Nach dem Drama von Port Said Ägyptens Fußballfans dürfen nach sechs Jahren wieder ins Stadion

Nach dem Stadiondrama von Port Said mit 74 Toten hatte Ägypten die Fußballfans jahrelang aus den Arenen ausgesperrt. Ab September dürfen sie nun wieder Fußball gucken, das Stadionverbot wird schrittweise gelockert.

Fußballfans fliehen im Stadion von Port Said 2011
REUTERS

Fußballfans fliehen im Stadion von Port Said 2011


Mehr als sechs Jahre nach der blutigen Nacht von Port Said will Ägypten Fußballfans wieder in die Stadien lassen. Die Regierung in Kairo beschloss, dass Anhänger von Fußballklubs ab dem 1. September schrittweise wieder bei den Ligaspielen zuschauen dürfen. "Wir werden mit 5000 Fans anfangen, aber wir müssen sichergehen, dass einige wichtige (Sicherheits)-Empfehlungen angewendet wurden", sagte Sportminister Aschraf Sobhi der staatlichen Zeitung "Al-Ahram".

Im Februar 2012 waren im Stadion der Hafenstadt Port Said 74 Menschen ums Leben gekommen, als in einer politisch aufgeheizten Atmosphäre Fans des örtlichen Vereins Al-Masri nach dem Abpfiff brutal auf Anhänger des Kairoer Clubs Al-Ahli losgegangen waren. Seitdem wurden die Meisterschaften in Ägypten vor leeren Rängen ausgespielt.

Wenig löst in Ägypten eine solche Euphorie aus wie Fußball. Doch während der arabischen Aufstände 2011 wurde er politisch wie nie: Die Ultras von Al-Ahli - wegen ihrer Schmähgesänge und Prügeleien mit der Polizei schon vorher ein Dorn im Auge der Sicherheitskräfte - setzten sie sich an die Spitze der Straßenschlachten nahe des berühmten Kairoer Tahrir-Platzes.

Noch viele Fragen über den Hergang offen

Ein Jahr später, am 1. Februar 2012, wurden genau diese Fans von Al-Ahli im Stadion von Port Said angegriffen. Auch Jahre nach der Tragödie glauben viele Ägypter, dass es sich dabei um die Rache der Sicherheitskräfte an den Fans handelte. Tatsächlich bleiben nach wie vor viele Fragen offen: Wie konnte es sein, dass die Fans vom Heimteam Al-Masri nach dem Spiel den Platz und die Ahli-Tribüne stürmen konnten, während die Polizisten nur zuschauten?

Berichten zufolge gab es zudem nur äußert dürftige Sicherheitskontrollen am Einlass, so dass Messer ins Stadion gebracht werden konnten. Zudem wurde das Flutlicht während der Ausschreitungen abgeschaltet, die Tore des Gästeblocks waren abgeschlossen.

Neue Sicherheitsmaßnahmen sollen eine erneute Eskalation ab dem 1. September verhindern. So müssen die Vereine den Behörden künftig vor den Spielen mitteilen, welche Fans das Spiel sehen sollen. Die Sicherheitsdienste würden sich deswegen in den kommenden Tagen zusammensetzen, sagte Sobhi der Zeitung "Al-Watan".

aha/dpa



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