HSV-Niederlage gegen Bremen Hamburger Harmlosigkeit

Auch unter Bruno Labbadia kann der HSV nicht gewinnen. Im Nordderby gegen Bremen gab es die nächste Niederlage. Der neue Trainer setzt auf Psychologie - doch die schießt bekanntlich keine Tore. Der Abstieg rückt näher.

Aus Bremen berichtet

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Frust und Freude waren nur Zentimeter voneinander entfernt nach dem 102. Duell zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Während Mittelfeldspieler Valon Behrami in der Interviewzone des Weserstadions mit leiser Stimme über die Gründe des 0:1 (0:0) der Hamburger sprach, waren auf dem Fernsehschirm, der knapp über Behramis Kopf angebracht war, jubelnde Werder-Profis zu sehen. Sie feierten mit den Fans in der Ostkurve den Sieg im Nordderby.

Bei den Gründen für die fünfte Hamburger Niederlage in Folge und die 16. in dieser Saison kommt man schnell bei Behrami an. Der Schweizer hatte sich in der Woche zuvor eine Kabinen-Rauferei mit dem Kollegen Johan Djourou geleistet und auch in Bremen in der entscheidenden Szene den Bösewicht gespielt: Kurz vor Schluss brachte er Zlatko Junuzovic im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Wolfgang Stark gab Elfmeter und zeigte Behrami die Rote Karte. Franco Di Santo traf zum Tor des Tages.

"Es ist eine große Enttäuschung, wie diese Niederlage zustande gekommen ist", sagte Bruno Labbadia, der Mitte der Woche zum vierten Hamburger Trainer in der laufenden Spielzeit ernannt worden war und der die Mannschaft zur Vorbereitung auf das Spiel in Bremen zu einem zweitätigen Trainingslager in Rotenburg an der Wümme bestellt hatte. Die Maßnahme zeigte keine Wirkung, der HSV bleibt Tabellenletzter.

Ein Remis wäre das logische Ergebnis gewesen

Labbadia hat recht, wenn er die Art und Weise der Niederlage als frustrierend bezeichnet. Denn eigentlich hatten die Zuschauer zwei gleich starke, beziehungsweise gleich schwache Mannschaften gesehen. Ein torloses Unentschieden wäre das logische Ergebnis gewesen. Doch es ist ein alarmierendes Zeichen, dass der HSV sogar klassische 0:0-Spiele noch verliert.

Im Video: Labbadia hadert mit Schiedsrichter

"Wir haben das Glück nicht auf unserer Seite", stellte Verteidiger Heiko Westermann fest, ansonsten sei das Spiel seiner Mannschaft in Ordnung gewesen. Er war nicht alleine mit dieser Einschätzung: "Wir sind geschlossen aufgetreten", sagte Labbadia auf der Suche nach positiven Erkenntnissen. Behrami sprach davon, dass die Partie in Bremen Hoffnung mache im Hinblick auf eine neue Kompaktheit. Das Problem: Kompaktheit schießt keine Tore.

Die Angriffsbemühungen des HSV waren wieder einmal kläglich. Acht Schüsse zählten die Statistiker, nur zwei Versuche flogen tatsächlich auf das Bremer Tor, das überraschend von Koen Casteels anstelle von Raphael Wolf bewacht wurde. Die beste Hamburger Chance war eine Direktabnahme von Zoltan Stieber in der 28. Minute, die knapp am Ziel vorbei ging.

Labbadia setzt auf Psychologie

"Es hat gefehlt, dass wir offensiv die richtigen Entscheidungen treffen" - so umfasste Labbadia die Hamburger Harmlosigkeit. Seit sechs Spielen wartet das Team auf einen Treffer. Ganze 16 Tore hat die Mannschaft in der Saison zustande gebracht. Der Klassenerhalt wäre mit dieser Offensive ein Wunder.

Der Trainer setzt weiter auf Psychologie. Es sei wichtig, die Mannschaft schnell wieder aufzurichten, sich nicht zu lange mit der Niederlage zu befassen, sagte er. Fünf Spiele bleiben den Hamburgern noch, um den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) ist der FC Augsburg zu Gast im ehemaligen und künftigen Volksparkstadion.

"Es sind noch 15 Punkte zu vergeben", sagte Behrami trotzig, und Westermann forderte, dass gegen Augsburg "dreifach gepunktet" werden müsse. Mehr als Durchhalteparolen bleiben dem HSV nicht nach dem emotionalen Derby in Bremen, bei dem es im Stadion ruhig geblieben war.

Fünf Spiele noch, und die werden nicht einfach für den HSV. Außer dem FC Augsburg geht es für den ewigen Bundesligisten noch gegen Mainz, Freiburg, Stuttgart und Schalke. Nach den Eindrücken der vergangenen Wochen gehen die Hamburger in keine der Partien als Favorit. Freiburg zum Beispiel wehrt sich beharrlich gegen den Abstieg und hat sich mittlerweile auf den 14. Platz vorgeschoben, der Tabellenvorletzte Stuttgart spielt deutlich ansehnlicher als der HSV - und trifft regelmäßig das Tor.

So wird immer wahrscheinlicher, was die Bremer Fans nach dem Sieg gegen den ungeliebten Nachbarn sangen: "Zweite Liga, Hamburg ist dabei!"

Werder Bremen - Hamburger SV 1:0 (0:0)
1:0 Di Santo (84., Foulelfmeter)
Bremen: Casteels - Gebre Selassie, Galvez, Vestergaard (23. Lukimya), Prödl - Bargfrede - Fritz, Junuzovic (88. Kroos) - Yildirim (59. Öztunali) - Selke, Di Santo
Hamburg: Adler - Westermann, Cleber, Rajkovic, Ostrzolek - Behrami, Holtby - Stieber (70. Nicolai Müller), van der Vaart (86. Rudnevs), Olic - Lasogga
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Rote Karte: Behrami nach einer Notbremse (82.)
Gelbe Karten: - Westermann (3), Nicolai Müller (7), Holtby (5)

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
lhr 19.04.2015
1. Da kommt bei mir kein Mitleid auf ...
Sollte eigentlich schon letztes Jahr absteigen. Muss absteigen damit damit alle HSV Supporter mal geerdet sind. Muss absteigen damit die Vereinsführung aufwacht.
experte1305 19.04.2015
2. Die Spieler wollen
absteigen, um aus ihren Verträgen zu kommen! Die wollen nicht mehr für den HSV spielen!
bollrock 19.04.2015
3. hat es jetzt bitte auch....
der letzte begriffen das es nicht am Trainer liegt..... Naja solange wenigstens der Maserati vom Spieler noch Leistung bringt....
HansiPMüller 19.04.2015
4. Wunderwaffe Psychologie?
Nicht überzeugend. Ich denke, die Jungs geben bereits ihr Bestes, d.h., es lag weder an der Psychologie noch an den Trainern, sondern am Scouting der letzten Jahre. Ein schleichender Prozess und keiner hat es gemerkt. Also: HSV = Hamburger-Sorte mit falschen Zutaten, z.B. zu viele Gürkchen - und bereits längere Zeit im Handel.
spmc-125675925950136 19.04.2015
5. Felix
Wurde Felix schon in Hamburg gesichtet?
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