Hooligan-Attacke Bewaffneter Überfall auf Leipziger Clubheim

Mit Totschlägern und Gaspistolen haben Unbekannte am Wochenende eine Weihnachtsfeier des FC Sachsen Leipzig angegriffen. Mehrere Menschen wurden verletzt, das Clubheim wurde zerstört. Ein Augenzeuge macht Fans des Stadtrivalen 1. FC Lok für den Angriff verantwortlich.

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Leipzig - In Leipzig ist es in der vergangenen Nacht zu einem feigen Angriff gekommen. Gegen 22.30 Uhr stürmten zwischen 40 und 60 teilweise Vermummte eine Weihnachtsfeier von Fans des Oberligisten FC Sachsen Leipzig. "Die Angreifer warfen eine Rauchbombe in unser Vereinsheim und gingen mit Totschlägern und Gaspistolen auf die Besucher los. Sogar Frauen wurden mit Waffen bedroht", sagte Matthias Gärtner zu SPIEGEL ONLINE. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs.

Der 35-Jährige war einer von rund 50 Besuchern, die an diesem Abend zu der Weihnachtsfeier des FC Sachsen gekommen waren, um friedlich zu feiern. Laut Gärtner mussten mehrere Besucher mit Platzwunden und Nasenbeinbrüchen behandelt werden. Die "Sachsenstube" wurde bei dem Überfall komplett verwüstet. Laut Angaben des Betreibers entstand ein Sachschaden von mehreren tausend Euro, zudem sei bei dem Überfall auch die Vereinskasse geklaut worden. Der Besitzer hat Anzeige erstattet.

Gärtner ist sich sicher, dass die Angreifer Hooligans des Stadtrivalen waren: "Ich habe einige bekannte Gesichter bei den Angreifern ausgemacht. Das waren Leute von Lok Leipzig." Obwohl der Überfall keine fünf Minuten gedauert habe, standen einige der anwesenden Gäste noch heute unter Schock: "Das waren gefühlte drei Stunden", so Student Gärtner.

Die Anhänger des Landesligisten Lok und des FC Sachsen pflegen eine jahrelange Feindschaft. Beim letzten Derby zwischen Sachsens zweiter Mannschaft und dem 1. FC Lok verhinderten 800 Polizisten, eine Reiterstaffel und mehr als 70 Überwachungskameras Schlimmeres. Auf beiden Seiten hatten sich mehrere hundert Fans zu Gruppen zusammengefunden, um das gegnerische Lager anzugreifen. Es blieb aber bei zwei kurzen Schlägereien vor dem Spiel.

Ende Oktober war es rund um die Landesliga-Partie zwischen Dynamo Dresden II und Lok Leipzig zu Ausschreitungen gekommen. 1200 Beamte verhinderten, dass mehrere hundert Randalierer auf beiden Seiten aufeinander losgingen. Der Einsatz hatte über eine Million Euro gekostet.

Gewalt auch in Essen und Bochum

Auch in der Regionalliga Nord kam es am Wochenende beim torlosen Unentschieden zwischen den beiden Traditionsclubs Rot-Weiß Essen und Fortuna Düsseldorf zu Ausschreitungen. Weil Anhänger der Düsseldorfer in ihrem Block mehrfach Rauchbomben gezündet und Feuerwerkskörper auf das Spielfeld abgeschossen hatten, unterbrach der Schiedsrichter die Partie in der 75. Minute, schickte beide Mannschaften in die Kabinen. Erst nach rund zehn Minuten ging es weiter. Das traurige Ergebnis der Krawalle: Sieben Zuschauer und vier Ordner mussten behandelt werden, zwei Personen wurden sogar ins Krankenhaus gebracht.

"Das sind nicht unsere wahren Fans", distanzierte sich Düsseldorfs Manager und Interimstrainer Wolf Werner. RWE-Präsident Rolf Hempelmann erklärte: "Uns ist von allen Seiten ein guter Ordnungsdienst bescheinigt worden. Wir haben alles unternommen, um solche Vorfälle möglichst zu verhindern. Ganz ausschließen lässt sich das aber nicht, wenn ein so hohes Maß an krimineller Energie im Spiel ist."

Bei Ausschreitungen zwischen Polizei und Hooligans des Karlsruher SC während des Spiels beim VfL Bochum (2:2) wurden gestern drei Polizisten zum Teil schwer verletzt. Ein Beamter wird wegen eines Rückenwirbelbruchs im Krankenhaus behandelt. Die Polizisten, die vom Ordnungsdienst um Unterstützung gebeten worden waren, wurden brutal gegen den Kopf und Körper getreten. Zwei Tatverdächtige wurden anschließend festgenommen, ihnen wurde eine Blutprobe entnommen. Gegen beide wurden zudem Strafverfahren eingeleitet.

Mit Material vom sid



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