Hamburg - Der vom Hamburger SV suspendierte Verteidiger Slobodan Rajkovic erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Trainer Thorsten Fink. In einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" sagt er über den HSV-Coach: "Unser Trainer lügt. Er hat zwei Gesichter."
Rajkovic, der vor einem Jahr vom FC Chelsea nach Hamburg gewechselt war, wurde in der vergangenen Woche nach einem Handgemenge im Training von Fink suspendiert. Der 23-Jährige war zuvor mit seinem Mitspieler Heung-Min Son aneinander geraten. Leidtragender der Prügelei war Tolgay Arslan, der mit einer Platzwunde vom Feld getragen werden musste.
Wenn es nach Fink geht, wird Rajkovic kein Spiel mehr für den HSV bestreiten. "Für mich ist klar, dass er nicht mehr zurückkommt," sagte der Coach im Trainingslager in Südkorea, das ohne den Serben stattfindet. Sportchef Frank Arnesen, der schon bei Chelsea mit Rajkovic zusammenarbeitete und den Abwehrspieler für zwei Millionen Euro zum HSV geholt hatte, will sich jedoch noch nicht festlegen. Über einen Rauswurf des Profis könne nur der Vorstand entscheiden, sagte er. Fink reagierte im "Hamburger Abendblatt" zerknirscht: "Ich habe mich eigentlich entschieden, aber trotzdem werde ich mit meinem - in Anführungszeichen - Chef noch mal darüber reden."
Rajkovic wirft dem Trainer vor, dass er ihn schon vor der Prügelei im Training aus seinen Planungen für die neue Saison gestrichen habe. Er habe jedoch nur "hintenrum" erfahren, dass der HSV ihn verkaufen wolle. "Ich wurde noch nie so oft und so lange angelogen", klagt der Spieler, der noch einen Vertrag bis 2015 besitzt. "Dabei hätte der Trainer mir am Saisonende einfach nur sagen müssen, dass er mich nicht mehr braucht."
An eine Zukunft beim HSV glaubt Rajkovic nicht mehr. "Sportchef Frank Arnesen will zwar noch mal mit dem Trainer sprechen, aber er hat auch gesagt, dass das wohl nicht viel an der Entscheidung ändern wird." Spätestens mit diesem Interview dürfte Rajkovic sein Aus in Hamburg besiegelt haben. Arnesen reagierte jedenfalls prompt: "Es ist nicht zu tolerieren, dass ein Spieler, der selbst vor fünf Tagen grobes Fehlverhalten an den Tag gelegt hat, unabgestimmt mit dem Verein solche Aussagen macht", sagte er auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. "Das wird selbstverständlich Konsequenzen haben."
syd
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