HSV-Start gegen Nürnberg: Hamburger Pleite mit Ansage
Der Hamburger SV hat sein Auftaktspiel gegen Nürnberg 0:1 verloren. Überraschend kam das nicht. Die Niederlage ist das Resultat einer verkorksten Vorbereitung und der mangelhaften Kaderzusammenstellung.
Hamburg - Der Hamburger SV hat zum Bundesliga-Auftakt 0:1 (0:0) verloren. Im eigenen Stadion. Gegen Nürnberg. Kein Gegner, der andernorts für Angst und Schrecken sorgt. Die Verwunderung über die Niederlage hält sich dennoch in Grenzen. Weil es bei objektiver Betrachtungsweise eigentlich gar nicht anders kommen konnte.
Denn dem Team von Trainer Thorsten Fink fehlt es derzeit einfach an Qualität. Das weiß Fink, der immer wieder auch über die Öffentlichkeit Verstärkungen gefordert hat. Das weiß Sportdirektor Frank Arnesen, der noch immer emsig nach neuen Profis sucht. Das wissen selbst die Spieler, die sich in Form des Mannschaftsrats beim Vorstand für neue Konkurrenz im Kader ausgesprochen haben. So sagte Mittelfeldmann Marcell Jansen im "Kicker": "Ich habe mich intern dazu positioniert, wir dürfen uns nicht anlügen und sagen, dass Karlsruhe nur ein Ausrutscher war."
Im Pokal gegen Karlsruhe hatte es sich bereits angedeutet. Da hatte es gegen den Drittligisten eine 2:4-Pleite gegeben. Nicht, weil der HSV einen schlechten Tag gehabt hätte, sondern weil er es einfach nicht besser konnte. Nun folgte gegen Nürnberg die Bestätigung: Hamburg wird in dieser Saison in dieser Besetzung Probleme bekommen. Große Probleme.
In der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld ist der Handlungsbedarf besonders groß. Doch auch im offensiven Mittelfeld benötigt der HSV noch einen guten Mann. Vom Angriff ganz zu schweigen.
All diese Probleme sind bekannt. Seit langem schon. Und Arnesen hat immer wieder betont, dass es dauern werde, bis er die nötigen Verstärkungen würde liefern können. In Paul Scharner hatte er eine solche für die Abwehr bereits gefunden, doch der Österreicher verletzte sich prompt und wird noch einige Wochen fehlen. Auch im defensiven Mittelfeld ist Arnesen fündig geworden. Doch Milan Badelj kommt erst Anfang September. In der Offensive wird Hakan Calhanoglu den HSV verstärken - in der kommenden Saison. Es gibt bessere Voraussetzungen.
Daher wird fieberhaft daran gearbeitet, weitere Profis zu holen, um Qualität ins Team zu bekommen. Petr Jiracek vom VfL Wolfsburg zum Beispiel. Doch der kostet viel Geld, 3,5 Millionen Euro wären wohl fällig. Geld, das der HSV auch wegen des frühen Aus im Pokal nicht hat.
"Die Erwartungen an uns sind gering"
Und da kommt wieder einmal Investor Klaus-Michael Kühne ins Spiel, der dem Club schon den ein oder anderen Spieler spendiert hat. Doch der träumt trotz der bedrohlichen Situation in ganz anderen Dimensionen: Kein geringerer als Rafael van der Vaart soll es sein, der den HSV zurück zum Erfolg führen soll, derzeit in Diensten von Tottenham und einst Symbol Hamburger Stärke.
Mit dem Geld von Kühne wäre der Transfer sogar machbar, aber kann sich van der Vaart tatsächlich motivieren, beim Hamburger SV womöglich gegen den Abstieg zu spielen? Arnesen zumindest hat die Spekulationen nicht weniger werden lassen. Er sagte im Anschluss an das Spiel gegen Nürnberg: "Es ist eine schwierige Situation. Ich schließe nichts aus. Heute möchte ich aber nicht mehr darüber reden."
Trainer Fink hatte es vor der Partie gegen Nürnberg gesagt: "Die Erwartungen an uns sind gering." Es kann also nur besser werden.
Hamburger SV - 1. FC Nürnberg 0:1 (0:0)
0:1 Balitsch (68.)
Hamburg: Adler - Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo - Westermann, Skjelbred (70. Beister) - Sala (58. Tesche), Jansen - Berg, Son (71. Rudnevs)
Nürnberg: Raphael Schäfer - Chandler, Nilsson, Klose, Pinola - Balitsch, Simons - Frantz (76. Gebhart), Kiyotake, Esswein (90. Mak) - Polter (64. Pekhart)
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Zuschauer: 50.123
Gelbe Karten: Westermann, Beister, Jansen, Tesche - Pinola, Balitsch
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