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Interview mit Hans-Christian Ströbele: "Tooor, Tooor, Tooor"

Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele, 63, über seinen Onkel, den legendären Fußball-Reporter Herbert Zimmermann, der ihm und seinen Geschwistern die Rechte an dem berühmten "Tor"-Schrei vermachte.

Fritz Walter auf Schultern getragen nach dem WM-Sieg 1954: "Ein sensationelles, unvergessliches Erlebnis"
DPA

Fritz Walter auf Schultern getragen nach dem WM-Sieg 1954: "Ein sensationelles, unvergessliches Erlebnis"

SPIEGEL ONLINE:

Wo waren Sie am 4. Juni 1954?

Hans-Christian Ströbele: Natürlich daheim vor dem Radio. Deutschland schlug Ungarn im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft - ein sensationelles, unvergessliches Erlebnis.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Onkel, der Radioreporter Herbert Zimmermann, kommentierte damals das Spiel: "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt…"

Ströbele: "…Tooor, Tooor, Tooor. Tor für Deutschland!" Die Reportage ist so oft wiederholt worden, dass ich viele Passagen auswendig kenne.

SPIEGEL ONLINE: Als Erbe müssten Sie und Ihre Geschwister gut an den Vermarktungsrechten verdienen.

Ströbele: Alle vier Jahre wieder einige Tausender für einen guten Zweck, wenn die Telekom oder ein Verlag mit Onkel Herbert Reklame machen wollen. Fußball-WM ist ja leider nicht öfter.

SPIEGEL ONLINE: Heute klingt manches nationalistisch: Zimmermann sprach von "lauernden Puszta-Söhnen" und den "fest geschlossenen Reihen" der Deutschen…

Grünen-Politiker und Zimmermann-Neffe Hans-Christian Ströbele: "Auch Onkel Herbert hat manchmal geschummelt"
REUTERS

Grünen-Politiker und Zimmermann-Neffe Hans-Christian Ströbele: "Auch Onkel Herbert hat manchmal geschummelt"

Ströbele: …was ich damals nicht bemerkt habe. Inzwischen wirken manche Sätze etwas befremdlich, das stimmt. Aber Fußball ist nun einmal eine kriegerische Ersatzhandlung. Onkel Herbert hat es verstanden, die Sache spannend zu machen und seine Begeisterung rüberzubringen.

SPIEGEL ONLINE: Vermissen Sie diese Begabung bei den Kommentatoren dieser WM? ARD-Reporter Heribert Faßbender steht zurzeit in der Kritik, weil er Spieler verwechselt und Tore bejubelt, die keine sind.

Ströbele: Ich bin da nachsichtig. Auch Onkel Herbert hat manchmal geschummelt.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte?

Ströbele: Wenn er auf Schalke war, durfte ich mit aufs Stadiondach klettern und ihm bei der Arbeit zusehen. Da habe ich gemerkt, dass er über manche Spielsituationen nicht sofort berichtete, sondern den Ausgang der Szene abwartete und sie mit einer halben Minute Verspätung schilderte. Den Hörern am Radio ist das nicht aufgefallen.


Das Interview führten Frank Hornig und Alexander Neubacher

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