Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Comeback von Holger Badstuber: Alles auf Anfang

Von

Holger Badstuber: Comeback, das dritte Fotos
Getty Images

Holger Badstuber ist zurück. Gegen Wolfsburg könnte der Verteidiger sein Comeback für Bayern München geben. Drei schwere Verletzungen haben den von Trainer Guardiola so geschätzten 25-Jährigen nicht entmutigt. Aber verändert.

Das neongrüne Leibchen leuchtet im Flutlicht des Trainingsplatzes in Katar, Holger Badstuber sieht aus wie ein Verkehrspolizist auf einer großen Kreuzung. Den Blick hat er auf die Füße seiner Mitspieler gerichtet; er scheint jederzeit zu wissen, wo sich gleich der nächste Raum auftut und auf welchen Weg er den Ball schicken muss.

Josep Guardiola, der Trainer des FC Bayern, lässt seine Fußballer Fünf gegen Zwei üben: Zwei Spieler in der Mitte eines Kreises versuchen, den anderen den Ball abzuluchsen. Badstuber macht es ihnen schwer, jeder seiner Pässe kommt an. Der Trainer ist entzückt, er ruft: "Badstuber, I love you!"

Es ist ein emotionales Bekenntnis, kein pflichtschuldiges, wie es Guardiola den Journalisten in Doha mehrfach in den Block diktiert hat. Holger Badstuber, 25, ist in den vergangenen Wochen vom Langzeitverletzten wieder zum Fußballer geworden - zu einem Fußballer, der den Trainer glücklich macht: klug, vorausschauend, ehrgeizig, geradezu guardiolesk. Guardiola sagt: "Du kannst wenige, wenige Verteidiger in der Welt finden mit dieser Qualität am Ball. Kurzer Pass, langer Pass, Interpretieren: Für mich ist das sehr wichtig." Badstuber sei der beste Innenverteidiger, mit dem er bislang zu tun gehabt habe.

Zweiter Kreuzbandriss im Mai 2013

Und es ist ein kleines Wunder, dass es mit den beiden weitergeht. Es gibt viele im deutschen Profifußball, die nicht mehr daran glauben konnten, zu heftig las sich Badstubers Krankengeschichte der vergangenen Jahre: Der erste Kreuzbandriss am 1. Dezember 2012, nachdem er bei einem Zweikampf mit seinem heutigen Mannschaftskollegen Mario Götze im Rasen hängen geblieben war. Operation, Reha. Badstuber arbeitete wie besessen daran, wieder gesund zu werden, er ahnte: 2013 könnte ein großes, ein historisches Jahr für den FC Bayern werden.

Aber das Knie wurde nicht richtig gesund. Das Narbengewebe entzündete sich, im Mai 2013 musste Badstuber erneut unters Messer. Das Kreuzband war wieder kaputt, eine Folge der schlecht verheilten ersten Verletzung. Diesmal ließ sich Badstuber nicht in Deutschland von Ulrich Boenisch operieren, sondern von Knie-Guru Richard Steadman in Colorado. Vom Krankenbett aus verfolgte er, wie seine Mitspieler in London gegen den BVB die Champions League gewannen und in Berlin den DFB-Pokal. Diesmal wollte er sich mehr Zeit lassen für die Genesung, vielleicht würde es ja reichen bis zur Weltmeisterschaft in Brasilien.

Es reichte nicht. Auch dieses Stück deutscher Fußballgeschichte verpasste Badstuber. Ist das nicht zu viel für die Seele eines Profisportlers? "Nicht für Holger", sagt Tom Schütz, "den Glauben verliert er als Letztes." Sechs Jahre haben die beiden zusammen in der Bayern-Jugend und bei den Amateuren gespielt, heute ist Schütz, 27, Mittelfeldspieler bei Arminia Bielefeld.

Acht Stunden Reha am Tag

Der Kontakt zu seinem Freund ist nie abgerissen, sie telefonierten auch an jenem Sonntag Anfang September 2014. Am Tag zuvor hatte Badstuber gegen den VfB Stuttgart sein drittes Bundesligaspiel unter Pep Guardiola gemacht, mit Oberschenkelschmerzen hatte er nach der ersten Halbzeit ausgewechselt werden müssen. "Erst dachte er, es sei nicht so schlimm", sagt Schütz, "aber am nächsten Morgen war klar, dass es schlimm war. Schon wieder." Sehnenriss im Oberschenkel, vier Monate Pause. "Holger war zwar traurig, sagte aber: 'Das wird mich jetzt auch nicht mehr umwerfen. Ich weiß, wie es funktioniert, zurückzukommen. Das schaffe ich.'"

