SPIEGEL ONLINE: Wie auch für Ruud van Nistelrooy?
Labbadia: Ruud hat seine Qualitäten bei internationalen Top-Vereinen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich bin überzeugt, dass er auch für den HSV wichtige Tore schießen wird. Es verdeutlicht den Stellenwert des Vereins, dass sich ein Spieler wie Ruud van Nistelrooy zum Wechsel nach Hamburg entschließt.
SPIEGEL ONLINE: Birgt der Hype um den neuen Superstar nicht die Gefahr, dass Neid in der Mannschaft aufkommt?
Labbadia: Nein. Auch bei einem Zé Roberto war das nicht der Fall. Die Mannschaft freut sich darüber, wenn es dem Verein gelingt, Spieler solchen Formats zu verpflichten.
SPIEGEL ONLINE: Hat Ihnen Ihre Überzeugungskraft auch bei den Transfers vor der Saison geholfen? Die meisten Spieler sind Verstärkungen.
Labbadia: Ich habe diese Aufgabe in einer sehr schwierigen Phase übernommen. Der Club hatte noch nicht einen einzigen Transfer getätigt. Sehr hilfreich war, dass sich die Beobachtungen der HSV-Scouting-Abteilung und die von mir und meinem Team absolut deckten.
SPIEGEL ONLINE: Offensivspieler Eljero Elia stand bei vielen Top-Clubs auf dem Zettel.
Labbadia: Mit Elia haben wir uns nach einem Länderspiel der Niederlande nachts um halb zwei in Rotterdam getroffen. Danach waren beide Seiten überzeugt voneinander. Man braucht auch Glück. Wie beispielsweise bei Zé Roberto.
SPIEGEL ONLINE: Marcell Jansen scheint enorm profitiert zu haben.
Labbadia: Marcell hat, nachdem er in der Vorbereitung verletzt war, klasse gearbeitet. Von seinen guten Leistungen profitieren wir alle.
SPIEGEL ONLINE: Zé Roberto kam von den Münchnern, Marcell Jansen auch, Sie haben jahrelang dort gespielt. Sind die Spiele gegen die Bayern für Sie interessanter als andere?
Labbadia: Natürlich, diese Duelle sind immer etwas Besonderes.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben die Bayern in der Hinrunde 1:0 geschlagen, das Spiel glich einer Schachpartie.
Labbadia: Ich mag kein Harakiri. Wissen Sie, welches Spiel mich in den Neunzigern wirklich fasziniert hat? Der Sieg von Marseille im Landesmeister-Cup 1993 gegen den AC Mailand in München (1:0; die Red.). Die meisten Beobachter haben die Partie als extrem langweilig bezeichnet, ich fand sie sensationell. Die Stürmer haben nicht eine Torchance gehabt, die gesamte Partie spielte sich zwischen den beiden Strafräumen ab. Aus Trainersicht war das etwas ganz Besonderes.
SPIEGEL ONLINE: Louis van Gaal denkt ähnlich wie Sie. Wie muss man sich die Vorbereitung auf ein Duell mit einem Taktiker wie van Gaal vorstellen?
Labbadia: Louis van Gaal ist ein großer Trainer, ich möchte mich nicht mit ihm vergleichen. Aber wir haben am Abend vorher geahnt, was er plant. Im modernen Fußball wird natürlich geschaut, was der andere macht. Wie trainiert wird.
SPIEGEL ONLINE: Dann kennt man die Züge des Gegners schon am Abend vorher?
Labbadia: Nicht immer. Mir ist es ohnehin wichtig, dass wir uns nicht nach dem Gegner richten, sondern unser eigenes Spiel durchziehen. Aber in diesem Fall haben wir uns speziell bezüglich Arjen Robben Gedanken gemacht, der ja immer nach innen zieht. Die Lösung war, Jérôme Boateng dorthin zu stellen, und es hat funktioniert.
SPIEGEL ONLINE: Gibt es nächstes Jahr ein Bundesliga-Derby in Hamburg?
Labbadia: Ich bin gespannt. Der FC St. Pauli ist ein ganz anderer Verein als wir, aber sie machen dort sehr gute Arbeit und ich verfolge aufmerksam, was Holger Stanislawski leistet. Er macht einen guten Job.
Das Interview führten Christian Gödecke und Mike Glindmeier
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