Bayern-Triumph beim HSV Die pure Lust am Siegen

Der FC Bayern München nimmt mit spielerischer Leichtigkeit die Hürde Hamburg. Der 3:0-Auswärtssieg ist Ausdruck einer immensen Freude am Fußball. Trainer Jupp Heynckes gerät ins Schwärmen - und Sportdirektor Matthias Sammer hat mal nichts zu meckern. Wer soll die Münchner jetzt schlagen?

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DPA

Hamburg - Ein kurzes Kopfschütteln musste genügen. Franck Ribery verspürte am Samstagabend keinen Drang, noch irgendein Statement abzugeben. Dann beschleunigte der Flügelspieler des FC Bayern seinen Schritt, um die Berichterstatter im Erdgeschoss der Hamburger Arena so eilig hinter sich zu lassen, wie er zuvor auch die Gegenspieler auf dem Rasen ins Leere hat laufen lassen. Diesen Irrwisch einzufangen gilt derzeit als ein Ding der Unmöglichkeit. Fast jeder seiner 97 Ballkontakte beim eindrucksvollen 3:0 (1:0) gegen den Hamburger SV wäre eine Würdigung wert gewesen. Zwischenzeitlich streute die Nummer sieben so viele Zauberstückchen ein, dass sich der gemeine Betrachter eher auf einer Zirkusbühne als im Fußballstadion wähnte.

Das konnte auch sein Coach nicht unkommentiert lassen. "Franck Ribery hat ein Topspiel gemacht", sagte Trainer Jupp Heynckes später, "aber mir hat vor allem gefallen, wie viel er nach hinten gearbeitet hat." Zu entscheidenden Torvorlagen für das freche 2:0 von Thomas Müller (48.) und das dreiste 3:0 von Toni Kroos (53) hat es beim 29-Jährigen auch noch gelangt.

Ribery geht derzeit als filigraner Schöngeist einer Mannschaft voran, die die pure Lust und große Gier am Siegen verkörpert. "Es war das Pech des HSV", dozierte Präsident Uli Hoeneß, "dass wir letzte Woche verloren haben." Zusätzlich stimuliert haben die Bayern die Ergebnisse der patzenden Verfolger. "Das hat uns noch einmal einen Schub gegeben. Es macht gerade ganz viel Spaß; vor allem, wenn man neun von zehn Spielen gewinnt", resümierte der Gute-Laune-Garant Müller, dessen Unberechenbarkeit auf dem rechten Flügel eine kongeniale Ergänzung zu Ribery war.

Bayern-Gala in Hamburg
Nicht mal die Tatsache, dass der zuletzt im DFB-Pokal eingesetzte Arjen Robben 90 Minuten auf der Bank saß, sorgte für Verstimmung. "Ich war vier, fünf Wochen weg - man darf nicht zu viel wollen", sagte der Niederländer, der mit einer leichten Erkältung hadert. "Es war nicht schlecht, nicht von Anfang an zu spielen", so Robben. Dass sogar vermeintliche Egomanen wie er das große Ganze im Blick haben, scheint neu beim Branchenprimus.

"Er arbeitet, er presst, er hilft"

Das flotte Umschaltspiel, meist von einem beschwingten Toni Kroos initiiert, der nicht umsonst das 1:0 von Bastian Schweinsteiger vorbereitete (40.), gilt derzeit als maßgeblich beim FC Bayern. Die Mannschaft agiert dabei nicht einfach als Dortmunder Kopie, sondern hat einen eigenen Weg gefunden, der auf mehr Dominanz und Ballbesitz ausgelegt ist. Die Bayern folgen einem System, das mehr auf individuellen Fähigkeiten als einstudierten Automatismen beruht.

"Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist allererste Sahne", lobte Heynckes. Der Bayern-Trainer setzte zu einer Eloge auf sein Ensemble an. "Wir haben nicht nur eine Klassemannschaft, sondern auch einen guten Teamgeist. Die Spieler harmonieren außerhalb und auf dem Spielfeld." Exemplarisch für die Tugenden stellte Heynckes seinen Mittelstürmer Mario Mandzukic heraus: "Er arbeitet, er presst, er hilft - die Defensive fängt bei uns vorne an."

