Rassismus gegen Ingolstadts da Costa "Das waren keine stiernackigen Glatzen"

"Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!" Ingolstadts Ralph Gunesch hat mit klaren Worten rassistische Beschimpfungen gegen Mitspieler Danny da Costa durch Fans von 1860 München kommentiert. Im Interview spricht er über seine Gründe.

Ingolstadt-Profi Gunesch: "Jetzt muss ich was sagen!"
Bongarts/Getty Images

Ingolstadt-Profi Gunesch: "Jetzt muss ich was sagen!"


Der Fußballer Ralph Gunesch hat nach dem Zweitliga-Spiel seines FC Ingolstadt bei 1860 München am Sonntag einen außergewöhnlichen Eintrag auf Facebook abgesetzt. Er bezog klar Stellung zu den rassistischen Beschimpfungen einiger Zuschauer gegen seinen dunkelhäutigen Mannschaftskollegen Danny da Costa, bescheinigte den Störern einen IQ "knapp über dem eines verbrannten Toastbrotes" und schloss mit den Worten: "Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!!" Dafür bekam der ehemalige Profi des FC St. Pauli viel Zustimmung: Mehrere tausend Nutzer klickten "Gefällt mir". Der TSV 1860 hat Danny da Costa mittlerweile um Entschuldigung gebeten.

SPIEGEL ONLINE: Herr Gunesch, haben Sie mit einer solchen Resonanz auf Ihren Eintrag bei Facebook gerechnet?

Ralph Gunesch: Ich konnte mir schon vorstellen, dass mein Posting einen gewissen Anklang finden würde. Aber dass das Thema so groß wird - damit hatte ich nicht gerechnet. Die Rückmeldungen waren zu 99 Prozent positiv. Es freut mich, dass so viele Menschen bei einem wichtigen Thema einer Meinung sind. Auch die schnelle Reaktion von 1860 München hat mir gefallen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die Rufe gegen Ihren Mitspieler Danny da Costa im Stadion erlebt?

Ralph Gunesch: Während des Spiels gar nicht, aber Danny sah nach dem Spiel ziemlich konsterniert aus - und das lag nicht nur an der Niederlage, das war klar zu erkennen. Er hat mir dann erzählt, dass er von einer Handvoll Leuten über längere Zeit rassistisch beschimpft wurde. Nachdem er den Schiedsrichter darauf aufmerksam gemacht hatte, wurde das Spiel kurz unterbrochen. Es gab eine Durchsage des Stadionprechers, der die Zuschauer zu respektvollem Verhalten aufrief, ohne die rassistischen Beleidigungen aber konkret zu benennen.

SPIEGEL ONLINE: Hätte Schiedsrichter Florian Meyer Ihrer Meinung nach mehr ausrichten können - das Spiel abbrechen zum Beispiel?

Ralph Gunesch: Es waren ja wirklich nur ein paar Menschen, von denen wir sprechen. Da hat der Schiedsrichter mit der Spielunterbrechung genau richtig reagiert. Außerdem gab es wohl einen Vermerk im Spielbericht. Wenn da eine größere Anzahl an Fans gebrüllt hätte, ein halber Block vielleicht, dann hätte der Schiedsrichter sicher auch andere Möglichkeiten gehabt.

SPIEGEL ONLINE: Die Beleidigungen kamen von den Sitzplätzen auf der Gegentribüne, wo man eigentlich gemäßigtes Publikum erwartet.

Ralph Gunesch: Richtig. Das waren keine stiernackigen Glatzen, die mit erhobenem rechten Arm durch das Stadion marschieren. Sondern ganz normale Zuschauer, die sich möglicherweise nichts bei ihren Rufen gedacht haben. Sie waren wohl der Meinung, dass solche Beschimpfungen im Rahmen der sportlichen Rivalität in Ordnung seien. Aber das sind sie nicht! Rassismus ist in keinem Zusammenhang zu tolerieren - und diese Beschimpfungen waren rassistisch. Und darauf wollte ich mit meinem Posting hinweisen.

SPIEGEL ONLINE: War der Eintrag bei Facebook mit Ihrem Verein abgesprochen - und wie hat Danny da Costa darauf reagiert?

Ralph Gunesch: Nein, mein Posting war nicht vom FC Ingolstadt autorisiert oder so etwas. Aber ich habe unseren Pressesprecher darüber informiert, dass ich mich klar bei Facebook geäußert habe. Auch von ihm habe ich Zustimmung erhalten. Danny da Costa saß im Mannschaftsbus eine Reihe hinter mir, als ich meine Statement schrieb. Ich habe es ihm gezeigt, bevor ich es veröffentlicht habe - er fand es gut.

SPIEGEL ONLINE: Mit Ihrer Stellungnahme auf eigene Faust sind Sie eine Ausnahme im Profifußball. Auch bei Themen wie Homophobie im Stadion haben Sie sich schon klar geäußert. Warum sind andere Spieler bei gesellschaftlichen Problemen zurückhaltender?

Ralph Gunesch: Puh, gute Frage. Ich kann da nur für mich sprechen: Meine Zeit beim FC St. Pauli war in dieser Hinsicht eine gute Schule. Da wird man für solche Themen sensibilisiert, weil die Fanszene sich bei gesellschaftlichen Problemen stark engagiert. Das begleitet einen dann natürlich auch im weiteren Verlauf der Karriere. Deshalb war nach dem Spiel in München klar: Jetzt muss ich was sagen!

Das Interview führte Hendrik Buchheister



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