Neuer HSV-Trainer Zinnbauer Gut im Geschäft

Josef "Joe" Zinnbauer ist neuer Cheftrainer beim HSV. Bei dieser Wahl gehen beide Seiten auf Nummer sicher: Wer könnte es dem Newcomer vorwerfen, wenn er scheiterte? Ein gemachter Mann ist er sowieso.

Bongarts/Getty Images

Dass der 14. Mai 2012 ein schwarzer Tag für den Karlsruher SC war, konnte man am besten am Gesicht von Josef Zinnbauer sehen. Joe war, wie so oft, wenn seine eigene Nachwuchsmannschaft nicht spielte, auf die kleine Pressetribüne im Wildpark gekommen, um sich aus sicherer Höhe das Spiel der Profis anzuschauen. Mit dem Schlusspfiff und dem feststehenden Abstieg wich alle Farbe aus seinem Gesicht, sekundenlang haftete der Blick wie festgefroren auf dem Rasen.

Zinnbauer war gerade mit einem Schlag vom Regionalliga- zum Oberligatrainer geworden: Mit dem Abstieg der Profis war auch der der U23 des KSC besiegelt, weil zwei Ligen zwischen der ersten Mannschaft eines Vereins und seiner Zweitvertretung liegen müssen. Dabei hatte Zinnbauers U23 die Saison auf Rang fünf beendet.

Nicht einmal zweieinhalb Jahre später ist Joe Zinnbauer Cheftrainer einer Bundesligamannschaft. An alter Wirkungsstätte traut man ihm durchaus zu, dass er der neuen Aufgabe beim HSV als Nachfolger von Mirko Slomka gewachsen ist. "Warum nicht?", fragt der derzeitige KSC-Trainer Markus Kauczinski, dessen Nachfolger bei der U23 Zinnbauer damals wurde. "Ich habe ihn immer als loyal empfunden und glaube, dass er in den letzten Monaten auch sportlich eine Linie gefunden hat."

Beeindruckende Bilanz mit dem HSV-Nachwuchs

Eine "gute Ansprache" an die Spieler habe er zudem immer schon gehabt, sagt Kauczinski über den Mann, den der ehemalige KSC-Manager und mittlerweile geschasste Oliver Kreuzer im Sommer nach Hamburg geholt hatte. Dort hatte Zinnbauer als Nachfolger von Rodolfo Esteban Cardoso schnell Erfolg. Die U23, lange Jahre hinter den Profis das wohl größte Sorgenkind des HSV, führte er an die Tabellenspitze der Regionalliga Nord: Alle acht Saisonspiele unter seiner Ägide wurden gewonnen.

Aus Sicht des HSV hat die Personalie wohl auch deshalb Charme, weil sie mit wenig Risiko verbunden ist. Auch die Beförderungen der vormaligen Nachwuchstrainer Thomas Tuchel und Christian Streich sorgten einst für Stirnrunzeln - heute gelten beide als Top-Trainer, für die sich auch Hochkaräter der Branche interessieren.

Sollte Zinnbauer Erfolg haben, darf sich der HSV also für den Mut feiern lassen, einem Novizen eine Chance gegeben zu haben. Sollte dem Oberpfälzer innerhalb der nächsten Wochen nicht die Trendwende gelingen, könnte er ohne Gesichtsverlust zurück ins zweite Glied gehen und an einen gestandenen Kollegen übergeben.

Millionär mit Hobby

Als Spieler kam Zinnbauer nicht über ein paar Zweit- und Drittligaspiele für Ulm und Mainz hinaus, in der Saison 1994/1995 stand er im Erstligakader des KSC, blieb aber ohne Einsatz. Mit 26 Jahren beendete er seine Karriere wegen eines Knorpelschadens im Knie. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings finanziell längst ein gemachter Mann.

Der "Millionär mit Hobby", wie ihn die "Frankfurter Allgemeine" zu seiner Mainzer Zeit nannte, hatte sich parallel zur Fußballkarriere sein eigenes Finanzberatungsunternehmen "Zinnbauer AG" mit Sitz in Nürnberg aufgebaut, das schnell florierte und offenbar Millionen abwarf.

