Mainz-Profi Andreas Ivanschitz: "Lothar Matthäus ist fachlich extrem gut"

Fußballer Andreas Ivanschitz: Über Griechenland in die Bundesliga Fotos
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Ihm wurde eine Weltkarriere prophezeit, Andreas Ivanschitz spielt aber bei Mainz 05. Im Interview erklärt der Österreicher, warum er trotzdem sehr zufrieden ist, was den FSV mit dem SC Freiburg verbindet und warum Lothar Matthäus ein guter Trainer ist.

SPIEGEL ONLINE: Herr Ivanschitz, sind Sie glücklich?

Andreas Ivanschitz: Mit meiner Karriere?

SPIEGEL ONLINE: Man hat Sie "Captain Future" genannt, Sie waren mit 16 der jüngste Profi in der Geschichte der österreichischen Liga, mit 20 jüngster Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft, Sie waren 2006 einer der Kandidaten für die Nachfolge von Michael Ballack bei Bayern München…

Ivanschitz: …und jetzt spielt der in Mainz, meinen Sie das? Natürlich hatte ich Träume, Visionen, Ideen, wo es mit mir hingehen soll.

SPIEGEL ONLINE: "Das ist einer für Spanien, Italien", hat Ihr Ex-Trainer Josef Hickersberger über Sie gesagt.

Ivanschitz: Mag ja alles stimmen, aber auch das Fußballerleben ist kein Wunschkonzert, es ist vor allem extrem harte Arbeit, und am Ende muss man doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Aber ob Sie es glauben oder nicht, ich bin zufrieden, sehr sogar. Ich bin mit Rapid Wien Meister geworden und habe in der Champions League gespielt, mit Panathinaikos Athen habe ich dort sogar die Gruppenphase überstanden, und nun in Mainz...

SPIEGEL ONLINE: In Mainz!

Ivanschitz: In der virtuellen Bundesliga-Tabelle der vergangenen dreieinhalb Jahre liegen wir auf Platz sechs. Vor Hamburg, vor Bremen. Man kann also nicht wirklich sagen, das hier sei ein sportlich wenig bedeutender Bundesliga-Club. Natürlich will ich noch mehr erreichen. Aber ich mache mir keine Vorwürfe oder weine irgendwelchen Transfers nach.

SPIEGEL ONLINE: Am Samstag heißt das Top-Spiel nicht Bremen gegen Dortmund, sondern Mainz gegen Freiburg.

Ivanschitz: Und das mit Recht. Beide Mannschaften haben am Ende der Hinrunde richtig aufgedreht und stehen völlig verdient auf Platz fünf und sechs (vor dem Start der Rückrunde - d.Red.). 26 Punkte, das sagt doch alles. Die gute Platzierung ist die schönste Bestätigung für die Arbeit. Trotzdem bleibt das Ziel grundsätzlich immer erst einmal der Klassenerhalt.

SPIEGEL ONLINE: Was Ihnen keiner mehr abkauft. Genau wie dem SC Freiburg, der ähnlich gut da steht.

Ivanschitz: Die Ähnlichkeiten sind ja auch nicht zufällig. Beide Mannschaften haben eine klare Philosophie, kommen übers Kollektiv und spielen mit Leidenschaft, Biss und ohne große Stars. Wir definieren uns vor allem über die Mannschaftsleistung.

SPIEGEL ONLINE: Die "Stars" sitzen dafür auf der Bank und heißen Thomas Tuchel und Christian Streich. Was verbindet beide Trainer?

Ivanschitz: Ich habe ja nie unter Streich trainiert, aber was ich sagen kann: Er ist an der Linie extrem emotional und coacht sehr viel und vor allem laut. Das hat er mit Thomas Tuchel gemeinsam.

SPIEGEL ONLINE: Und wie bereitet Ihr Trainer Sie auf so einen starken Gegner vor? Sie spielen ja auch noch im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen die Freiburger.

Ivanschitz: Wir erhalten eine normale Gegneranalyse, dabei ist es egal, wie der Gegner heißt. Und dann versuchen wir uns auf unsere Leistung und unsere Aufgaben im Spiel zu konzentrieren. Das ist das Einzige, was wir beeinflussen können.

SPIEGEL ONLINE: Einer, der schon mit einem Job in der Bundesliga zufrieden wäre, ist Lothar Matthäus - Ihr Trainer aus gemeinsamen Zeiten in Wien und Salzburg. Wäre das einer für die Bundesliga?

Ivanschitz: Auf jeden Fall. Lothar ist fachlich extrem gut, zudem hat er immer ein offenes Ohr für die Spieler. Gerade als junger Profi konnte man immer zu ihm kommen. Ganz zu schweigen von seinem Ehrgeiz und Siegeswillen. Er hat außerdem unter vielen Welttrainern gearbeitet. Ich würde es ihm wünschen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Ihre Karriere beim Arbeiterverein Rapid begonnen. Bei dem Traditionsclub waren Sie viele Jahre, aber danach nur wenige Monate beim Retortenclub Red Bull Salzburg. Zufall?

