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Schweizer Fußball: Luzern-Fans sorgen für Antisemitismus-Eklat

Antisemitischer Vorfall in der Schweiz: Anhänger des FC Luzern haben einen als orthodoxen Juden verkleideten Mann durch St. Gallen gejagt. Über den vermeintlichen "Fasnachts-Scherz" können weder die St.-Gallen-Fans noch die Schweizer Juden lachen.

St. Gallen - Das Bild tauchte zunächst auf dem Portal fan-fotos.ch auf, inzwischen wurde es wieder von der Seite gelöscht. Darauf zu sehen sind Fans des FC Luzern bei einem Marsch durch St. Gallen am vergangenen Sonntag. Angeführt wird der Zug durch einen als Juden verkleideten Mann mit einer FC-St.-Gallen-Schärpe um den Hals. Luzern-Fans taten den Auftritt als Fasnachts-Spaß ab, nachdem das Foto in den sozialen Medien große Entrüstung ausgelöst hatte.

"Absolut inakzeptabel", findet das Jonathan Kreutner, Generalsekretär des größten jüdischen Dachverbands der Schweiz: "Hier wird ein Jude zum Feindbild stilisiert, um den Gegner zu beleidigen", sagt er. "Ein Jude als Beschimpfung ist weder witzig, noch akzeptabel und hat schon gar nichts mit Fasnacht zu tun", sagt er weiter.

Auch beim FC Luzern distanziert man sich "in aller Schärfe" vom Vorfall - Kommunikationschef Max Fischer sagt zu "storyfilter.com": "So etwas hat im Sport nichts zu suchen. Wir haben bereits Kontakt mit den Fanarbeitern aufgenommen."

"St. Galler Fans wurden schon immer als Juden bezeichnet"

Ein FCL-Fan, der anonym bleiben will, winkt derweil ab: "Das hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Der FCL ist politisch neutral", sagt er. Zwischen den Luzernern und den St. Gallern bestehe eine alte Feindschaft. "Die St. Galler Fans wurden schon immer als Juden bezeichnet", sagt er weiter: "Die St. Galler nehmen dies teilweise sogar selber auf, indem sie Israel-Flaggen auf Spiele mitnehmen", erklärt er. Als Beleidigung der Juden sei das nicht gemeint.

An diesen Aussagen lässt die Tatsache zweifeln, dass auch das Anti-St.-Gallen-Lied gegen die "Juden aus St. Gallen" in der FCL-Kurve nie ganz ausgestorben ist: "Und sie werden fallen, die Juden aus St. Gallen", lauten die entsprechenden Zeilen.

Beim FC St. Gallen ist man entrüstet: "Weder in der Gesellschaft noch im Sport haben solche Aktionen etwas zu suchen. Das ist rassistisch und diskriminierend", sagt FCSG-Medienchef Daniel Last. Dass die St. Galler Fans schon länger als Juden bezeichnet werden, sei ihm selber aber erst seit dem Vorfall bekannt. Da das Ganze außerhalb des Stadions geschah, könne er zudem nicht beurteilen, welche Konsequenzen das für die Luzerner Fans oder den FCL haben könnte.

Von Watson.ch-Autorin Rafaela Roth

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