Fink-Rauswurf beim HSV Kreuzer und sein gefeuerter Kumpel

Er ist erst drei Monate im Amt - und muss jetzt schon einen Freund rauswerfen: HSV-Sportchef Oliver Kreuzer fällt die Trennung von Trainer Thorsten Fink sichtlich schwer, auch wenn sich beide in Sachfragen oft uneins waren. Felix Magath hat für die Nachfolge schon abgesagt.

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Oliver Kreuzer lächelt kurz, als er um 11.47 Uhr den gefüllten Mediensaal im Stadion des Hamburger SV betritt, mit Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow und Pressesprecher Jörn Wolf. Dabei gibt es wenig zu lachen bei diesem Termin. Die Verantwortlichen sollen erklären, warum sie den Entschluss gefasst haben, Trainer Thorsten Fink von seinen Aufgaben zu entbinden.

Vor allem für Kreuzer, seit gut drei Monaten als Sportchef beim HSV im Amt, gibt es leichtere Aufgaben. Das wird in den nächsten rund 20 Minuten deutlich. Kreuzer und Fink kennen sich schon lange, ihre Freundschaft haben sie stets betont.

Deshalb wirkt Kreuzer mitgenommen, als er zu seinem Statement ansetzt: "Jaaaa... pfffff...", sagt er erst mal. Auch danach ringt der Sportchef mehrmals um Worte. Die Sätze fließen nicht aus seinem Mund, er macht viele Pausen, holt Luft, überlegt. Die Entscheidung gegen Fink sei ihm schwergefallen, sagt Kreuzer. Das kann man ihm wohl glauben.

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HSV-Trainer seit 1997: Wenig Jahre, viele Trainer
Aber auf persönliche Bindungen nimmt der Fußball keine Rücksicht. Das weiß auch Kreuzer, deshalb flog er am Abend zuvor nach München, wo sich Fink seit Sonntag aufhielt, und überbrachte ihm die unangenehme Botschaft. "Enttäuscht und schockiert" habe Fink auf seine Beurlaubung reagiert, berichtet Kreuzer.

"Keine Konstanz, keine Linie"

Der Sportchef hatte sich in den vergangenen Wochen schon mehrmals von seinem Kumpel distanzieren müssen: Als es um die Sanktionen gegen die Mallorca-Reisenden Dennis Aogo und Tomás Rincón nach der 1:5-Niederlage gegen Hoffenheim ging, waren Kreuzer und Fink nicht einer Meinung: Kreuzer sprach sich für Sanktionen aus, Fink wollte die beiden begnadigen. Auch über den Umgang mit den aussortierten Profis Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic hatten sie unterschiedliche Auffassungen. Und dass Fink nach der 2:6-Niederlage am Wochenende gegen Dortmund zu seiner Familie nach München aufgebrochen war, passte Kreuzer nicht.

Doch natürlich, das betont der Sportchef, hätten am Ende nicht irgendwelche Privatflüge für die Trennung gesprochen. Es seien fachliche Argumente gewesen: Der Fehlstart des ambitionierten HSV mit nur vier Punkten aus fünf Ligaspielen, außerdem sei "keine Konstanz und keine Linie" in den Auftritten der Mannschaft zu sehen, auf dem Platz herrsche stets "ein kleines Wirrwarr", sagt Kreuzer.

Das ist eine harte Einschätzung, doch falsch ist sie nicht. Dieses Wirrwarr sollen erstmal die Ex-Profis Otto Addo und Rodolfo Cardoso ordnen, die vorläufig das Training leiten. Die Suche nach einem Nachfolger für Fink läuft jetzt an, diverse Namen sind auf dem Markt. Dass Markus Babbel ein Kandidat sei, bestreitet Kreuzer. Felix Magath sagte von sich aus als Trainer ab.

Jarchow wirkt wie auf einem Routinetermin

Die Zeit von Thorsten Fink als Trainer des HSV lief ab, das war in den vergangenen Tagen zu spüren. Doch dass er schon jetzt gehen muss, ist doch überraschend. Viele Fachleute hatten damit gerechnet, Fink beim Nord-Duell am Samstag gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) noch als Trainer zu erleben.

Doch Kreuzer und Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow wollten vermutlich nicht riskieren, Fink im Falle eines Sieges gegen Bremen weiter beschäftigen zu müssen. Denn ihre Zweifel am Trainer waren nicht von einzelnen Ergebnissen abhängig, es waren grundsätzliche. Die Entscheidung gegen Fink habe der Vorstand einstimmig getroffen, sagt Jarchow.

