Fotos veröffentlicht Staatsanwalt droht Hooligans mit Internet-Pranger

Entweder ihr meldet euch, oder wir zeigen euch: Ermittler in der Schweiz drohen Hooligans. Ein Basler Staatsanwalt hat Bilder mutmaßlicher Schläger vom Spiel gegen Schalke 04 veröffentlicht. Sie sind verpixelt - noch.

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Staatsanwaltschaft Basel

Hamburg - Das Auswärtsspiel von Schalke 04 in Basel gehört zu den finsteren Episoden dieser Champions-League-Saison. Die Schalker gewannen 1:0, doch vor und nach dem Spiel im Oktober gingen Anhänger der Fanlager aufeinander los, es gab zahlreiche Verletzte.

Die Basler Staatsanwaltschaft hat mehrere Beteiligte identifiziert und Verfahren wegen Angriffen auf Polizeibeamte und Landfriedensbruchs eingeleitet. Mindestens sechs mutmaßliche Schläger wurden aber noch nicht ermittelt. Von ihnen haben die Staatsanwälte nun Bilder veröffentlicht, auf denen die Augenpartie unkenntlich gemacht wurde. Zugleich drohen die Ermittler: Wenn sich die Gezeigten nicht bis kommenden Montag melden, werden die Bilder ungepixelt ins Netz gestellt.

Das Vorgehen wirkt ungewöhnlich, ist in der Schweiz aber seit einigen Jahren möglich. "Wir machen das nur, wenn wir uns ganz sicher sind und alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben", sagt der Basler Kriminalkommissar Peter Gill SPIEGEL ONLINE. Die Ermittler hoffen, dass bei den gesuchten Personen die Angst vor dem Internet-Pranger die Angst vor der Strafverfolgung übertrifft. "Denn was einmal im Netz ist, bleibt für immer im Netz", warnt Gill.

Der Schweizer verweist auf ein Beispiel aus dem Jahr 2010: Nach einem Pokalspiel zwischen Basel und Zürich sei es zu Krawallen mit schwerer Körperverletzung gekommen. "Beteiligte warfen Bierfässer aus dem zweiten Stock auf gegnerische Fans", erzählt Gill. Die Staatsanwaltschaft habe gepixelte Bilder von 17 Tatverdächtigen veröffentlicht. Davon hätten sich elf gemeldet.

Und auch dieses Mal hatte die Aktion gleich Erfolg. Am Dienstag meldete sich einer der Beschuldigten bei den Ermittlern.

Anwalt sieht Grenzen für deutsche Ermittler

In Deutschland ist das Schweizer Modell nicht üblich, doch auch hierzulande gibt es die Möglichkeit einer Öffentlichkeitsfahndung. Die Bilder werden dann aber gleich ungepixelt gezeigt. Konkret heißt es in Paragraf 131b der Strafprozessordnung:

"Die Veröffentlichung von Abbildungen eines Beschuldigten, der einer Straftat von erheblicher Bedeutung verdächtig ist, ist auch zulässig, wenn die Aufklärung einer Straftat, insbesondere die Feststellung der Identität eines unbekannten Täters auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert wäre."

Laut dem Hannoveraner Anwalt Andreas Hüttl gibt es aber Grenzen für die Ermittler. So dürften sie Bilder von Verdächtigen nur veröffentlichen, wenn eine Straftat ausreichend schwerwiegend sei. Bei einer leichten Körperverletzung oder einem Landfriedensbruch ist die Öffentlichkeitsfahndung seiner Einschätzung nach nicht zulässig. Hüttl nennt ein Beispiel: Anfang April gab es beim Zweitliga-Spiel Arminia Bielefeld gegen Dynamo Dresden Krawalle. Die Ermittler gaben Fotos von Beschuldigten an die Dresdner Medien - obwohl bei den Auseinandersetzungen niemand verletzt wurde.

Beim Champions-League-Spiel in Basel ging es härter zur Sache. Obwohl die Staatsanwaltschaft die mutmaßlichen Schläger keinem Lager zuordnen konnte, besteht die Möglichkeit, dass auch Schalker Fans unter den mutmaßlichen Gewalttätern waren. Sie haben nun bis Montag Zeit, sich bei der Basler Staatsanwaltschaft zu melden - Telefon (0041) 612677111.



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insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
Malshandir 20.05.2014
1. Bedenklich
Also ich halte das Verhalten aeusserst bedenklich. Denn unter Umstaenden macht sich hier der Staatsanwlt strafbar, da sich der Aufruf auch gezeilt an deutsche richtet, muss diese auch deutsches recht wahren. Aber den Schweizern sind ja Recht und Gesetz schon immer egal gewesen.
enivid 20.05.2014
2. Find ich gut
Diese Leute haben ihr Anrecht auf Schutz vor der Öffentlichkeit verspielt. Ich bin ganz klar der Meinung, dass diese Leute an den Pranger gestellt werden dürfen; ggf. Müssen!
kascnik 20.05.2014
3. Bedenklich
Auch wenn einige Forsiten das nun wieder feiern werden, ich halte das für äusserst bedenklich. Wenn schon wegen solchen Vergehen derartige Dinge ins Netz gelangen,kann das für die Zukunft nichts gutes heißen. Wir reden hier meist von jungen Männern zwischen 16 und 23Jahren,spätpubertierend,meist aus sozialen Randschichten kommend. halbe Kinder, denen mit diesen Aktionen das komplette Leben zerstört wird. Und das ist in meinen Augen komplett unverhältnismäßig. Wir reden hier nicht über Straftaten die bei Opfern dafür sorgen, dass deren Leben für immer geschädigt ist, sondern in Anführungszeichen nur von wildem Randalismus. Das gehört bestraft aber ohne Richterurteil jungen Männern, die verirrt durch die Gesellschaft laufen das Leben zu vernichten, zeigt wie unsere Gesellschaft tickt.
bernd.o 20.05.2014
4. Xy
ZDF´s XY - ungelöst macht es ähnlich. Warum sollen wir nicht das Internet zur Verfolgung von Straftätern nutzen? Bei der Polizei ist es auch möglich online Anzeigen zu erstatten.
swische 20.05.2014
5. das ist ja mal
ein vernünftiger Anfang, die Kravalltüten zur Raison zu bringen. Nach dem, was die Schweiz in den letzten Monaten so an wundersamen Anwandlungen geboten hat, ein geradezu sympathischer Schach-Zug werte Eidgenossen! Am besten bei Facebook reinstellen ;-)
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