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Tickets für Rostock-Spiel: Holstein Kiel weist Diskriminierungsvorwürfe zurück

Stadion in Kiel: "Dieser Vorwurf ist haltlos" Zur Großansicht
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Stadion in Kiel: "Dieser Vorwurf ist haltlos"

Diskriminierung? Um die Ticketvergabe des Drittligisten Holstein Kiel für das Duell mit Hansa Rostock ist eine hitzige Debatte entstanden. Der Klub aus Schleswig-Holstein lasse abseits des Gästefanblocks keine Ostdeutschen ins Stadion, heißt es. Nun wehrt sich der Verein.

Hamburg - Normalerweise hat ein Fußball-Drittligist in Deutschland eher weniger Medientrubel, mal abgesehen von den lokalen Zeitungen ist das Interesse an den Klubs überschaubar, oft zum Leidwesen der Vereine. Holstein Kiel hingegen hält sich seit einigen Tagen landesweit in den Schlagzeilen, jedoch ziemlich unfreiwillig.

Grund ist die Ticketvergabe für das Duell mit Hansa Rostock am Mittwoch, den 6. August (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Mehrere Zeitungen hatten berichtet, dass Fans, selbst wenn es sich um Kieler Anhänger handele, wegen ihrer Herkunft keine Eintrittskarten bekommen hätten - weil sie in Ostdeutschland geboren sind. Schnell stand das Wort "Diskriminierung" im Raum, es gab hitzige Diskussionen im Internet. Seitdem versucht man sich bei Holstein Kiel in Schadensbegrenzung. "Dass wir niemanden aus dem Fußball-Osten in das Holstein-Stadion lassen, dieser Vorwurf ist haltlos", sagt Medienkoordinator Patrick Nawe SPIEGEL ONLINE.

Das Duell mit Hansa Rostock ist ein Hochrisikospiel. Im Vorjahr waren in Kiel rund 600 Polizisten im Einsatz, um für die Sicherheit zu sorgen. Beim damals online durchgeführten Ticketverkauf hatten sich Rostocker Anhänger, von denen zahlreiche als gewaltbereit gelten, auch Karten außerhalb des eigenen Fanblocks besorgt. Im Gästeblock demolierten sie einen Verkaufsstand.

Kiel setzt dem Vorverkauf für die Partie nun Grenzen. Trotzdem seien mit 1500 Karten mehr Tickets als nötig an Rostocker Anhänger gegangen, heißt es - allerdings nur für den Gästefanblock. "Wir haben das Kontingent damit sogar nochmals erhöht", so Nawe.

"Sicher keine ganz leichte Aufgabe"

Mehrere Fans hatten aber offenbar Probleme, Karten für die anderen Stadienbereiche zu bekommen. Im Kieler Fanshop seien sie abgewiesen worden, zuvor war nach Ausweis und Geburtsort gefragt worden. Lag dieser in Ostdeutschland, seien keine Tickets verkauft worden.

Einzelfälle, heißt es dazu aus der Vereinsführung in Kiel, wo man in den vergangenen Tagen ebenfalls Beschwerden erhielt. Eine Ansage an die Ticketverkäufer, in Ostdeutschland geborenen Menschen keine Tickets zu verkaufen, gebe es nicht, sagt Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. Wohl aber eine, die den "umliegenden Postleitzahlenbereich von Rostock" betreffe.

Diese hakelige Definition führt offenbar zu ebenso schikanösen wie peinlichen Absagen. "Es ist ganz sicher keine leichte Aufgabe für unsere Mitarbeiter im Fanshop, wenn der Laden proppenvoll ist", räumt Nawe ein. Der Verein müsse schließlich gemeinsam mit der Polizei für die Sicherheit sorgen, sagt Schwenke, der gegen Rostock wohl dennoch mit einem gut gefüllten Stadion rechnen kann.

Die nächste Herausforderung wartet auf Kiel dann am 25. Spieltag Mitte Februar kommenden Jahres. Dann ist Dynamo Dresden, deren Anhängerschaft in Teilen ebenfalls als auffällig gilt, zu Gast. Und laut Schwenker könnte bei der Ticketvergabe wieder ähnlich verfahren werden.

chp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. Einige Dritt- und Zweitligavereine ...
fridericus1 31.07.2014
... aber auch Erstligisten haben mittlerweile ein solches Geschmeiss im Gefolge, dass solche Maßnahmen wie in Kiel aus meiner Sicht als reine Notwehr zu bezeichnen sind. Außerdem wird damit solchem Unfug wie in Bremen geplant vorgebeugt.
2. Es fühlt sich jedenfalls...
bauthe 31.07.2014
... nicht gerecht an, wenn man für ein 3.Liga-Spiel, in meinem Fall Erfurt gegen Dresden, über den Online-Shop von Erfurt keine Karten für den Heimblock bekommen kann, weil man nicht die richtige Postleitzahl hat. Ich habe definitiv nicht vor, in dem Block zu randalieren, auch wenn ich aus Dresden bin und die Vorteile in diesem Fall vielfältig sind...
3. Nur in gewisser Entfernung geboren
twister-at 31.07.2014
Inwiefern wird das Ganze besser, wenn es nicht um den Geburtsort, sondern nur um dessen Nähe zu Rostock geht?
4. Strafe
Malshandir 31.07.2014
Nun eindeutig diskriminierend.Am besten Kiel verdonnern an jeden abgewiesen 10000 zu zahlen.
5. Frechheit
quark@mailinator.com 31.07.2014
Echt jetzt, was hat jemand, der z.B. in Jena geboren ist mit Rostock zu tun ? Ich bin an einem Ort geboren und an einem ganz anderen aufgewachsen und wohne nun schon seit Ewigkeiten wieder in einer ganz anderen Ecke. Aber eins ist klar - wenn ich ins Stadion gehe will ich garantiert nicht in irgendeinem Fanblock sitzen, erst recht nicht diesen auf Basis meines Geburtsorts zugewiesen bekommen. Diese Art Vorgehen ist gruselig. Ja, mir ist klar, das Problem ist real. Ich verstehe nicht, warum die Vereine für Vorfälle in den Stadien vom DFB bestraft werden. Die Vereine können nichts für das Verhalten der Besucher. Vereine haben nur Hausrecht, keine Polizeigewalt. Last not least - Sollte eine ehrliche Analyse ergeben, daß mit normalen Mitteln und vertretbarem Aufwand Fußballspiele in DE nicht mehr abzusichern sind, weil bestimmte Besucher immer bekloppter werden, dann muß man auf Fußball verzichten. Ich bin sicher, die Menschheit würde es überleben. Sollte es aber möglich sein, Spiele abzusichern, dann sollte die Polizei das komplett machen. Was rauskommt, wenn viele Köche den Sicherheitsbrei verderben, hat man bei der Love-Parade gesehen. Was die Klubs an Ordnern sparen können sie ja der Polizei bezahlen. In jedem Fall macht es mehr Sinn, den Leuten den Block auf Basis ihrer Kleidung zuzuweisen, als auf Basis des Geburtsorts. Aber auch das lehne ich ab, denn zwei Leute, die zusammen ins Stadion gehen können Fans unterschiedlicher Mannschaften sein.
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