HSV-Sieg gegen Bremen Mit Glück und Willensstärke

Durch zwei späte Tore feierte Hamburg einen glücklichen Erfolg im Nordderby gegen Werder Bremen. Die stärksten Mannschaftsteile des HSV lagen in der Defensive. Vorne halfen Glück - und der Gegner.

Von , Hamburg

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Wer die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Trainer an das 101. Nordderby in der Bundesliga verstehen wollte, der musste sich nur ansehen, wie Josef Zinnbauer und Viktor Skripnik ihre Coaching-Zonen nutzten: HSV-Trainer Zinnbauer verbrachte das Spiel, das mit einem 2:0-Sieg seiner Mannschaft endete, unter ständiger Spannung am äußersten Rand des erlaubten Bereichs. Ganz anders Skripnik. Der ruhige Bremer blieb im Nordderby meist auf seiner Bank neben Assistent Torsten Frings sitzen. Wenn er einmal aufstand, dann oft mit Händen in den Jackentaschen.

Ruhig und abwartend war auch die Spielweise, die Skripnik seiner Mannschaft nach zuvor drei Pflichtspiel-Siegen hintereinander verordnet hatte. Mit einem tiefen 4-4-2 empfingen die Gäste die HSV-Angriffe. Nur selten wurden die ballführenden Hamburger schon in der eigenen Hälfte angelaufen. "Wir haben versucht, ein 0:0 zu erreichen", gab Skripnik nach dem Spiel zu. Gegen die schwache Offensive der Hamburger war das kein unrealistisches Unterfangen, und so taten sich die Gastgeber schwer, gegen Bremens Bollwerk zu Chancen zu kommen.

Wie ihr Trainer agierten auch die HSV-Spieler im Laufe des Spiels so ungeduldig, dass sie die Absicherung zunehmend vernachlässigten, als sich der defensive Mittelfeldspieler Valon Behrami mehr und mehr nach vorne einschaltete. So blieben hinten oft Zwei-gegen-zwei-Situationen, bei denen es die Innenverteidiger Johan Djourou und Heiko Westermann mit Nils Petersen und Izet Hajrovic zu tun bekamen. Dass diese Konstellation nach Ballverlusten nicht bestraft wurde, lag nicht zuletzt an der starken Leistung Djourous.

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HSV vs. Werder: Joker- und Eigentor entscheiden Nordderby
Als Rafael van der Vaart vor seiner Auswechslung in der 86. Minute zu Djourou ging und diesem die Kapitänsbinde überstreifte, entsprach das zwar der Hierarchie in der Mannschaft - der Abwehrchef ist Stellvertreter des Niederländers - trug aber zugleich den Charakter einer Würdigung. Zwei Minuten zuvor war der HSV in einem Spiel, das alle Züge eines umkämpften 0:0 getragen hatte, in Führung gegangen. Ein langer Einwurf von Ashton Götz, den er "so in der U23 einstudiert" hatte, wie Trainer Zinnbauer verriet, war von Werder-Verteidiger Assani Lukimya auf Artjoms Rudnevs verlängert worden, der aus kurzer Distanz abstaubte.

Dass die Spielweise des HSV am Ende Früchte trug, war aber nicht primär den eingewechselten Götz und Rudnevs zu verdanken. Sondern einerseits dem Glück, dass fünf Minuten vor dem 1:0 Bremens Alejandro Gálvez zu überrascht war, um den von HSV-Torwart Jaroslav Drobny parierten Ball aus kurzer Nähe im Tor unterzubringen. Andererseits den Leistungen Djourous - und auch van der Vaarts.

"Wir haben einen Tick mehr Willen gehabt"

Nicht primär als Passgeber oder Standardschütze glänzte der Kapitän, sondern mit energischem Gegenpressing, wenn seine Mannschaft im Mittelfeld den Ball verloren hatte. Mehrere Konter wusste der Niederländer so zu verhindern. Und es war wohl auch seine starke Arbeit gegen den Ball, die Zinnbauer dazu veranlasste, zunächst den fast acht Jahre jüngeren Lewis Holtby auszuwechseln und nicht van der Vaart. "Die Punkte sind für uns unglaublich wichtig. Es ist schön, wenn man im Derby gewinnt", sagte van der Vaart, der von seinem Trainer ein Sonderlob erhielt. "Wir haben einen Tick mehr Willen gehabt", sagte Zinnbauer.

Die drei Punkte verhalfen dem HSV zum Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz während Werder auf Rang 17 abrutschte. Rechnet man bei beiden Klubs jeweils die Spiele der Vorgängertrainer heraus, so lägen die Nordrivalen im unteren Mittelfeld und nicht in der Abstiegszone. Zinnbauer und Skripnik haben die Qualität erkennen lassen, um ihre Teams aus dem Tabellenkeller zu führen.

