BVB-Jungprofi: Gündogan im Glück

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23 Spiele ohne Niederlage: Borussia Dortmund eilt Richtung Meisterschaft - und hat im Titelkampf mit den Bayern einen Trumpf. Der heißt nicht etwa Mario Götze, sondern Ilkay Gündogan. Der 21-Jährige galt schon als Fehleinkauf, jetzt ist er ein Leistungsträger und der Mann für die lauten Töne.

Ilkay Gündogan: Startelf, Tribüne, Startelf Fotos
AFP

Die Kür kam nach dem Triumph. Als die Kameras eingeschaltet waren und der Fernsehreporter die unvermeidliche Frage nach den Aussichten für das Duell mit dem FC Bayern stellte, sagte Dortmunds Ilkay Gündogan: "Wir wissen, dass wir in der Lage sind, Bayern München zu schlagen. Das haben wir auch im Hinspiel schon gezeigt." Dann grinste er und ließ seine Worte wirken.

Ausgerechnet Gündogan. Nicht Torwart Roman Weidenfeller oder Kapitän Sebastian Kehl. Nach dem 3:1-Sieg der Borussia beim VfL Wolfsburg am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga war es der 21-jährige Mittelfeldspieler, der vor dem Showdown im Meisterschaftskampf zwischen dem BVB und dem FC Bayern am Mittwoch (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) für die lauten Töne beim Tabellenführer sorgte.

In Wolfsburg war Gündogan der beste Spieler der Gäste. Er hatte mit einem Traumtor für das zwischenzeitliche 2:0 gesorgt und etliche gute Pässe gespielt. Beobachter fragten sich, warum beim BVB in dieser Saison so lange kein Platz war für den wendigen und trickreichen Profi.

Rund 25 Spieltage hat Gündogan gebraucht, um anzudeuten, warum ihn der Club im vergangenen Sommer für fast fünf Millionen Euro verpflichtet hatte. Es hat gedauert, weil der BVB über eine bestens eingespielte Stammelf verfügt. Und weil Gündogan nach seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg einen ganz schwachen Start bei seinem neuen Verein erwischte. Es hieß, er habe ein paar Kilogramm zu viel ins Ruhrgebiet mitgebracht. Das laufintensive Spiel der Borussia war eine zu große Umstellung.

Ein Tor für das Selbstbewusstsein

Nach zehn Spieltagen verlor er seinen Stammplatz, war danach teilweise nicht einmal mehr im Kader. Gündogan, der im Oktober 2011 sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft feierte, musste sich viel Kritik gefallen lassen. Jetzt haben ihm vier Spiele in der Rückrunde gereicht, um vom ehemaligen Tribünengast zur Schlüsselfigur zu werden. Das ist im Fußball schon oft passiert. Und wie so oft kann auch bei Gündogan keiner diese Entwicklung so genau erklären.

Seit dem Siegtreffer in der letzten Minute der Verlängerung im DFB-Pokalhalbfinale gegen Greuther Fürth hat Gündogan das Selbstbewusstsein für sein Spiel wiedergefunden. Das Tor in Wolfsburg war sein drittes für den BVB. Zuvor war er in Nürnberg auf sechs Treffer gekommen - in zwei Jahren. Und parallel ist Gündogan vom Mitläufer zum Antreiber geworden - und zum forschen Gast vor den Mikrofonen.

Plötzlich wieder Leistungsträger

Im mit Kehl, Sven Bender und Moritz Leitner stark besetzten defensiven Mittelfeld der Dortmunder ist Gündogan plötzlich wieder Leistungsträger. Als er am 28. Spieltag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ausgewechselt wird, sehen Experten in dieser Aktion von Trainer Jürgen Klopp anschließend den Wendepunkt. In einer Partie, in der lange alles nach einem klaren Sieg für die Gastgeber aussieht, steht es 2:0 für Dortmund, als Gündogan vom Feld muss. Am Ende reichte es nur zu einem 4:4. Nach der "gefühlten Niederlage" (Weidenfeller) durfte sich beim BVB einzig Gündogan als kleiner Gewinner fühlen.

Dabei gelingt ihm auf dem Platz längst noch nicht alles. Seine Qualitäten in der Defensive sind ausbaufähig, noch immer landen zu viele Bälle beim Gegner. Doch dort, wo er zu Saisonbeginn hektisch zum Nebenmann gespielt hatte, wirkt Gündogan nun ruhiger, abgeklärter - und blüht auf.

Den Fans lässt er seit Anfang des Jahres regelmäßige Foto-Botschaften per Facebook zukommen, egal ob beim gemeinsamen Sushi-Essen mit Teamkollege Shinji Kagawa oder direkt aus dem Mannschaftsbus der Borussia. Von der Rückfahrt aus Wolfsburg postete er ein Bild, auf dem er lässig mit dem Kroaten Ivan Perisic posiert. Nichts ist mehr zu spüren von früheren Selbstzweifeln.

"Es war eine schwierige Situation. Ich hatte mir das anders vorgestellt", hatte Gündogan noch Ende Februar gesagt. Rund sechs Wochen später, kurz vor dem wegweisenden Duell im Meisterkampf gegen den FC Bayern, spricht er nun mit großer Freude über den kommenden Gegner: "Ich glaube, wir können das gewinnen." Er weiß: Seine Chancen, gegen den Rekordmeister von Beginn an aufzulaufen, stehen gut.

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insgesamt 62 Beiträge
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1.
Putzer 09.04.2012
Gündogan hat Potential, gar keine Frage. Seine Qualitäten in der Defensive sind allerdings mehr als ausbaufähig. Mir persönlich wirkt er noch ein bisschen zu "verspielt". Statt rechtzeitig zu einem offensichtlich freien Mitspieler abzuspielen, vertändelt er unnötig viele Bälle. Dafür spielt er zwischendurch ein paar echte Traumpässe. Das ist insgesamt noch zu wenig, um einen Kehl oder gar Bender dauerhaft aus dem defensiven Mittelfeld des BVB zu verdrängen. Egal, Kloppo wird's schon richten ... ;-)
2.
WhereIsMyMoney 09.04.2012
Ja, ich hatte auch schon gezweifelt. Ich hatte schon befürchtet er bleibt so ein ewiges Talent. Doch sowas lässt Klopp anscheinend nicht zu. Auch Sahin wurde schon abgeschrieben, aber Klopp holte alles aus ihm raus. Ich wünschte Schürrle wäre nach Dortmund gewechselt anstatt dort in Leverkusen diese Losermentalität zu inhalieren.
3. Sehr schön
stesoell 09.04.2012
Freue mich für Günni :) Der BVB ist zZ ein gutes Plätzchen für junge Spieler mit Potential. Aus der Not wurde eine Tugend wiederbelebt. Gut so! Am Mittwoch noch ne Bude,.... :)
4. :{[
gewgaw 09.04.2012
Ilkay Gündogan - Spielerprofil - transfermarkt.de (http://www.transfermarkt.de/de/ilkay-guendogan/profil/spieler_53622.html) 23 Spiele, 3 Tore, 2 Vorlagen - beeindruckend!
5.
partyduler 09.04.2012
Zitat von gewgawIlkay Gündogan - Spielerprofil - transfermarkt.de (http://www.transfermarkt.de/de/ilkay-guendogan/profil/spieler_53622.html) 23 Spiele, 3 Tore, 2 Vorlagen - beeindruckend!
Haben Sie den Artikel gelesen und / oder die letzten 4-5 Spiele gesehen? Nein, sicherlich nicht, sonst hätten Sie diesen Eintrag nicht verfasst.
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