Fußball Profi-Schiedsrichter outet sich als homosexuell

Als erster Aktiver im Schweizer Fußball hat sich Top-Schiedsrichter Pascal Erlachner als schwul geoutet. Dass andere Aktive seinem Beispiel folgen, glaubt der 37-Jährige nicht.

Schiedsrichter Pascal Erlachner
imago/ Geisser

Schiedsrichter Pascal Erlachner


Pascal Erlachner unterrichtet Sport im Hauptberuf - und er ist Profi-Schiedsrichter. Dass der Lehrer Erlachner schwul ist, das war in seinem persönlichen Umfeld seit einigen Jahren bekannt. Jetzt war es auch für den Schiedsrichter Erlachner an der Zeit, sich zu outen. "Ich bin mittlerweile selbstbewusst genug. Ich kann hinstehen und sagen: Ja, ich bin schwul - na und?", sagte der 37-Jährige im Interview mit dem Schweizer "Blick".

Erlachner gehört mit 73 Super-League-Einsätzen zu den Top-Schiedsrichtern in der Schweiz, betonte in dem Interview aber auch, dass der Zeitpunkt seines Outings nicht mit seinem Einsatz im Profifußball zusammenhängen würde. "Bei mir hat es nun mal ein wenig länger gedauert, das hat aber nichts mit meinem Job als Schiedsrichter zu tun", sagte Erlachner, der erst mit 30 Jahren den Mut gehabt habe, offen mit seinen Eltern zu sprechen.

Tatsächlich sei seine Homosexualität unter einigen Schiedsrichter-Kollegen "kein Geheimnis mehr". Erlachner ist der erste Aktive aus dem Schweizer Spitzenfußball, der sich öffentlich geoutet hat. In Deutschland outete sich Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger 2014 als schwul.

Dass andere Aktive seinem Beispiel folgen könnten, glaubt Erlachner nicht: "Es gibt ja Gründe, weshalb sich bisher nur wenige Fußballer geoutet haben und eigentlich alle ausschließlich nach ihrer Karriere." Auch er habe in seiner Zeit als Erst- und Zweitligaspieler stets geglaubt, seine Homosexualität verstecken zu müssen. "Gerade in der Fußballkabine ist es ein großes Problem, wenn man schwul ist. (...) Je älter ich wurde, desto schwieriger war es, mein Geheimnis zu wahren", sagte Erlachner, der mit 24 Jahren Ball gegen Pfeife getauscht hat. Bei den Schiedsrichtern fühle er sich jetzt wohler als damals in der Fußballmannschaft.

Erlachner hofft nun, dass es bei seinen nächsten Einsätzen nicht heißt, "jetzt kommt der schwule Schiri". Er wolle weder als Idol noch als schwuler Schiedsrichter wahrgenommen werden. Gesänge in den großen Stadien fürchte er ohnehin weniger: "Da ist es so anonym, dass man die Gesänge gut ausblenden kann", sagte Erlachner: "Schwieriger ist es, wenn ich ein Amateurspiel besuche. Schreit da ein einzelner Zuschauer die ganze Zeit homophobe Sprüche aufs Feld, geht mir das viel näher. Das ist hundertmal persönlicher."

sak

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