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Dokumentation: Erklärung von Horst R. Schmidt zum Louis-Dreyfus-Deal

Ehemaliger OK-Vize Schmidt: "erst 2004 erfahren" Zur Großansicht
dpa/dpaweb

Ehemaliger OK-Vize Schmidt: "erst 2004 erfahren"

Ein weiterer Protagonist in der Affäre um die dubiose Millionenzahlung vor der WM 2006 hat sich an die Vorgänge erinnert. Der damalige OK-Vize Horst R. Schmidt nimmt Stellung zur Rolle von Franz Beckenbauer und Robert Louis-Dreyfus. Seine Erklärung im Wortlaut.

Der ehemalige Generalsekretär Horst R. Schmidt, der als Vizepräsident des Organisationskomitees der WM 2006 fungiert hatte, hat sich in einer persönlichen Erklärung zu den Hintergründen der Zahlung von 6,7 Millionen Euro vom OK an die Fifa geäußert, die eine zentrale Rolle in den Enthüllungen des SPIEGEL rund um die Weltmeisterschaft in Deutschland spielt.

Nach Darstellung Schmidts, die sich im Wesentlichen mit der Version des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach deckt, die dieser am Mittag in einer Pressekonferenz vertreten hatte, soll Robert Schwan, der damalige Manager Franz Beckenbauers, das geheime Darlehen von Robert-Louis Dreyfus ans OK organisiert haben. Schmidt selbst habe erst 2004 davon erfahren. Schmidts Aussagen im Folgenden im Wortlaut.

"Ich habe erstmals im Herbst 2004 durch einen Anruf von Günter Netzer erfahren, dass Robert Louis-Dreyfus einen Anspruch gegen das OK des DFB in Höhe von 6,7 Mio. Euro haben soll. Ich hatte hiervon zuvor keine Kenntnis. Zeitnah habe ich die Mitglieder des OK-Präsidiums über diesen Sachverhalt informiert.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Forderung dem Grunde nach berechtigt schien:

Dies hatte folgenden Hintergrund: In den Jahren 2001/2002 gab es vielfältige und zähe Verhandlungen mit der Fifa um die Gewährung eines Zuschusses für die WM-Organisation seitens der Fifa. Zwar sind solche Zuschüsse üblich; Höhe und Zeitpunkt dieser Zuschüsse sind jedoch unterschiedlich. Mir war es in zahlreichen Gesprächen mit der Fifa nicht gelungen, eine Übereinkunft zu schließen.

Dies gelang letztlich Franz Beckenbauer bei einem persönlichen Treffen mit dem Fifa-Präsidenten im Jahr 2002. Im Anschluss daran gab es eine schriftliche Vereinbarung mit der Fifa über einen nach meiner Erinnerung pro rata zu zahlenden Zuschuss in Höhe von 250 Mio. Schweizer Franken.

Ich war überaus erfreut, dass es Franz Beckenbauer gelungen war, eine Einigung bzgl. des Zuschusses zu erzielen. Ohne den Zuschuss wäre die WM zum damaligen Zeitpunkt nicht zu finanzieren gewesen. Dass wir einen riesigen finanziellen Erfolg mit der Ausrichtung der WM erzielen würden, war zu diesem Zeitpunkt nicht ansatzweise vorhersehbar.

Im Jahr 2004 erfuhren wir dann von Franz Beckenbauer, dass die Finanzkommission der Fifa die Forderung aufgestellt hatte, dass das OK vorab 10 Mio. CHF leistet. Die Zahlung wurde zugesagt, ohne dass dies vorher mit dem OK besprochen wurde. Robert Schwan habe dann die Zahlung durch Robert Louis-Dreyfus organisiert; es sei ferner ein Schuldschein im Namen von Herrn Beckenbauer abgegeben worden. Somit sei das Vermögen von Herrn Beckenbauer für das OK bzw. den Fifa-Zuschuss eingesetzt worden. Das OK hätte im Jahr 2002 eine solche Zahlung ohnehin wirtschaftlich nicht aufbringen können.

Natürlich war ich nicht glücklich über die intransparente Gestaltung. Es stand aber für mich und das gesamte OK außer Frage, dass letztlich das OK und nicht Franz Beckenbauer persönlich für diese Verbindlichkeit einzustehen hat. Schließlich war dem OK auch der Zuschuss von 250 Mio. CHF zugekommen.