Die Bayern sind eben auch beseelt davon, Tore zu verhindern. Interessant, dass die Innenverteidiger Jerome Boateng und Dante gemeinsam mit Manuel Neuer nach Spielschluss einen eigenen Jubelkreis bildeten, um das nächste "zu Null" zu zelebrieren. Das furiose Torverhältnis von 30:4 gibt schon jetzt einen zusätzlichen Pluspunkt.

Da mochte nicht mal Sportdirektor Matthias Sammer die Stimmung kühlen. Stattdessen lobte er Fußballlehrer Heynckes über Gebühr: "Das was man bis hier hin erkennen kann, ist allein sein Verdienst. Er ist klar in der Trainingsplanung, er ist klar in Ansprache, er ist klar in der Analyse, und es ist eine Freude mit ihm zusammenzuarbeiten."

Gefährden kann den grandios gestarteten Rekordmeister im Grunde allein die eigene Überheblichkeit. Die Heimspiele gegen Lille (Champions League am Mittwoch) und Frankfurt (Bundesliga am Samstag) sollen die nächsten Siege bringen. "Wir müssen nur wieder mit dieser Bereitschaft zu laufen ins Spiel gehen", glaubt Taktgeber Kroos, "dann kommt die Leichtigkeit von allein." Und dann haben die Künstler national wohl bald keine Konkurrenz mehr.

Hamburger SV - Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Bastian Schweinsteiger (39.)
0:2 Thomas Müller (49.)
0:3 Toni Kroos (53.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen - Rincon (46. Rudnevs), Badelj - Son, van der Vaart, Arslan - Beister (59. Aogo)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Luiz Gustavo (56. Martínez), Schweinsteiger - Müller, Kroos (75. Tymoshchuk), Ribery (83. Rafinha) - Mandzukic
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Diekmeier, Jansen - Ribéry, Martínez

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
willhy 04.11.2012
1. z.B.
Zitat von sysopDPADer FC Bayern München nimmt mit spielerischer Leichtigkeit die Hürde Hamburg. Der 3:0-Auswärtssieg ist Ausdruck einer immensen Freude am Fußball. Trainer Jupp Heynckes gerät ins Schwärmen - und Sportdirektor Matthias Sammer hat mal nichts zu meckern. Wer soll die Münchner jetzt schlagen? http://www.spiegel.de/sport/fussball/hsv-gegen-bayern-muenchen-souveraener-sieg-des-rekordmeisters-a-865180.html
Bayer Leverkusen........BATE Borisov..............
unifersahlscheni 04.11.2012
2. Mia san mia...
... und so wird es immer bleiben ...! ;-)
MrSelfDestruct 04.11.2012
3. Ich kann es nicht mehr hören...
Ganz ehrlich? Wird es den Redakteuren nicht selbst langsam zu blöd? Nach jedem Sieg heißt es: Wer soll sie noch stoppen? Nach jeder Niederlage wird alles in Frage gestellt. Das ist doch so hirnrissig und hat mit gutem Sportjournalismus nichts, aber auch GAR NICHTS zu tun. Hauptsache, die geforderte Beitrags- und Wortanzahl ist erreicht, oder wie?
regensommer 04.11.2012
4.
Zitat von MrSelfDestructGanz ehrlich? Wird es den Redakteuren nicht selbst langsam zu blöd? Nach jedem Sieg heißt es: Wer soll sie noch stoppen? Nach jeder Niederlage wird alles in Frage gestellt. Das ist doch so hirnrissig und hat mit gutem Sportjournalismus nichts, aber auch GAR NICHTS zu tun. Hauptsache, die geforderte Beitrags- und Wortanzahl ist erreicht, oder wie?
Ich habe auch ab und an noch Sorge, dass die noch den Pokal verlieren könnten. Aber da haben Sie recht. Eigentlich braucht man das nicht mehr zu hinterfragen. Besser wäre "Wer will die Bayern noch einholen"
romeov 04.11.2012
5. Bayern ist...
...jetzt schon durch. Die Spielen in einer anderen Liga. Darunter werden die Krümel verteilt.
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