HSV-Start gegen Nürnberg Hamburger Pleite mit Ansage

Der Hamburger SV hat sein Auftaktspiel gegen Nürnberg 0:1 verloren. Überraschend kam das nicht. Die Niederlage ist das Resultat einer verkorksten Vorbereitung und der mangelhaften Kaderzusammenstellung.

Von Jan Reschke

HSV-Profis Aogo (l.) und Westermann: Probleme in allen Mannschaftsteilen
DPA

HSV-Profis Aogo (l.) und Westermann: Probleme in allen Mannschaftsteilen


Hamburg - Der Hamburger SV hat zum Bundesliga-Auftakt 0:1 (0:0) verloren. Im eigenen Stadion. Gegen Nürnberg. Kein Gegner, der andernorts für Angst und Schrecken sorgt. Die Verwunderung über die Niederlage hält sich dennoch in Grenzen. Weil es bei objektiver Betrachtungsweise eigentlich gar nicht anders kommen konnte.

Denn dem Team von Trainer Thorsten Fink fehlt es derzeit einfach an Qualität. Das weiß Fink, der immer wieder auch über die Öffentlichkeit Verstärkungen gefordert hat. Das weiß Sportdirektor Frank Arnesen, der noch immer emsig nach neuen Profis sucht. Das wissen selbst die Spieler, die sich in Form des Mannschaftsrats beim Vorstand für neue Konkurrenz im Kader ausgesprochen haben. So sagte Mittelfeldmann Marcell Jansen im "Kicker": "Ich habe mich intern dazu positioniert, wir dürfen uns nicht anlügen und sagen, dass Karlsruhe nur ein Ausrutscher war."

Im Pokal gegen Karlsruhe hatte es sich bereits angedeutet. Da hatte es gegen den Drittligisten eine 2:4-Pleite gegeben. Nicht, weil der HSV einen schlechten Tag gehabt hätte, sondern weil er es einfach nicht besser konnte. Nun folgte gegen Nürnberg die Bestätigung: Hamburg wird in dieser Saison in dieser Besetzung Probleme bekommen. Große Probleme.

Fotostrecke

9  Bilder
Fußball-Bundesliga: Bayern souverän, Hamburg desolat
In der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld ist der Handlungsbedarf besonders groß. Doch auch im offensiven Mittelfeld benötigt der HSV noch einen guten Mann. Vom Angriff ganz zu schweigen.

All diese Probleme sind bekannt. Seit langem schon. Und Arnesen hat immer wieder betont, dass es dauern werde, bis er die nötigen Verstärkungen würde liefern können. In Paul Scharner hatte er eine solche für die Abwehr bereits gefunden, doch der Österreicher verletzte sich prompt und wird noch einige Wochen fehlen. Auch im defensiven Mittelfeld ist Arnesen fündig geworden. Doch Milan Badelj kommt erst Anfang September. In der Offensive wird Hakan Calhanoglu den HSV verstärken - in der kommenden Saison. Es gibt bessere Voraussetzungen.

Daher wird fieberhaft daran gearbeitet, weitere Profis zu holen, um Qualität ins Team zu bekommen. Petr Jiracek vom VfL Wolfsburg zum Beispiel. Doch der kostet viel Geld, 3,5 Millionen Euro wären wohl fällig. Geld, das der HSV auch wegen des frühen Aus im Pokal nicht hat.

"Die Erwartungen an uns sind gering"

Und da kommt wieder einmal Investor Klaus-Michael Kühne ins Spiel, der dem Club schon den ein oder anderen Spieler spendiert hat. Doch der träumt trotz der bedrohlichen Situation in ganz anderen Dimensionen: Kein geringerer als Rafael van der Vaart soll es sein, der den HSV zurück zum Erfolg führen soll, derzeit in Diensten von Tottenham und einst Symbol Hamburger Stärke.

Mit dem Geld von Kühne wäre der Transfer sogar machbar, aber kann sich van der Vaart tatsächlich motivieren, beim Hamburger SV womöglich gegen den Abstieg zu spielen? Arnesen zumindest hat die Spekulationen nicht weniger werden lassen. Er sagte im Anschluss an das Spiel gegen Nürnberg: "Es ist eine schwierige Situation. Ich schließe nichts aus. Heute möchte ich aber nicht mehr darüber reden."

Trainer Fink hatte es vor der Partie gegen Nürnberg gesagt: "Die Erwartungen an uns sind gering." Es kann also nur besser werden.

Hamburger SV - 1. FC Nürnberg 0:1 (0:0)
0:1 Balitsch (68.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo - Westermann, Skjelbred (70. Beister) - Sala (58. Tesche), Jansen - Berg, Son (71. Rudnevs)
Nürnberg: Raphael Schäfer - Chandler, Nilsson, Klose, Pinola - Balitsch, Simons - Frantz (76. Gebhart), Kiyotake, Esswein (90. Mak) - Polter (64. Pekhart)
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Zuschauer: 50.123
Gelbe Karten: Westermann, Beister, Jansen, Tesche - Pinola, Balitsch

