Fanproteste in Hoffenheim Koan Wiese

Der mögliche Wechsel von Nationaltorwart Tim Wiese nach Hoffenheim wird im Kraichgau mit Skepsis gesehen. 1899-Fans feierten stattdessen vor dem letzten Saisonheimspiel ihren bisherigen Stammkeeper Tom Starke. Der machte jedoch anschließend wenig Werbung in eigener Sache.

Hoffenheimer Fan-Protest: Klare Meinung zu Wiese-Wechsel
Bongarts/Getty Images

Hoffenheimer Fan-Protest: Klare Meinung zu Wiese-Wechsel

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Hamburg - Torhüter gelten in der Bundesliga als besonders standorttreu. Tatsächlich wechseln die Schlussmänner seltener als ihre spielenden Teamkollegen den Verein. Und wenn sie es tun, dann weckt das Emotionen. So wie bei Manuel Neuer in der Vorsaison, der aus Schalke kommend in München bei den Hardcore-Fans auf Ablehnung stieß. Was Neuer im Vorjahr durchmachen musste, könnte in abgeschwächter Form auch sein Nationalmannschaftskollege Tim Wiese demnächst erleben.

Wiese, der vor einem Wechsel von Werder Bremen zu 1899 Hoffenheim steht, hat jetzt schon quasi Einmaliges vollbracht: Er hat dafür gesorgt, dass sich bei den 1899-Fans öffentlich geäußerter Protest regt. So etwas hätte man dem Hoffenheimer Anhang nicht wirklich zugetraut. Es gibt schließlich immer noch genug Fußball-Traditionalisten, die den Club aus dem Kraichgau nicht als Bundesligaverein für voll nehmen, ihn als Retortenverein von Geldgeber Dietmar Hopp abtun und ihm jegliche Fankultur absprechen. Und wo keine Fankultur, da auch keine Fanproteste.

Vor der Partie gegen den 1. FC Nürnberg, dem letzten Heimspiel der 1899er in dieser Saison, jedoch geschah Bemerkenswertes: Die Anhänger feierten den in Hoffenheim sehr beliebten bisherigen Stammkeeper Tom Starke und machten ihrer Abneigung gegen einen möglichen Transfer Wieses zum eigenen Club Luft.

Der Nationaltorwart gilt im Gegensatz zum bodenständigen Starke als ein Sprücheklopfer - keiner, der so recht in den braven Kraichgau und zum Mittelklasse-Club Hoffenheim passen will. Als Spekulationen aufkamen, Real Madrid sei an Wiese interessiert, tat der 30-Jährige wenig, die Meldung zu dementieren. Von Madrid nach Hoffenheim ist es ein weiter Weg.

Experiment Hildebrand ist schief gegangen

Bei 1899 haben sie ihre Erfahrungen mit Nationaltorhütern gemacht. 2008, nachdem der damalige Aufsteiger Hoffenheim sensationell zur Herbstmeisterschaft an die Ligaspitze gestürmt war, waren Hopp und der damalige Trainer Ralf Rangnick in der anschließenden Winterpause auf die Idee verfallen, dem Überraschungs-Tabellenführer einen Torwart mit Promi-Faktor zwischen die Pfosten zu stellen. Der bisherige Keeper Daniel Haas, musste seine Position räumen, stattdessen wurde Timo Hildebrand aus Spanien verpflichtet, wo er sich beim FC Valencia nicht hatte durchsetzen können.

Hildebrand, siebenfacher Nationaltorwart, Mitglied im WM-Kader 2006, war anschließend entweder verletzt oder formschwach. Man trennte sich ein Jahr später wieder. Das Experiment Hildebrand war gescheitert. Die Fans befürchten nun augenscheinlich ein Experiment Wiese.

Hoffenheim hat das Spiel gegen den Nürnberg 2:3 verloren - auch weil Torwart Starke vor dem 0:1 den Ball ohne Not dem gegnerischen Stürmer Tomás Pekhart direkt vor die Füße faustete. Starke hatte zuvor eine fast fehlerlose Rückrunde gespielt.

1899 Hoffenheim - 1. FC Nürnberg 2:3 (1:2)
0:1 Pekhart (9.)
1:1 Beck (22.)
1:2 Didavi (45.)
1:3 Pekhart (71.)
2:3 Braafheid (88.)
Hoffenheim: Starke - Beck, Vestergaard, Compper, Johnson - Rudy, Salihovic - Vukcevic, Babel (87. Braafheid), Musona (69. Mlapa) - Schipplock (77. Lakic)
Nürnberg: Schäfer - Feulner, Wollscheid, Nilsson, Pinola - Balitsch, Simons - Chandler, Didavi (75. Wießmeier), Mak (25. Bunjaku) - Pekhart (83. Hegeler)
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 30.150
Gelbe Karten: Beck (13) - Chandler (5)

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