Inter Mailand gegen Barcelona Danke, Messi, dass du fehlst

Die Champions-League-Partie zwischen Inter Mailand und Barcelona ist auch ein Duell der Stürmerstars Mauro Icardi und Luis Suárez. Beide profitieren derzeit auf ihre Art von der Abwesenheit des Superstars.

Mauro Icardi
AFP

Mauro Icardi

Aus Mailand berichtet


Der Fußball kann manchmal sehr gemein sein. Er macht einem die besten Geschichten kaputt.

Zweimal innerhalb von zwei Wochen spielt Inter Mailand in diesem Herbst gegen den FC Barcelona. Vor 14 Tagen in Barcelona (2:0), heute (21 Uhr; TV: DAZN; Liveticker SPIEGEL ONLINE) in San Siro. Und direkt vor diesen Duellen bricht sich Barça-Superstar Lionel Messi den Unterarm.

Es wäre eine so schöne Story gewesen: Der FC Barcelona, aufs Feld geführt von Lionel Messi, geboren in Rosario, Argentinien, und Inter Mailand auf den Platz geleitet von Mauro Icardi, geboren in Rosario, Argentinien.

Fürs heutige Rückspiel haben sich die Katalanen immerhin eine Hintertür offengelassen. Messi steht zumindest schon einmal wieder im Kader, für die Startelf jedoch dürfte es noch nicht reichen. Höchstens als Joker, wenn es für die Gäste eng wird, ist er laut den spanischen Medien eingeplant. So muss Icardi zunächst allein die Farben Rosarios auf dem Feld vertreten.

Dass er dies würdig tun wird, daran dürfte es angesichts seiner gegenwärtigen Form nur wenige Zweifel geben. Der25-jährige Inter-Kapitän hat sich in seinen fünf Mailänder Jahren eine Art Heldenstatus in San Siro erarbeitet, 104 Ligatore haben ihren Beitrag dazu geleistet, aber das ist es nicht allein. Dass er bislang allen Wechselverführungen widerstanden hat, selbst den Lockrufen von Real Madrid und von Juventus Turin, das hat ihn zum Liebling der Mailänder Tifosi gemacht.

Icardi: Schon zweimal Torschützenkönig

Der Aufschwung der Schwarz-Blauen nach trüben Serie-A-Jahren hat viel mit dem Namen Icardi zu tun. Der Argentinier ist ein echter Stürmer, schon zweimal war er Torschützenkönig in Italien. Dennoch ist er keiner, der nur im Strafraum darauf wartet, dass ihn seine Mitspieler mit Vorlagen bedienen. Icardi ackert, er bietet sich an, er hat das Gespür für Pass- und Laufwege, das einen Angreifer so außergewöhnlich macht.

In der aktuellen Spielzeit hat er bei acht Einsätzen schon wieder sechsmal getroffen, in der Champions League kamen bislang zwei Tore in drei Spielen hinzu, nur einmal blieb er komplett wirkungs- und ergebnislos: Im Hinspiel in Barcelona sah er gegen die katalanische Abwehr kein Land.

Suárez: Der Beißer ist ein Reißer geworden

Es war ein Spiel, in dem die Barça-Offensive ihre Emanzipation von Messi übte. So lange der unumschränkte König nicht auf dem Platz steht, übernimmt Luis Suárez die Rolle des Abwehrschrecks. Gegen Inter bereitete er die 1:0-Führung vor, gegen Real Madrid traf er in der Liga gleich dreifach, in der Torschützenliste der Primera División thront der Mann aus Uruguay ganz oben.

Suárez ist mittlerweile 31 Jahre alt, seit zehn Jahren spielt er auf hohem, teilweise höchstem Niveau, es gab Jahre, in denen man dieses Kompliment aufs rein Sportliche zu beschränken hatte. Seine Unsportlichkeiten, seine Ausraster in der Nationalmannschaft und der Premier League sind schon ein Stück Fußballgeschichte.

Seit er zur Edelauswahl des FC Barcelona zählt, gibt es einen anderen Luis Suárez. Der Bad Boy ist ein Good Boy geworden, der Beißer ein Reißer, seine drei Treffer im Clásico (5:1) feierte er mit einem T-Shirt, auf dem das neugeborene Baby der Familie Suárez zu sehen war. Suaréz erkennt die Sonderrolle des Lionel Messi im Verein an, er genießt es allerdings auch, wenn der Superstar ihm nicht den Raum und den Ruhm nimmt. Wie derzeit. Das ist legitim.

Suárez und Icardi - das sind durchaus unterschiedliche Typen. Der Mann aus Uruguay ist noch beweglicher, weicht noch häufiger auf die Flügel aus, ist noch unberechenbarer. Icardi taucht auch einmal für eine Viertelstunde komplett unter und ist dann doch im richtigen Augenblick zur Stelle - wie beim Champions-League-Sieg über Tottenham (2:1) zum Auftakt der Gruppenphase, als er mit seinem Ausgleichstor das Spiel wendete.

Suárez ist Rekordtorschütze seines Heimatlandes, Icardi hat gerade einmal vier Länderspiele. Bei der Nominierung des argentinischen WM-Kaders im Sommer wurde er als Torschützenkönig der Serie A geflissentlich übersehen, in der Offensive war nur für einen Spieler aus Rosario Platz, und der hieß nicht Mauro Icardi. Die Beziehung zwischen der Nationalmannschaft und dem Inter-Angreifer war bislang nicht mehr als eine Affäre.

Icardi wechselte aus Barcelona nach Italien

Nach der missglückten Weltmeisterschaft hat Lionel Messi erst einmal eine Auszeit vom Nationalteam genommen, jetzt ist Icardis Chance gekommen. Wie Suarez im Verein bekommt auch er seine Gelegenheit zu glänzen, weil Messi nicht da ist. "Mauro Icardi wird künftig Argentiniens Stürmer sein", sagt seine Beraterin. Die ist allerdings auch in mehrfacher Hinsicht befangen. Wanda Nara berät Icardi nicht nur, sie ist auch seine Ehefrau.

Es hätte auch gut so kommen können, dass Suárez und Icardi heute Abend Seit' an Seit' spielen. Der Argentinier kam schon als Kind nach Spanien, weil seine Eltern die Heimat wegen der Wirtschaftskrise des Landes verließen. Der Traum des kleines Mauro Icardi: Irgendwann beim FC Barcelona spielen. Mit 15 schien der Traum in Erfüllung zu gehen. Der Jugendliche wechselte in die berühmte Nachwuchsakademie der Katalanen, aber beim FC Barcelona wollten sie damals keinen Stoßstürmer der Marke Icardi. Der Trainer war Josep Guardiola, und der hatte und hat andere Vorstellungen vom Offensivspiel.

Icardi wechselte frustriert nach Italien. Wenn am Abend Icardi-Tore die Partie gegen seinen alten Jugendverein entscheiden, dann wäre das am Ende doch noch eine gute Fußballgeschichte.

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