Forum - Was erwarten Sie von der Bundesliga-Saison 2012/2013?
insgesamt 3069 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Mitschka 17.08.2012
1.
Zitat von sysopDie neue Saison der Fußball-Bundesliga startet, und es kann wieder spannend werden. Gelingt Borussia Dortmund das Meister-Triple, oder gewinnt Bayern München wieder alte Stärke und Meister-Ehren? Wer überrascht, und wer muss gegen den Abstieg kämpfen? Was erwarten Sie von der neuen Spielzeit?
Erster...;-)) auf eine schöne saison!!!
Seffi 17.08.2012
2. wow
Zitat von MitschkaErster...;-)) auf eine schöne saison!!!
Gratulation an Dich und an den Sysop - den wahren Ersten!
ray4912 17.08.2012
3.
Zitat von MitschkaErster...;-)) auf eine schöne saison!!!
hast mir den Platz weggeschnappt! ich aber frage: "wer hats erfunden?" als erster nun konkret;-) Bayern schaffts klar und deutlich BVB 2. VFB 3. Schalke 4. MGB hat Mühe (9.) SCF 10. besser als letzte Saison: u.a. Wolfsburg, Hoffenheim der ganze Norden schwächelt, ebenso Mainz
Jupp Koschkoweit 17.08.2012
4. Noch mal zum Argentinienspiel.
Als Kahn lospolderte, dachte ich zunächst, was ist denn nun los. Dann viel mir allerdings ein, dass wir nicht mehr beim Olympia-Schwimmen waren sondern beim Nationalmannschaftsfußball. Also nichts mehr mit um den heißen Brei herumreden und sich am schnellen Schwimmen der anderen erfreuen. Jetzt heißt es also wieder hohe Maßstäbe setzen und knallharte Kritik an der eigenen Mannschaft üben. Aber was die Defensive angeht, hat Kahn auch recht. Selbst Jogi konnte da wenig widersprechen. Kahn bezog sich zwar nur auf die EM, aber unsere Abwehr war schon in der EM-Quali gegen schwächste Gegner immer für mindestens ein Gegentor gut. Und trotz Hype um Hummels und der Beweihräucherung unserer Abwehr bei der EM, hatten wir von den Teams, die das VF und HF erreichten, die meisten Gegentreffer kassiert. Das 0:1 war mal wieder typisch. Mich wundert nur, dass das sonst keinem (auch den Medien nicht) auffällt. Ich könnte es nämlich inzwischen nach fast jedem zweiten Spiel der NM schreiben: Bei eigenen Ecken gefahrlos und bei gegnerischen Ecken äußerst anfällig. Ich kann es inzwischen wirklich nicht mehr sehen, wie die eigenen Ecken, eine nach der anderen, in die Arme des Torwarts geschlagen werden. Noch weniger kann ich bei gegnerischen Ecken diese seltsame Staffelung unserer Spieler auf der Linie des 5m-Raumes verstehen. Deshalb jetzt für Jogi persönlich: wir müssen Manndeckung bei Ecken spielen! Macht jeder andere auch, siehe Argentinien. Die haben dem Höwedes fast das Trikot runtergezogen, so eng ist der gedeckt worden. Schon bei der EM hat uns ein 1,70m kleiner Däne nach Ecke einen reingeköpft, weil ihn keiner manngedeckt hat. Der Portugiese Pepe stand bei seinem Lattenknaller auch völlig ungedeckt im Strafraum. Nun standen die Argentinier frei. Der Ball wird also in Höhe 5m-Raum zu einem freien Argentinier gespielt, den dieser schon hätte gefährlich aufs Tor bringen können. Keiner da, der ihn bei der Ballannahme stört. Denn unsere Abwehrreihe bleibt zu viert innerhalb des 5m-Raumes stehen, dem eigenen Torwart schön vor der Nase. Wenn aus der kurzen Entfernung einer unglücklich angeschossen wírd, braucht man sich nicht zu wundern. Das Defensivverhalten war insgesamt nicht gut, da hat Kahn vollkommen recht. Wie etwa beim 0:2, waren unsere Spieler viel zu weit vom Gegner weg. So was nutzt eine Mannschaft mit so einem Angriffspotential (im Juni 4 Tore gegen Brasilien) gnadenlos aus. Gut, so katastrophale Abwehrfehler wie gegen die Schweiz oder im EM-Halbfinale gab es zwar nicht, sonst hätte es gegen die Gauchos mindesten ein halbes duzend Mal geklingelt. Aber die Baustelle bleibt weiterhin die Abwehr bzw. Defensive. Das Pressing war wieder so lasch wie gegen die Italiener. Die Argentinier haben es dankbar entgegengenommen und sich locker durch unsere löchrige Abwehr kombiniert. Dabei waren die Löcher manchmal so groß, dass man schon gar nicht mehr von Löcher reden konnte. Da lag ja manchmal eine ganze Abwehrseite brach. Jedenfalls sind uns die Spanier im Defensivverhalten meilenweit voraus. Und solange das so bleibt, gewinnen die die Turniere und nicht wir. Bis Rio hat Jogi also noch eine Menge Arbeit vor sich. Am besten gleich mit Eckballtrainig anfangen.
1Piantao, 17.08.2012
5. Nur der HSV
aus dem (Zitat)"HSV verseuchten Schl.-Holst." wird der Dino auch diese Saison in der 1. Liga überleben. Trotz Fink (sollte er die Hinrunde überleben), trotz Arnesen (sollte er zum 1. Spieltag noch da sein), trotz Geldmangel und trotz fehlender Einkäufe "die uns sofort weiterhelfen" (abgedroschene Phrase, aber gibt keine bessere), Talente gespickt für den Titel in 2018. Aber das ist ja hier nicht gefragt. Titel geht an den BVB Vice Gladbach Bayern Schalke, VW, Aspirin ("Si es Bayer, es bueno"), Vom Abstieg jetzt zu reden ziemt sich nicht, noch können alle Meister werden .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.