Seit ein paar Jahren ist Zinnbauer, der auf Empfehlung von Uwe Rapolder nach Karlsruhe kam, nach eigenen Angaben, nur noch Inhaber des Unternehmens. Das operative Geschäft führen seine Mitarbeiter. Er selbst wolle sich ganz auf den Fußball konzentrieren, ließ Zinnbauer bereits zu seiner Zeit als Chefcoach des VfB Oldenburg (2005-2010) wissen.

Dass Zinnbauer bei den gestandenen Profis des HSV Akzeptanzprobleme bekommen könnte, glaubt sein ehemaliger Chef im Übrigen nicht: "Es mag schon sein, dass der ein oder andere erst mal denkt, was will denn jetzt der Jugendtrainer?", sagt Kauczinski, der 2012 ebenfalls vom U23- zum Chefcoach gemacht wurde und schnell als Glücksgriff galt. "Aber ein Profi merkt schnell, ob er da jemanden vor sich hat, der den Ton trifft und weiß, was er will."



insgesamt 9 Beiträge
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kuchengespenst 17.09.2014
1. Millionär mit Hobby
... wie der Großteil des HSV-Kaders auch.
gunnarhaeger 17.09.2014
2. Lotteriespiel
Wsrum nicht? Sehr viel schlechter kann es ja kaum noch werden und das ein Herr Tuchel auf Schalke wartet ist doch ein offenes Geheimnis. Nach der letzten Saison wollte man beim HSV ausmisten. Davon sehe ich nicht viel, weil all die höheren Herrsvhaften sich als Sonnenkönige feiern lassen. Dss gab es auf Schalke, in Köln und bei der Frankfurter Eintracht auch lange. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken. Mutig, und das meine ich ganz im Ernst, wäre eine Verpflichtung von Lothar Matthäus gewesen. Gebt dem Mann doch mal eine Chance. Wie gesagt, schlechter kanns nicht werden.
ffiggs 17.09.2014
3. Bitte nicht
Zitat von gunnarhaegerWsrum nicht? Sehr viel schlechter kann es ja kaum noch werden und das ein Herr Tuchel auf Schalke wartet ist doch ein offenes Geheimnis. Nach der letzten Saison wollte man beim HSV ausmisten. Davon sehe ich nicht viel, weil all die höheren Herrsvhaften sich als Sonnenkönige feiern lassen. Dss gab es auf Schalke, in Köln und bei der Frankfurter Eintracht auch lange. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken. Mutig, und das meine ich ganz im Ernst, wäre eine Verpflichtung von Lothar Matthäus gewesen. Gebt dem Mann doch mal eine Chance. Wie gesagt, schlechter kanns nicht werden.
Ich bin jetzt dem HSV seit mehr als 30 Jahren treu - aber wenn der Lottar kommen sollte, dann werde ich wohl Bayern Fan werden müssen. Ist aber zum Glück nicht im Gespräch!
fx33 17.09.2014
4. Glückwunsch
Glückwunsch zum Mut, den U23-Trainer zum Cheftrainer zu machen. Im Gegensatz zu einem von aussen gekauften Trainer kennt der Insider den Verein schon, und der Verein steht viel weniger unter dem Druck, wegen einer teuren Personalie auf dem Trainersessel sofort Erfolge vorweisen zu müssen. Ich denke, das war der erste Schritt zum Comeback des HSV, auch wenn der Umbau noch zwei Jahre dauern wird. ich hoffe für Zinnbauer, das die Fans und der Sponsor genügend Geduld aufbringen werden.
denis111 17.09.2014
5. Schutz des baldigen neuen Trainers
Nur darum kann es primär gehen. Ein "richtiger" neuer Trainer kommt bestimmt... aber erst nach den beiden Klatschen gegen die Bayern und in Mönchengladbach.
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