Er versucht, betroffen zu wirken, wirkt aber deutlich souveräner als Kreuzer, deutlich kühler. Während Kreuzer spricht, gießt sich Jarchow ein Wasser ein, schaut in die Runde. Für ihn scheint die Entlassungs-Pressekonferenz ein Routinetermin zu sein. Doch auch Jarchow selbst rückt in den Blickpunkt.

Die erste Frage aus dem Auditorium richtet sich an den Vorstandschef. Ob nicht auch für ihn die Zeit gekommen sei, über einen Rücktritt nachzudenken? Jarchow erschreckt diese Frage nicht, er hat vermutlich damit gerechnet, dass auch seine Person jetzt in Frage gestellt wird. "Das ist für mich kein Thema", sagt er.

Sportchef Oliver Kreuzer spricht am Ende noch ein paar persönliche Worte. "Auch auf diesem Weg möchte ich Thorsten Fink alles Gute für die Zukunft wünschen", sagt er, und er hoffe, "dass unsere Freundschaft nicht leidet". Es klingt ein bisschen nach einer Trennung unter Teenagern: Wir können ja Freunde bleiben!

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moritz1989 17.09.2013
1. Herzlichen Glückwunsch HSV!
Leider hat der Spiegel in diesem Artikel nicht noch einmal dargelegt wie viele Trainer es beim HSV in den letzten Jahren gab...egal wie viele es dann tatsächlich waren, es waren zu viele - lieber HSV-Vorstand! Die können so viele Trainer entlassen wie sie lustig sind, solange sich nicht etwas an den Strukturen und dem Vorstand/Aufsichtsrat grundlegendes ändert. Schade für Thorsten Fink, ich halte ihn für einen ordentlichen Trainer der in einem anderen Umfeld auch besser mit der Mannschaft hätte arbeiten können. So dreht sich das Karussell einfach weiter und am Ende passiert nichts! Herzlichen Glückwunsch zu dieser Fehlentscheidung!
jujo 17.09.2013
2. ...
Zitat von sysopDPAEr ist erst drei Monate im Amt - und muss jetzt schon einen Freund rauswerfen: HSV-Sportchef Oliver Kreuzer fällt die Trennung von Trainer Thorsten Fink sichtlich schwer, auch wenn sich beide in Sachfragen oft uneins waren. Felix Magath hat für die Nachfolge schon abgesagt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/hsv-rauswurf-von-thorsten-fink-tut-oliver-kreuzer-leid-a-922745.html
Das wird schwer! Die erste Trainergarde ist unter Vertrag und derzeit vom HSV nicht zu bezahlen. die Zweite ist auch nicht verfügbar. Da bleiben nur Labbadia, Babbel und ähnliche Figuren die in der Reihe mit Fink stehen. Der Neue hat die Aufgabe aus Rumpelfussballern, mit Spielintelligenz versehene Erstliga taugliche Spieler zu machen. Mit dem derzeitigen Personal würde das nicht mal dem Jupp Heynckes gelingen!
hansvonderwelt 17.09.2013
3. Keine Konstanz und keine Linie !Erinnert mich an
Werder Bremen in den letzten 2 Jahren.Ob es allerdings besser wird ? Bisher ist kein großer Fortschritt erkennbar,auch von den Neuen hört man nichts.Vielleicht sollten Bremen und der HSV mal für 1 oder 2 Jahre ihr Glück in der 2.Liga versuchen.Jedes Ende ist ein neuer Anfang !Als Werderfan leidet meine Gesundheit unter diesem Gegurke ! Ein Gegenbeispiel liefert Frankfurt mit ihrem guten Manager und Tainer.Erholt mit Schwung aus der 2. Liga,permanent gute Einkäufe mit einem nüchternen Tainer mit Perspektiven,vielleicht 2014 bei Werder !?
KlausGlobe 17.09.2013
4. Omg
obschon immer glühender Pauli-Anhänger, wer ist Kreuzer eigentlich?0, der war schon als Spieler maximal Mittelmaß! - jeder kann wohl heute Manager, Sportdirektor oä. in einem Proficlub werden - in der Wirtschaft wären solche Leute nie auf ähnlichen Posten - einfach nur traurig was im und mit dem Traditionsclub HSV geschieht, das hat er und die Bundesliga nicht verdient, eine Lösung fällt mir leider auch nicht mehr ein ... ausser viell. Abstieg und komplette Neustrukturierung
fbaf 17.09.2013
5. was macht eigentlich
Thomas Schaaf ?
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