Korruptionsskandal Interpol beendet Zusammenarbeit mit Fifa

Interpol will kein Geld mehr von der Fifa: Die internationale Polizeibehörde beendet ihre Kooperation mit dem Fußball-Weltverband. Hintergrund sind die Ermittlungen gegen Fifa-Funktionäre.

Interpol-Zentrale in Lyon: "Partner müssen Werte und Prinzipien teilen"
AFP

Interpol-Zentrale in Lyon: "Partner müssen Werte und Prinzipien teilen"


Interpol wird nicht länger mit der Fifa kooperieren. Das gab die weltweit operierende Polizei in einem Statement auf ihrer Internetseite bekannt. Als Grund führte sie die Korruptionsermittlungen gegen die Fifa an. Demnach wird Interpol einer mit dem Verband im Mai 2011 getroffenen Vereinbarung nicht weiter nachkommen, nach der die Behörde für eine Fifa-Spende von 20 Millionen Euro zehn Jahre lang ein Integritätsprogramm durchführen sollte.

Nach der Entscheidung durch Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock in der Zentrale in Lyon werde die Weltpolizei den Vertrag vorerst auf Eis legen, hieß es. In der Vereinbarung mit der Fifa heißt es laut Interpol, dass "der Spender versichert, dass seine Aktivitäten mit den Prinzipien und Zielen von Interpol" übereinstimmen.

Das sahen Stock und das Interpol-Exekutivkomitee offenbar nicht mehr als gegeben an. "Alle externen Partner, ob öffentlich oder privat, müssen die grundlegenden Werte und Prinzipien der Organisation teilen", sagte Stock.

Fifa zeigt sich enttäuscht

Ende Mai hatte die Schweizer Polizei sieben Fifa-Funktionäre wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Korruption festgenommen, Auslöser dafür waren Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft. Diese hat Verfahren gegen 14 Funktionäre und Manager aus der Fifa und aus Marketingfirmen eingeleitet.

Fifa-Präsident Joseph Blatter wurde kurz darauf zunächst wiedergewählt, vier Tage später erklärte er jedoch seinen Rücktritt. Sein Nachfolger soll auf einem Sonderkongress gewählt werden, voraussichtlich am 16. Dezember in Zürich. Einen vorzeitigen Abgang schloss Blatter am Donnerstag aus.

Die Fifa teilte mit, man sei "enttäuscht" über den Interpol-Beschluss: "Erfolg und Bedeutung des Programms können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dieses erfolgreiche Programm steht in keinerlei Verbindung zu den aktuellen Ereignissen rund um die Fifa."

Und weiter: Man werde sich für "die schnellstmögliche Wiederaufnahme" des Programms einsetzen. "Wir stellen derzeit Kontakt zu Interpol her, um diese Angelegenheit weiter zu diskutieren."

cte/psk



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insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
blackbike67 12.06.2015
1. Man kann der Polizei Geld spenden...
Wenn etwas nach Korruption aussieht, dann ja wohl genau diese Vereinbarung: Wie zahlen Euch für etwas Obskures 20 Mio... Das ist ja wohl ganz klar Bestechung: Intern es dann bei Interpol: "Keine Ermittlungen gegen Fifa" Ich hoffe die Verantwortlichen für diesen Deal bei Interpol und Fifa sitzen schon in Haft bzw. die Ermittlungsverfahren laufen. Das ist unglaublich....
holgerbeckerhh 12.06.2015
2. Polizei nimmt Spenden an? Was macht die Presse?
Was ist denn Interpol? Eine Behörde? Eine Institution? Ein Verein? Dass die deutsche Polizei private Spenden annimmt, undenkbar!! Und Interpol? Von wem werden die denn sonst noch so finanziert? Der Artikel an sich ist ja schon ein Auftrag an den investigativen Journalismus!
fussball11 12.06.2015
3.
Soso, Interpol hat also Geld von Blatter bekommen. Wäre eigentlich ein Grund für Ermittlungen wegen Korruption und Vorteilsannahme.
logtor 12.06.2015
4. Man glaubt es kaum
Eine private Fussaballorganisation unterstützt eine internatinale Polizeibehörde. Hinterher stellt sich heraus, dass diese Organisation kriminell ist. Da muss man zwei Fragen stellen: 1. Welchen Vorteil versprach sich die FIFA von ihren Spenden? Eine Nichtverfolgung von Straftaten? 2. Welchen Vorteil versprach sich die Polizeibehörde? 3. Wo waren unsere Politiker? 4. Welche Konsequenzen zieht ganz nebenbei der öffentlich rechtliche Rundfunk, der über Zwangsgebühren eine private Organisation unterstützt?
fmtz° 12.06.2015
5. Wie schrill ist DAS denn?
wenn eine Polizeibehörde mit einer Organisation einen 20-Millionen-Dollar-Vertrag macht, in dem "Integritäts-Programm" steht, aber nur Chi-chi veranstaltet wird, dann ist das doch auch Korruption, oder? Gibt es mit der Mafia auch "Integritäts-Programme"? Wie nennt man das denn bei denen, oder bei der Russenmafia? Also mich interessieren allein die Namen!
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