kein Moment des Nachdenkes, als man nur so die Millionen gescheffelt hat. Nicht bei der ersten Millionen, nicht bei der zweiten und auch nicht bei der zehnten; sie kriegen den Hals nicht voll. Klar, daß ein Hr. Rummenigge hinter ihm steht. Ist es eigentlich DER Hr. Rummenigge, der 2 Rolex Uhren am deutschen Zoll vorbeigeschmuggelt hat ? Natürlich hat er sie vergessen, hm ? Sie haben Villen, Autos, Ansehen, Geld sowieso, was sie ihr lebenlang nicht ausgeben können; nein, nein, nein es reicht einfach nicht. Es ist zum Kotzen ! Ich bin mir sicher, daß die bayrische Amigo-Justiz ein "gerechtes Urteil" im Namen des Volkes finden wird... Ironie aus
4. Man sollte nicht vergessen
jonas4711 14.11.2013
er hat Steuern in Millionenhöhe hinterzogen, und damit den ehrlichen Steuerzahler betrogen. Er wird von einem vorbestraften Steuerbetrüger hochgelobt, verweint Krokodilstränen vor eigener Rührung, Selbstgerechtigkeit und Selbstmitleid und "normale" Menschen bejubeln ihn.....unfassbar!
5. oooooch
dirk van appeldorn 14.11.2013
der arme Uli... Hat doch nur den Staat betrogen. Ist doch nix im Vergleich mit seinen Erfolgen für den FC Bayern. Lasst den armen, reichen Mann doch in Ruhe
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