Ivanschitz: Ich weiß es nicht. Ich wollte damals unbedingt nach Salzburg, es fühlte sich richtig an. Dann musste Kurt Jara gehen, der Trainer, der mich geholt hatte. Plötzlich hatte sich die Situation für mich völlig geändert.

SPIEGEL ONLINE: Auch in Mainz fühlen Sie sich ganz offensichtlich wohl, deshalb drängt sich der Eindruck auf, dass für Sie eher die ruhigen Clubs gemacht sind.

Ivanschitz: Ich bin eher der bodenständige Typ. Deshalb könnten Sie Recht haben.

SPIEGEL ONLINE: Bodenständig - und manchmal zu ruhig? "Dass Andi manchmal angeschoben werden muss, ist nichts Neues." Das sagt jedenfalls Ihr Trainer über Sie.

Ivanschitz: Er pusht seine Spieler eben gern. Ich bin für Kritik immer offen und nehme das alles nicht persönlich. Mir hat man ja in meiner Mainzer Anfangszeit auch vorgeworfen, ich würde mich nicht für die Defensivarbeit interessieren.

SPIEGEL ONLINE: Und? Zu Recht?

Ivanschitz: Es war Potential nach oben. Mittlerweile sind die Kritiker verstummt.

SPIEGEL ONLINE: Verteidiger Jan Kirchhoff wechselt im Sommer zu den Bayern, Stürmer Adam Szalai steht bei Top-Vereinen auf dem Zettel, Thomas Tuchel wird immer wieder bei Konkurrenten aus der Liga gehandelt - klingt nach unruhigen Zeiten.

Ivanschitz: In den dreieinhalb Jahren, in denen ich in Mainz bin, gab es immer wieder Gerüchte, einige Top-Spieler werden den Verein verlassen. Aber das hat uns Profis nicht zu interessieren. Und wie man an unseren Leistungen und der Tabelle sieht, tut es das auch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vertrag läuft aus, Manager Christian Heidel hat uns bestätigt, dass er sich durchaus eine Verlängerung mit Ihnen vorstellen kann.

Ivanschitz: Es hat erste Gespräche gegeben, meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl in Mainz. Ich kann mir gut vorstellen, meinen Vertrag zu verlängern.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie Ihre Entscheidung auch davon abhängig, ob Mainz in der kommenden Saison international spielt?

Ivanschitz: Nein, das steht für mich nicht an erster Stelle. Auch wenn ich natürlich hoffe, dass wir das schaffen.

Das Interview führten Mike Glindmeier und Christian Gödecke

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1. Braucht er neue etwa Brüste ??!
daslästermaul 19.01.2013
.... oder warum lobt er den "Loddar" so über den grünen Klee ??!
2. verstehe ich nicht wirklich
Umbriel 19.01.2013
Zitat von sysopDPAIhm wurde eine Welt-Karriere prophezeit, Andreas Ivanschitz spielt aber bei Mainz 05. Im Interview erklärt der Österreicher, warum er trotzdem sehr zufrieden ist, was den FSV mit dem SC Freiburg verbindet und warum Lothar Matthäus ein guter Trainer ist. http://www.spiegel.de/sport/fussball/interview-mit-andreas-ivanschitz-vom-fsv-mainz-05-a-878507.html
Was hat der Spiegel gegen Mainz zu sagen, irgendwie halten sich die Hamburger Fischköppe immer noch für den Nabel der Welt, obwohl es in der Stadt inzwischen zwar immer teurer, aber immer dreckiger und gammeliger aussieht.
3. Topspiel?
hanswurster 19.01.2013
Soweit sympathisches Interview. Man fragt sich nur, wonach das "Topspiel" denn so bewertet wird. Immerhin spielt mit Leverkusen gegen Frankfurt der 2. gegen den 4....
4. Endlich einmal ein Profi
flyforcash 19.01.2013
der nicht vom Ehrgeiz zerfressen ist und nur Geld und Ruhm hinterher hechelt sondern einfach das machen will was er am besten kann, nämlich guten Fußball zu spielen. Wenn er fallsweise ein wenig unter seinen Möglichkeiten bleiben sollte ist das auch OK. So hat er wenigstens Reserven wenns mal wirklich hart auf hart kommen sollte.
5.
hanfbauer2 19.01.2013
Lieber Herr Ivanschitz, vielen herzlichen Dank für dieses "Kompliment". Besser kann man dem Loddar keine reinwürgen! Bedenken Sie aber auch die vielen Arbeitsplätze in der Regenbogenpresse (neuerdings sogar im Feuilleton), die der Loddar sichern hilft - indem er abseits des "fachlichen" nicht so extrem gut ist...
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ZUR PERSON
Andreas Ivanschitz, Jahrgang 1983, spielt seit 2009 beim FSV Mainz 05. Der österreichische Mittelfeldspieler begann seine Karriere bei Rapid Wien. 2006 wechselte er zu Red Bull Salzburg. Unter den Trainern Lothar Matthäus und Giovanni Trapattoni konnte er sich aber nicht durchsetzen. Deshalb wurde er sechs Monate später zunächst an Panathinaikos Athen ausgeliehen - 2008 folgte der Wechsel nach Griechenland. Ein Jahr später holte Mainz den Offensivspieler in die Bundesliga.

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