TV-Kommentator Reif: "Bayern und Dortmund sind die Favoriten"

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Er ist die Fußballstimme der Nation: Marcel Reif kommentiert seit fast 30 Jahren Spiele im Fernsehen - so auch das Finale im Wembley-Stadion. Im Interview spricht der 63-Jährige über seine Vorbereitung auf die Partie, seine Worte für den Verlierer und die Hoffnung auf ein Spektakel.

Marcel Reif: "Sport-Spiegel", "Kick" und Beckers Hochzeit Fotos
Getty Images

Hamburg - Marcel Reif ist der beste deutsche Fußballkommentator! Marcel Reif ist der schlechteste deutsche Fußballkommentator! Für beide Aussagen wird man reichlich Zustimmung bekommen, in den Beliebtheitsumfragen landet der 63-Jährige entweder ganz oben - oder ganz unten. Reif polarisiert, mit seiner Sprache und seiner Art, die manche ästhetisch finden, andere arrogant.

Unstrittig ist, dass Reif einer der erfahrensten Kommentatoren im deutschsprachigen Raum ist. Wie er im Interview verrät, ist das Finale in Wembley, das er für den Pay-TV-Sender Sky kommentiert, aber auch für ihn etwas Besonderes.

Sein Tagesablauf am Samstag aber unterscheidet sich kaum von dem an einem "normalen" Champions-League-Spiel: Anreise am Tag zuvor, Frühstück mit Familie und mitgereisten Freunden, dann Lektüre der Tageszeitungen im Gastgeberland. Zwei Stunden vor Anpfiff ist Reif im Stadion, es folgen Gespräche mit Kollegen und den Trainern Jupp Heynckes ("immer um Viertel vor acht im Kabinengang") und Jürgen Klopp ("vielleicht"). In der Sprecherkabine nimmt Reif eine halbe Stunde vor Anpfiff seinen Platz ein, er verfolgt die Vorberichte und wartet auf seinen Einsatz.

SPIEGEL ONLINE: Herr Reif, in Wembley steigt eines der größten Finals der deutschen Clubfußballgeschichte - und Sie sollen die richtigen Worte finden. Spüren Sie da Druck?

Reif: Druck nein, Anspannung ja. Ich würde lügen, würde ich sagen, es wäre ein Finale wie jedes andere. Aber Versagensängste verspüre ich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind seit 1984 Sportjournalist, 1985 haben Sie Ihr erstes Spiel kommentiert. Seitdem sind Sie bei jedem großen Turnier dabei. Aber dieses Spiel muss doch auch für Sie der Höhepunkt Ihrer Karriere sein.

Reif: Es ist zumindest ein Höhepunkt für den deutschen Fußball. So ein Finale hat es auf dieser Ebene noch nicht gegeben und wird es vielleicht auch nie wieder geben.

SPIEGEL ONLINE: Bereiten Sie sich denn auf dieses Spiel anders vor als auf all die anderen Partien, die Sie in Ihrer Karriere kommentiert haben?

Reif: Ich muss mir ein paar Gedanken mehr zum Verlierer machen, als das sonst bei einem Finale mit deutscher Beteiligung der Fall wäre.

SPIEGEL ONLINE: Weil der Verlierer der tragische Held ist?

Reif: Wäre es ein "normales" Champions-League-Finale mit einem deutschen Teilnehmer, wäre der Fall klar: Wenn das deutsche Team gewinnt, verliert man ein paar Worte zum Verlierer und feiert dann den deutschen Sieger vor deutschem TV-Publikum. Das ist ja das Normalste der Welt. Aber das ist diesmal anders. Ich muss einen möglichen Verlierer Dortmund oder einen möglichen Verlierer Bayern anders würdigen als einen nicht-deutschen. Ich muss dem Unterlegenen gerecht werden.

SPIEGEL ONLINE: Sie wissen also schon, wie Sie dem Verlierer kondolieren?

Reif: Ich werde mir tatsächlich einige Notizen dazu machen, ja. Stichpunkte, damit nichts von dem vergessen wird, was beide Teams in dieser Saison geleistet haben. Diese Rekordsaison der Bayern, die gespielt haben wie vielleicht noch keine deutsche Clubmannschaft vor ihnen. Und die Dortmunder, die nach einer Champions-League-Saison, in der sie in einer schwachen Gruppe Letzter wurden, bis ins Finale vormarschiert sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie schwärmen ja richtig. Sehen Sie eine Mannschaft in der Favoritenrolle?

Reif: Die Bayern. Und die Dortmunder. Die Münchner sind die einen Tick bessere Mannschaft, und wenn sie ihr Spiel durchkriegen, gewinnen sie. Aber der BVB hat gute Chancen, wenn er es schafft, bei den Bayern die Angst zu implantieren, auch das dritte Finale innerhalb von vier Jahren zu verlieren. Sie wissen, wie man das Bayern-Spiel entschlüsseln kann.