Versuche, Robert Louis-Dreyfus, davon zu überzeugen, auf seine Forderung zu verzichten, blieben erfolglos. Dies gilt auch für ein von Theo Zwanziger und mir mit Robert Louis-Dreyfus geführtes persönliches Gespräch Anfang 2005. Wir haben dann lange erörtert, wie ein Ausgleich mit Robert Louis-Dreyfus erzielt werden kann. Letztlich haben wir die FIFA als Zuschussgeber eingeschaltet. Nach Diskussionen mit der FIFA wurde letztlich gemeinsam festgelegt, dass die Zahlung mit der Beteiligung des DFB an den Kosten der geplanten WM-Gala verrechnet wird, was dann auch geschah.

Der zugrundeliegende Sachverhalt hatte nach meiner Kenntnis mit der WM-Vergabe nicht das Geringste zu tun. Weil Franz Beckenbauer nur im Interesse des OK gehandelt hatte und hier aus meiner Sicht eine rechtliche Verpflichtung des OK begründet wurde, stand, dies möchte ich nochmals betonen, außer Frage, dass das OK und nicht Franz Beckenbauer diese finanzielle Verpflichtung zu tragen hatte.

Als die WM-Gala abgesagt wurde, erfolgte eine Rückforderung nicht. Die Fifa hat das OK aber auch im Gegenzug nicht an den bereits entstandenen Kosten der Feier beteiligt. Die Kosten lagen meines Wissens im höheren Millionenbereich.

Bei dem Flughafengespräch in 2012 oder 2013 war dieses Thema nicht Gegenstand der Erörterung. Ich bin erst letzte Woche wieder mit der Thematik konfrontiert worden."

rae/sid

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Schlimmer gehts nimmer
hutzi49 22.10.2015
Jetzt werden schon verstorbene Personen(Dreyfuss/Schwan) genannt,die sich leider nicht mehr wehren können ,um dubiose Geldflüsse oderSelbstbereicherungen zu.vertuschen
2.
Reiner_Habitus 22.10.2015
Momnent mal! Man holt sich 2000 eine WM ins haus und merkt erst 2002, das man sie eigentlich gar nicht finanzieren kann. Holt deswegen den Kaiser, um es zu richten und der organisiert dann 10 Millionen CHF.. Nun, wer den Fehler findet darf ihn behalten.....
3. rofl
Beauregard 22.10.2015
ich frag mich nur wer so naiv war jemals zu glauben daß es bei den Fußballfunktionären nicht so zugegangen wäre... Habe Dreyfuß gekannt der war wirklich noch der seriöseste von dem ganzen Klüngel
4. Dreyfus-Deals wurden mit anderen Menschen getätigt
raber 22.10.2015
Jetzt ist Dreyfus der Oberorganisierer dieser ganzen Korruption? Für diese Deals musste aber mehr als ein Dreyfus daran teilnehmen. Zwar war er auch bei dem Deal Adidas-FC Bayer München (mit anschliessendem Millionenkredit an Hoeness) dabei. Adidas gewann obwohl Nike mehr als das Doppelte bot. Profitiert haben sie damals und auch bei den WM-Vergaben alle davon. Dreyfus ist tot aber sie leben, und zwar in sehr guten Verhältnissen und mit Luxusreisen und Geschenken obendrauf. Wer erinnert sich nicht an Rolex-Rummenigge oder Steuern-Hoeness sowie Steuerflüchtling-Beckenbauer. Zufällig alle vom FC Bayern München, aber beim Fussball sind viel zu viele an diesem Dauer-Einnahmen-Zirkus beteiligt. Jetzt wo es brennt, wissen sie nur halbe Sachen. Herr Beckenbauer sollte mal komplette Auskunft über diesen Skandal und die anschliessenden WM-Vergaben geben.
5.
stegner 22.10.2015
Man muss doch ehrlich sagen, dass die meisten Behauptungen des Spiegel sich bis dato als falsch erwiesen haben. Auch viele Details und Zusammenhänge sind falsch vom Spiegel recherchiert. Dazu die vollkommen falsche Ableitung aus falschen Fakten die WM sei gekauft gewesen. Und das feiern hier ganz viele Verschwörungstheoretiker, die scheinbar nur auf so einen Skandal gewartet haben, um sagen zu können: "ich wusste es schon immer. Die da oben sind doch alle korrukt". Ich finde es ebenfalls vollkommen unverständlich und beängstigend, was rund um die 6,7 Millionen passiert ist und dass Herr Niesbach diesen Fakt (seit Sommer) im DFB verheimlicht hat. ALLERDINGS: Nun benötigen wir erstmal weitere Fakten, bevor man urteilt. Alleine die ewige Wiederholung des Satzes "Warum sollte unsere WM sauber gewesen sein, wenn es keine andere war" reicht dafür nicht. Der Spiegel konnte da, außer dem Hinweis mit den 6,7 Millionen Euro, nur viele unbewiesene Behauptungen liefern.
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