Ob es im Abstiegskampf für beide reicht, wird sich aber erst noch zeigen - nicht in hektischen Nordderbys, sondern im Alltag. Gegen Mannschaften, die mit weniger Mitteln taktisch anspruchsvollen Fußball hinbekommen wie zum Beispiel der FC Augsburg (nächster Gegner des HSV) oder auch der SC Paderborn 07 (am kommenden Spieltag in Bremen).

Hamburger SV - Werder Bremen 2:0 (0:0)
1:0 Rudnevs (84.) 2:0 Wolf (90.+3, Eigentor)
Hamburg: Drobny - Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek - Behrami - Gouaida, Holtby (67. Rudnevs), van der Vaart (86. Arslan), Nicolai Müller (81. Götz) - Lasogga
Bremen: Wolf - Gebre Selassie (88. Elia), Lukimya, Galvez, Garcia - Fritz, Kroos - Bartels, Junuzovic - Hajrovic (57. Makiadi), Petersen (70. Selke)
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Tore: 1:0 Rudnevs (84.), 2:0 Wolf (90.+3 Eigentor)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Gelb-Rot: Fritz wegen wiederholten Foulspiels (89.)
Gelbe Karten: Diekmeier (5), Westermann, van der Vaart (4), Ostrzolek (3) - Garcia (5), Makiadi, Bartels (2)
Ballbesitz in Prozent: 62 / 38
Schüsse: 14 /12 Torschüsse: 5 / 7
Gewonnene Zweikämpfe in Prozent: 48 / 52

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
hattrick73 23.11.2014
1.
Wenn beide so weiterspielen ist Feierabend. Paderborn, Freiburg, Frankfurt und Hertha sind derzeit besser.
Walter Frosch 23.11.2014
2. Schlimm..
..und erschreckend wer da mittlerweile alles auf den Abstiegsplätzen steht. Stuttgart, Hamburg und Bremen haben aus den vergangenen schlechten Saisons nichts danzu gelernt und plötzlich sind graue Mäuse wie Hoffenheim, Mainz oder Augsburg über eine ganze Saison konstant besser. Wie soll das eigentlich in ein paar Jahren ausschauen? Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen, ja am besten noch RB Leipzig in der Champions League? Und in der Euro League dann Augsburg und Mainz? Wer will das sehen??
haltetdendieb 23.11.2014
3. Nix Feierabend
Zitat von hattrick73Wenn beide so weiterspielen ist Feierabend. Paderborn, Freiburg, Frankfurt und Hertha sind derzeit besser.
Feierabend nur für Werder Wer? Der HSV bleibt im Oberhaus und St. Pauli geht in Liga 3! Wenn der HSV so weiter macht, stehen sie zur Hälfte irgendwo im Niemandsland zwischen 10 und 14. Aber immerhin ist die Hütte voll. Das nennen wie Liebe! NUR DER HSV!
hubidubi 24.11.2014
4.
Zitat von hattrick73Wenn beide so weiterspielen ist Feierabend. Paderborn, Freiburg, Frankfurt und Hertha sind derzeit besser.
Bis sie wieder schlechter sind. Diese wöchentlichen Voraussagen, wer so absteigt sind phänomenal. Ich erinner Mal an letztes Jahr: Da haben die Hertha-Anhänger von Europa fabuliert und Leute, die darauf hingewiesen haben, dass die gesammelten Punkte Punkte gegen den Abstieg sind, wurden belächelt. Bremen und Hamburg gehören zum erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten - die von Ihnen genannten auch. Paderborn zum Beispiel wird am Ende der Hinrunde vielleicht zwischen 20 und 25 Punkten haben - ein sehr guter Wert. Doch ob es am Ende reicht, um (direkt) drin zu bleiben, wird die Rückrunde zeigen, die wahrscheinlich nicht so stark laufen wird.
PeterPan95 24.11.2014
5.
Zitat von haltetdendiebFeierabend nur für Werder Wer? Der HSV bleibt im Oberhaus und St. Pauli geht in Liga 3! Wenn der HSV so weiter macht, stehen sie zur Hälfte irgendwo im Niemandsland zwischen 10 und 14. Aber immerhin ist die Hütte voll. Das nennen wie Liebe! NUR DER HSV!
Die "Hütte" war voll, aber extrem leise. Man hat sehr oft nur die Bremer gehört und wirklich emotional und hitzig wurde es erst sehr sehr spät. Die Vorhersagen sind natürlich Quatsch, aber nach solch einer Vorsaison und den Erfahrungen der Relegation sollte man Abstiegskampf vielleicht etwas ernster nehmen. "Wenn der HSV so weiter macht" ist er am Ende auf Platz 15, denn da ist er auch jetzt. Wenn man allerdings bei Werder nur die letzten drei Spiele betrachtet, gewinnt Werder ja 2 von 3 Spielen. Sie sehen, jede solche Aussage ist immer so auszulegen, wie man gerne möchte. Die Spiele werden auf dem Platz gespielt.
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