Interview mit Jupp Heynckes: "Schalke ist wie eine Religion"

Mit dem FC Schalke peilt Jupp Heynckes einen Platz unter den ersten fünf in der Fußball-Bundesliga an. Ob es klappen wird? Wenn die Spieler diszipliniert seien und an einem Strang ziehen würden, könne man sehr viel erreichen, glaubt der neue Trainer des Gelsenkirchener.

Jupp Heynckes: "Man muss auch mal zu unpopulären Maßnahmen greifen"
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Jupp Heynckes: "Man muss auch mal zu unpopulären Maßnahmen greifen"

Herr Heynckes, am Sonntag haben sie noch mit Athletic Bilbao bei Real Madrid gespielt. Heute beginnt für Sie die Arbeit bei Schalke 04. Wie verläuft die Umstellung?


Jupp Heynckes:

In letzter Zeit haben sich die Ereignisse in Bilbao überschlagen. Ich habe mich mental noch nicht vorbereiten können, wie es sein sollte. Üblicherweise tritt man einen neuen Trainerposten erholt und nach einem langen Urlaub an. Aber ich bin in der Lage, schnell umzuschalten.


Was hat für Sie den Ausschlag für Schalke 04 gegeben?


Heynckes: Schalke ist etwas Spezielles, für viele so etwas wie eine Religion, für mich eine absolute Topadresse. Schalke hat fantastische Fans und das modernste Stadion in Europa. Und Rudi Assauer hat mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass ich der Wunschtrainer für Schalke 04 bin und wir gemeinsam wieder an die Erfolge anknüpfen können, die der Verein in den letzten zehn Jahren hatte. Ich habe ein sehr gutes Gefühl.


Was haben Sie für Ziele in Schalke?


Heynckes: Realistisch ist ein Platz unter den ersten fünf. Aber ich habe als Spieler und Trainer Meisterschaften gewonnen. Wir müssen bereit sein, auch vermeinlich zu hoch gesteckte Ziele in Angriff zu nehmen. Ich werde alles daran setzen, dass die Mannschaft wieder den Fußball spielt, den sich die Fans erhoffen. Und die Mannschaft hat das Potenzial, die Ziele zu erreichen, die wir uns stecken.


Sie hatten auch ein Karriereende nicht ausgeschlossen.


Heynckes: In einem gewissen Alter sehnt man sich nach seinen Wurzeln zurück. Nach zehn Jahren im Ausland habe ich gemerkt, dass ich dorthin zurückkehren will, wo ich als Spieler und Trainer geformt worden bin. Auch die Nähe zu meiner Heimatstadt Mönchengladbach war ein Argument für Schalke. Außerdem: Als meine Frau das mit Schalke gehört hat, hat sie spontan gesagt: 'Das musst Du machen.' Und Sie wissen ja, unsere Frauen haben das Sagen."


Ihnen eilt der Ruf eines harten Trainers voraus, der extrem viel wert auf Disziplin legt.


Heynckes: Ich bin ein Mensch mit Gefühlen und Sensibilität. Aber es bestehen Regeln und Normen, an die man sich halten muss. Disziplin ist wichtig, aber noch wichtiger ist, dass es einen Konsens mit den Spielern gibt. Das ist der Weg, den wir hier auf Schalke gehen müssen. Erfolg hat nur ein Kollektiv, in dem jeder den anderen respektiert. Man muss Spielern Dinge vermitteln, und wenn sie es nicht verstehen, muss man auch mal zu unpopulären Maßnahmen greifen.


Mit Assauer und Ihnen arbeiten zwei starke Charaktere bei Schalke. Wird das gut gehen?


Heynckes: Ich habe auch mit Helmut Grashoff in Mönchengladbach und Uli Hoeneß beim FC Bayern immer gut harmoniert. Auch mit Assauer habe ich ein Ziel: den gemeinsamen Erfolg.


Aufgezeichnet von Jörg Mebus, sid

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