Badstuber hat es geschafft. Er hat einfach so weitergemacht wie in den vergangenen zwei Jahren: Sobald es die Verletzung zuließ, schuftete er im Kraftraum, acht Stunden am Tag. Es ist sein Job, ja, aber der Fußball ist auch sein Leben, er hat den damals 19-Jährigen aufgefangen, als der Vater innerhalb weniger Wochen an Krebs starb.

Er wolle wieder auf dem Platz stehen, gemeinsam mit der Mannschaft, sagt Badstuber, dort gehöre er hin. Er ist eigentlich kein Einzelkämpfer, die Zeit alleine in der Reha hat ihn gequält. Sie hat ihn verändert. "Holger ist durch die Verletzungen in seiner Persönlichkeit gereift, er hat sich entwickelt. Wenn wir sprechen, macht er immer noch Witze, aber ich merke, dass ihm andere Dinge wichtiger geworden sind: Gesundheit und Zufriedenheit. Im Kopf ist er zehn Jahre älter", sagt Schütz.

Andere hätten den Mut verloren

Es gibt Menschen, die hätten all diese Rückschläge aus der Bahn geworfen. Sie hätten den Mut verloren und vielleicht irgendwann etwas anderes gemacht. Holger Badstuber weiß, dass es diesmal klappen muss mit dem Comeback, es ist wohl seine letzte Chance; noch einen Kreuzbandriss würde der Körper wahrscheinlich nicht mitmachen. Schütz sagt: "Holger ist erst 25. Er weiß, was er kann, das will er nicht aufgeben."

Die Verantwortlichen beim FC Bayern wussten das auch schon früh, der Jugendtrainer Hermann Gerland ahnte Badstubers erstaunliche Fähigkeiten als Innenverteidiger. Er ließ ihn dennoch meist im defensiven Mittelfeld spielen, erinnert sich Schütz: "Gerland wollte, dass Holger eine noch bessere Übersicht bekommt, dass sein Passspiel und die Spieleröffnung noch präziser werden."

Gerlands Plan ging auf, so gut, dass Pep Guardiola ihn Anfang dieser Saison weiterdachte und Badstuber zum Mittelpunkt seiner neuen Dreierkette machen wollte. Die erneute Verletzung warf alles über den Haufen, Guardiola musste umplanen, und auch mit Jérôme Boateng oder Mehdi Benatia in der Mitte funktionierte die Münchner Abwehr.

Badstuber weiß, dass er keine Garantie hat, spielen zu dürfen, auch wenn er wieder ganz fit ist. Aber er wird alles dafür tun. Solange er dabei gesund bleibt.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
enni3 29.01.2015
Wenn Badstuber wieder völlig fit werden sollte und zu alter Stärke zurückfindet, wäre das absolut wünschenswert. Er wäre auch für die Nationalmannschaft die wohl perfekteste Lösung als zweiter Innenverteidiger neben Hummels.
2. Alles Gute
trompetenmann 29.01.2015
Wünsch ich Herrn Badstuber. Hoffentlich bleibt er gesund!!
3. Ein unglaublicher Typ,
cmann 29.01.2015
Nur wenige Spieler hätten den Mut, die Härte und das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten gehabt. Badstuber hat und hatte sie. Er ist ein Super Fußballer und, wenn er fitt wird (was ich ihm wünsche und inständig hoffe) auch wieder eine Stütze der NM. Er wird für die "restlichen" IV bei Bayern, mit Ausnahme eventuell von Boateng, ein ganz harter Konkurrent werden. Sein Passpiel war schon vor seiner Verletzung überragend (nach meiner Ansicht sogar besser als das von Boateng). Man kann ihm nur alles Glück für die Fortsetzung seiner Laufbahn wünschen.
4.
iNSBunny 29.01.2015
Zitat von enni3Wenn Badstuber wieder völlig fit werden sollte und zu alter Stärke zurückfindet, wäre das absolut wünschenswert. Er wäre auch für die Nationalmannschaft die wohl perfekteste Lösung als zweiter Innenverteidiger neben Hummels.
sie meinen als 3. hinter hummel und boateng. obwohl, hummel läuft grad seine form hinterher ;)
5.
klangschmied 29.01.2015
Ich fürchte um das Ausnahmetalent Badstuber. Denn Adler war mal vor einer ähnluich langen Verletzung einer der besten Torwärte der Welt. Hoffentlich ergeht es Holger nicht genauso, nicht nur der nationalmannschaft wegen, sonder auch seiner eigenen Zukunft. Ein BVB Fan
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Themenseiten Fußball
Tabellen


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: