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HSV-Sportchef Arnesen: Trainer gefunden, Reputation verloren

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Die Suche hat ein Ende: Thorsten Fink ist neuer Trainer des Hamburger SV. Damit ist auch eine wochenlange Posse beendet, deren Hauptfigur Frank Arnesen war. Der Sportdirektor muss nun hoffen, dass seine Verpflichtung einschlägt.

HSV-Sportchef Arnesen: Alles eine Frage des Charakters Zur Großansicht
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HSV-Sportchef Arnesen: Alles eine Frage des Charakters

Frank Arnesen machte sich zuletzt rar. Der Däne gab in den vergangenen Tagen keine Interviews, sprach kaum mit der Presse. Die vielen negativen Schlagzeilen über die missglückte Trainersuche, Indiskretionen im eigenen Verein und insbesondere das Horrorszenario eines HSV-Abstiegs machten dem 55-Jährigen sichtlich zu schaffen. Heute konnte Arnesen dann wieder in der Öffentlichkeit lachen, als er in Hamburg die Verpflichtung von Thorsten Fink bekannt gab. Der ehemalige Bayern-Profi ist so etwas wie Arnesens Lebensversicherung.

Denn der Däne stand zuletzt gehörig in der Kritik. Nachdem Arnesen sich zunächst voll hinter Ex-Coach Michael Oenning stellte, um ihn nur wenige Tage später zu entlassen, zeigte er in den anschließenden Wochen eine Performance als Experte der Trainer-Suchkommission, die vergleichbar ist mit einem 100-Meter-Hürdenläufer. Allerdings einem, der gleich die ersten sechs Hürden reißt und dem man kaum noch zutraut, die Tartanbahn aufrecht und unverletzt zu verlassen.

Arnesens Stolpersteine hießen Marco van Basten, Morten Olsen, Michael Laudrup, Guus Hiddink Louis van Gaal und Huub Stevens. Bei den Verhandlungen mit dem Niederländer, der den HSV bereits in der Saison von 2007 bis 2008 trainierte, soll Arnesen eine besonders unglückliche Figur abgegeben haben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Arnesen Stevens lediglich ein Grundgehalt von 650.000 Euro und einen Einjahresvertrag angeboten haben.

HSV dementiert Dumping-Angebot

Für einen erfahren Trainer wie Stevens sicherlich kein realistisches Angebot. Das Resultat: Der Holländer entschied sich gegen Hamburg. Er will sich nun nicht mehr offiziell zu den Vertragsgesprächen mit dem HSV äußern. Der Hamburger Pressesprecher Jörn Wolf bezeichnet das kolportierte Stevens-Angebot hingegen als "definitiv falsch".

Fakt ist: Arnesen begründete die gescheiterten Verhandlungen damals nicht mit unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen. Vielmehr sei Stevens "nicht der Richtige in diesem Moment" für den HSV gewesen, weil er zeitgleich noch mit dem FC Schalke verhandelt habe, monierte Arnesen öffentlich. Stevens unterschrieb daraufhin einen Zweijahresvertrag beim FC Schalke.

Es grenzt schon an Scheinheiligkeit, wenn man sich erst in der Öffentlichkeit derart darüber beschwert, dass ein Trainer mehrgleisig fährt, dann aber wenige Wochen später einen Coach aus seinem laufenden Vertrag für rund eine Million Euro herauskauft. Denn nach zahlreichen weiteren Absagen blieb offenbar nur noch Fink übrig.

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HSV-Trainer Fink: Von der Champions League in den Abstiegskampf
Einige der anderen potentiellen HSV-Trainern soll neben dem Tabellenplatz und dem Spielerkader zudem abgeschreckt haben, dass bei vielen Verhandlungen umgehend die Namen der Trainerkandidaten publik wurden. Selbst vermeintliche Verhandlungsdetails machten schnell die Runde.

Arnesens Ruf in der Liga ist erstmal ramponiert, zumal bislang auch keiner seiner Einkäufe sportlich überzeugen konnte. Der Däne wirkt entzaubert, es ist kaum etwas von den vor der Saison erzeugten Hoffnungen übrig. Stattdessen wird nun eine riesige Erwartungshaltung auf Fink projeziert. Mit dem gebürtigen Dortmunder hat Arnesen einen Trainer eingestellt, der in der Bundesliga bislang völlig unerfahren ist.

Dieser 43-jährige Ex-Profi ist nun Arnesens Richter. Er muss schnell funktionieren, um wieder für ein wenig Normalität und Ruhe sorgen zu können. Er muss aus dem Tabellenletzten eine Mannschaft formen und umgehend mit dem Punktesammeln anfangen. Fink ist im Gegensatz zu Ex-Coach Oenning direkt mit der Person Arnesen verbunden.

"Er ist mein Wunschtrainer", sagt der Däne, der Oennings Weiterbeschäftigung im Sommer nur absegnete, aber den Ex-Trainer nicht selbst verpflichtete. "Ich habe mich mit Thorsten Fink sechs Stunden lang unterhalten. Er ist ein Trainer mit Hunger. Er passt als Trainer und Mensch sehr gut zum HSV", schwärmt Arnesen: "Ich bin von Fink komplett überzeugt und es soll minimum über zweieinhalb Jahre mit ihm gehen."

Finks Ergebnisse werden also auch Arnesens Ergebnisse sein. Ein weiterer Flop würde Arnesens Ansehen wohl endgültig ruinieren.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Kompetent in Sachen Sport?
jetztwirdsgut 13.10.2011
Das Arnesen-Bashing macht der Journaille anscheinend Spass. Bis jetzt kann man aber eigentlich nicht über ihn meckern. Jeder Sportdirektor hätte in diesem Chaos-Verein Anfangs-Schwierigkeiten. Und dazu noch ein Präsitdent wie Jarchow. Dafür hält er sich wacker und wenn Fink einschlägt, jubelt die Presse es wieder nach oben. Eigentlich viel zu armselig, um das weiter zu kommentieren.
2. Was für ein Problem
Maggi2097 13.10.2011
hat der Spiegel eigentlich mit dem HSV? Viele Pauli-Fans in der Redaktion? Hat Herr Ertel gewisse Vorgänge aus der Vergangenheit noch nicht endgültig verarbeitet ? Anders ist es nicht zu erklären, wie man ernsthaft einen solchen Passus publizieren kann : "Bei den Verhandlungen mit dem Niederländer, der den HSV bereits in der Saison von 2007 bis 2008 trainierte, soll Arnesen eine besonders unglückliche Figur abgegeben haben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Arnesen Stevens lediglich ein Grundgehalt von 650.000 Euro und einen Einjahresvertrag angeboten haben. Für einen erfahren Trainer wie Stevens sicherlich kein realistisches Angebot. Das Resultat Der Holländer entschied sich gegen Hamburg." Hat der HSV nicht Stevens abgesagt ? Woher kommen Ihre neuen Erkentnisse ? Kommt nun doch wieder Herr Ertel ins Spiel ? Die Indiskretionen beim HSV seit zig Jahren hat also Herr Arnesen zu verantworten, ich frage mich nur wie er das bis Sommer von Chelsea aus geregelt hat. Unglaubliche Meinungsmache hier.
3. Neulich am Kiosk
wetnoodle 13.10.2011
Neulich mal den Fink am Kiosk gesehen - da hätte ich noch nicht gedacht das er zum Kasperle Verein wechseln würde. Aber man muss das verstehen, ein Loddar versucht seit Jahren in die BL zu kommen, da muss man die Gelegenheit beim Schopf packen, schätze ich.
4. Abenteurlich
@udion@ut, 13.10.2011
ist was hier alles Herrn Arnesen angedichtet wird. Die Kritik an Arnesen bezüglich Oenning ist derartig heuchlerisch das ich mittlerweile glauben muß die Spon Redakteure leben in ihrer eigenen kleinen heilen Welt, denn für so doof kann man seine Leser nun wirklich nicht halten. Arenesen hat in der Situation das einzig richtige gemacht. Alles andere wäre unnötiger Brandbeschleuniger gewesen. Als nächstes wird Arnesen für die indeskretionen der Trainersucher verantwortlich gemacht. Wie soll ein Sportdirektor in so kurzer Zeit die Ratten an Bord ausräuchern die seit Jahren Interna an die Presse geben. An dieser Stelle ein schönen Gruß an Herrn Ertel. Folgend von dem Vorwurf der Scheinheiligkeit. Hier mutiert der Artikel langsam zu Lachnummer. Die Aussage ist natürlich naiv aber die tatsächlichen Gründe gehen uns evtl. einfach mal nix an. Das dies für den ein oder anderen schwer zu akzeptieren ist steht anscheinend außer Frage. Die Krönung kommt ganz beiläufig daher:"Der Ruf des Dänen in der Liga ist erstmal ramponiert, zumal bislang auch keiner seiner Einkäufe sportlich überzeugen konnte. Arnesen wirkt entzaubert, es ist kaum etwas von den vor der Saison erzeugten Hoffnungen übrig." Der Ruf definiert sich anscheinend über undifferenzierte Artikel in der Presse. Weiterhin war allen klar, außer dem Boulevard anscheinend, das dies eine extrem schwere Saison wird. Ein Rajkovic(22), Töre(19), Skjelbred(24) und zuletzt auch ein Bruma(19) zeigen alle das Sie Potential besitzen. Der Einkauf von Ilicevic war folgerichtig und wird dem HSV weiterhelfen. Einzig und allein muß über den Torwart nachgedacht werden, starke reflexe auf der Linie und ansonsten wie ein Lemming durch die Gegend laufen ist zuwenig.
5. Peinlich
n.holgerson 13.10.2011
Spiegel Online ist wirklich nur noch peinlich. Gerade wenn man selber so eine blamage Fehlmeldung über den HSV hingelegt hat, wenn man die letzten Tag jedes Gerücht als Wahrheit verkauft, wenn man so oft daneben gelegen hat, wenn man Prognosen erstellt hat, die sich nach Stunden als falsch herausstellen, dann sollte man doch mal kleinere Brötchen backen... Peinlich. Mehr fällt einem doch dazu nicht ein. Ich hätte mal einen Vorschlag, warum setzten sich die Sport-"Journalisten" bzw. der Praktikant nicht hin und schreiben mal einen ganz neuen Artikel. Der sollte ganz simpel aufgebaut sein. Drei Spalten: Erste Spalte, die offiziellen Aussagen des HSV. In der zweiten die Behauptungen von Spiegle Online. In der dritten Spalte, was dann tatsächlich passiert ist... Und fangen wir doch mit der Geschichte an, als Spiegel Online behauptet hat, Stevens würde ganz sicher zum HSV kommen und das Schweigen der Verantwortlichen des HSV sei nur noch peinlich...
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09/01-10/01 Holger Hieronymus (interimsmäßig)
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