Kleine Stadien in Europa Für die Bundesliga zu winzig, für die Champions League ausreichend

Der Verein Holstein Kiel dürfte mögliche Bundesliga-Heimspiele nicht im eigenen Stadion austragen: Die Arena ist nicht groß genug, sagt die DFL. In anderen europäischen Wettbewerben sind auch kleinere Stadien zugelassen - sehen Sie selbst.

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Spätsommer, Freitagabend, Fluchtlicht - der 20. August 1999 war ein historischer Tag: Die SpVgg Unterhaching trug ihr erstes Heimspiel in der Fußballbundesliga aus. Die Spielstätte: der Generali-Sportpark, ein winziges Stadion, die Tribünen hinter den Toren waren kaum höher als ein Grashügel, bei Top-Spielen gegen Bayern München oder Borussia Dortmund war die Arena ausverkauft.

Genau 15.053 Fans sollen dann im Sportpark gewesen sein, teilte der Klub auf SPIEGEL-Anfrage mit. Das sind genau 53 Plätze mehr, als die Deutsche Fußball Liga (DFL) fordert. In den Anforderungen der DFL heißt es, Erstliga-Klubs müssen mindestens eine Stadionkapazität von 15.000 Zuschauern vorweisen, 8000 davon müssen Sitzplätze sein. Wer darunter liegt, muss in eine andere Arena umziehen oder auf eine Sondergenehmigung hoffen.

Auf so eine Ausnahmegenehmigung für die kommenden Spielzeit hat Holstein Kiel gehofft, das in der Relegation (17. und 21. Mai) um den Aufstieg in die Bundesliga spielt. Das Holstein-Stadion fasst knapp 10.000 Plätze - für die Erste Liga ist das zu klein, findet die DFL, die am Dienstag Kiels Bitte um eine Sondergenehmigung für Bundesliga-Heimspiele im eigenen Stadion abgelehnt hat. Auch, weil die eigene Arena den Sicherheitsanforderungen der DFL nicht genügen soll.

Damit steht fest: Im Falle des Aufstiegs muss Kiel an einen anderem Spielort ausweichen.

In der Champions League hätte Holstein Kiel dieses Problem übrigens nicht. Die Uefa fordert von den 32 Teilnehmern der Champions-League-Gruppenphase eine Mindestkapazität von 8000 Sitzplätzen - in der Saison 2017/2018 hatte NK Maribor mit knapp 13.000 Plätzen die kleinste Arena aller Teilnehmer.

Noch viel kleiner ist die Arena des niederländischen Erstligisten Excelsior Rotterdam: Das Van Donge & De Roo Stadion bietet gerade einmal Platz für 4400 Zuschauer, in der Eredivisie ist es dennoch zugelassen. Auch in den höchsten Spielklassen in England, Spanien oder Italien gibt es Spielstätten mit einer Kapazität von unter 15.000 Plätzen. Aber sehen Sie selbst - hier ist die Liste.



insgesamt 26 Beiträge
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Crom 09.05.2018
1.
Es sollte der DFL doch egal sein, wie viele Zuschauen das Spiel sehen können. Einzig die Kapazität für Gästefans sollte eine Untergrenze haben, damit diese keine Benachteiligung erfahren. Wie viele Heimzuschauen dann das Spiel verfolgen können, kann der DFL doch Wurst sein.
kiwi.pro 09.05.2018
2. Die spinnen die Deutschen
Der Wahnsinn setzt ja schon in den 4.Ligen ein, wo Dorfvereine ihre Gemeinden nötigen müssen für die (völlig überzogenen) Rahmenbedingungen zu sorgen. Z.B. Luxwert der Flutlichtanlage. Hat zwar gar nix mit dem Thema zu tun, aber ich Frage mich wie viele Radfahrer noch von rechtsabbiegenden LKWS überfahren werden müssen, bis wir entsprechende technische Schutzmaßnahmen an den Fahrzeugen vorschreiben, wenn die in unsere Städte wollen
mark e. ting 09.05.2018
3. temporäre Plätze hinzufügen
kann Kiel nicht einfach eine temporäre Tribüne anbauen? Ist günstig, einfach und schnell gemacht. Platz scheinst hinter dem Tor da auch zu haben. Das machen doch auch unterklassige Klubs, wenn sie auf Bundesligisten im Pokal treffen. Da wird mal schnell eine Tribüne für 5000 Menschen aufgestellt. Die DFL sollte sich nicht so haben. Nach ein/zwei Jahren ist für Kiel das Abenteuer BL eh vorbei, da wär ich als DFL sehr entspannt.
Epsola 09.05.2018
4.
Das Problem sind wohl eher mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen, nicht die mangelnde Kapazität.
hoppelkaktus 09.05.2018
5. Ach, nun lässt sie doch...
Dieses schnucklige Heringsfass da oben in Kiel, mit seinen paar handvoll Sitzplätzen drinne und sturmerproptem Wackeldach drüber, wäre als Bundesligastadion immerhin eine drollige Erinnerung daran, dass die Freude am Fußball ursprünglich mal nicht vor allem vom kalkulierten Massenentertainment und vom strömenden Gelde kam. Meine Güte, sollte Kiel der Aufstieg überhaupt gelingen, dürfte es eh nach höchstens einer einzigen Saison wieder ab in die zweite Liga gehen. Soll man sie also doch, im Fall des Falles, getrost ihre Heimspiele wirklich zu Hause und vor eigenem Publikum spielen lassen. Alles andere wäre engstirnig, kleinkariert, unsportlich - dumm. Oder?
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