SPIEGEL ONLINE: Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Spricht das nicht für ein langweiliges Spiel?

Reif: Auf keinen Fall. Das wird zwar ein Schachspiel werden - aber auf sehr hohem Niveau. Sowohl Bayern als auch Dortmund sind einfach offensiv zu stark, als dass es langweilig werden könnte. Diese Partie wird alles haben, was der Fußball zu bieten hat. Ein absolutes Spektakel, auch für die Zuschauer.

SPIEGEL ONLINE: Und wie verwandelt man so ein Spektakel in Worte, so wie Sie es tun müssen?

Reif: Ich habe sehr viel Respekt und Demut vor dem, was da passiert. Ich neige nach all den Jahren nicht dazu, mich fortreißen zu lassen. Dieses Spiel wird sich selbst erzählen, das Spiel und das ganze Drumherum. Ich halte es eher damit, mich mal ein bisschen zurückzunehmen. Das reicht völlig.

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Halbfinale auf sky
trompetenmann 25.05.2013
Wie viele andere auch musste ich zwei der vier Halbfinal-Spiele auf Sky anschauen - mit Reif als Kommentator. Schrecklich. Wie oft diese Kommentatoren einfachste Szenen falsch sehen/interpretieren (Abseitse, Fouls etc.) und den ganzen Spielverlauf schlecht und falsch wiedergeben ist schon erstaunlich. (Bela Rethy gehört wie eigentlich alle Fernseh-Kommentatoren auch dazu.) Da wird oft ein so plakativer Wisch-Wasch gelabert, furchtbar. Im Dortmundspiel kam meine ich ständig der Hinweis auf das 4:4 im Schwedenspiel und so ein blabla. Schade, dass es beim Radio kein Bild gibt! Ich werde heute testen, ob der Radio-Ton irgendwie halbwegs synchron zum Fernseh-Bild passt, und dann den Radioton hören.
2. optional
sunburner123 25.05.2013
Schade. Mag die Stimme und die Emotionen die Reif gut rüberbringt. Hab aber leider kein SKY ... Also wirds wohl wieder der gute alte Bella...
3.
andi5lebt 25.05.2013
Ich hab nix gegen Reif aber zum "etwas zurücknehmen": grade bei etwas lahmeren Spielen neigt er mittlerweile schon ein bischen zum daherschwafeln. Aber das wird vermutlich heute keins sein. Der König ist sicher Fritz von Laber und Sülz der es locker schafft schafft 15+ Minuten ununterbrochen zu reden, ohne ein Wort zum eigentlich Spiel zu verlieren. Vermutlich ärgert er sich sogar wenn er mal von einem Tor unterbrochen wird. Das 2-Kommentatoren-System das in allen anderen Fußballnationen übrig ist, verhindert das Abschweifen ein bischen.
4. Seit 30 Jahren das Fähnchen der Nation!
kh_metzner 25.05.2013
SALADIN. (So ist das Feld hier rein!) - Ich komm dir doch Nicht zu geschwind zurück? Du bist zu Rande Mit deiner Überlegung. - Nun so rede! Es hört uns keine Seele. NATHAN. Möcht' auch doch Die ganze Welt uns hören. (Marcel-ist-reif.de - Fußballspiele selber live kommentieren oder anderen dabei zuhören. (http://www.marcel-ist-reif.de/))
5. Interessant sind
masc672 25.05.2013
Zitat von sysopGetty ImagesEr ist die Fußballstimme der Nation: Marcel Reif kommentiert seit fast 30 Jahren Spiele im Fernsehen - so auch das Finale im Wembleystadion. Im Interview spricht der 63-Jährige über seine Vorbereitung auf die Partie, seine Worte für den Verlierer und die Hoffnung auf ein Spektakel. http://www.spiegel.de/sport/fussball/interview-mit-marcel-reif-ueber-seine-vorbereitung-auf-das-finale-a-901479.html
die Promi Wünsche in einer Zeitung mit 4-Buchstaben. Viele Politiker, besonders aus dem linken Lager, sind für die Dortmunder. Wagenknecht ist Sauer weil die BAyern Gomez mit Geld gekauft haben. Um das mal auf die Politik zu übertragen. Typisch: Die Parteien, die gerne das Geld andere Leute verteilen, sind neidisch auf den wirtschaftlich erfolgereichsten Bundesligaverein. Till Schweiger ist Bayern-Fan? Ich kann mich da an Manta Manta erinnern :-)
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Zur Person
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    Marcel Reif, geboren 1949, studierte Publizistik, Amerikanistik und Politik, journalistisch arbeitete er erstmals 1972 als freier Mitarbeiter beim ZDF. Für den Sender ging er von 1981 bis 1983 als Korrespondent nach London, über Sport berichtet er seit 1984, als Kommentator seit 1985. 1994 ging Reif zu RTL, 1999 als Chef-Kommentator zum Bezahlsender Premiere (heute Sky). Reif hat drei Söhne und lebt in der Schweiz, nahe Zürich.