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Werder-Sportchef Eichin: "Wenn ich Mist baue, bekommt es auch meine Mutter mit"

Ein Interview von und

Werder-Sportchef Eichin: Fohlen, Hai und jetzt ein Bremer Fotos
DPA

Seit Werder Bremen einen neuen Trainer hat, läuft es an der Weser. Sportchef Thomas Eichin erklärt, warum er beim Wechsel von Robin Dutt zu Viktor Skripnik zunächst skeptisch war - und wie er günstige Spieler findet.

SPIEGEL ONLINE: Herr Eichin, Sie sind jetzt seit zwei Jahren Sportchef bei Werder Bremen. Damals starteten Sie mit drei Niederlagen, das zweite Spiel war ein 1:6 gegen den FC Bayern, danach herrschte Dauerkrise. Jetzt hat Ihr Klub 16 Punkte aus sechs Spielen geholt. Können Sie Ihren Job zum ersten Mal genießen?

Eichin: Nein. Ich hatte auch vorher schon Freude an meiner Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Spielen Sie gern den Krisenmanager?

Eichin: Die Aufgabe ist, Druck von anderen zu nehmen. Der Verein und der Trainer brauchen Rückendeckung, da müssen Brandherde gelöscht, Aufklärungsarbeit geleistet werden. In Krisen braucht der Verein natürlich noch mehr Aufmerksamkeit, als wenn es gut läuft.

SPIEGEL ONLINE: Bei Werder wurden Sie bisher oft kritisiert. Das kennen Sie auch von ihrem ehemaligen Job bei den Kölner Haien, als es sportlich nicht mehr so lief.

Eichin: Der Unterschied ist: Jetzt bekommt auch meine Mutter in Freiburg mit, was ich angeblich für einen Mist gebaut habe. Die TV-Präsenz ist größer als im Eishockey, die Kritik schärfer, du musst pausenlos moderieren. Aber durch die Haie-Zeit bin ich abgehärtet.

SPIEGEL ONLINE: In Bremen mussten Sie sich besonders für Ihre Transferpolitik rechtfertigen. Spieler wie Ludovic Obraniak und Cedrick Makiadi haben den Klub nicht weitergebracht.

Eichin: Wenn man im unteren Tabellendrittel steht, werden Transfers kritischer beäugt. Der einzige, von dem ich sagen würde, dass er nicht eingeschlagen hat, war Obraniak. Und selbst ihn haben wir für relativ wenig Geld von Girondins Bordeaux geholt, wo er Stammspieler war. Jetzt haben wir ihn an einen türkischen Klub verliehen, und wir sind zuversichtlich, dass wir auch bei diesem Spieler ein positives Transferergebnis erzielen werden.

SPIEGEL ONLINE: Izet Hajrovic galt als Bremens neuer Spielmacher, als legitimer Nachfolger von Micoud, Diego und Özil. Wie bewerten Sie seine bisherigen Leistungen?

Eichin: Das ist ihre Interpretation. Mit diesen Erwartungen haben wir ihn nicht geholt. Er ist ein junger, kreativer Spieler, der sich gut entwickelt und den Sprung ins Nationalteam geschafft hat. Er war im Sommer WM-Teilnehmer und für uns glücklicherweise ablösefrei zu haben. Dieser Transfer birgt für uns nur Chancen. Wir suchen immer nach kreativen Wegen auf dem Transfermarkt. Das ist der Werder-Weg. Kritik an dem Transfer könnte ich nicht nachvollziehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen vom Kaufmännischen, aber was ist denn mit dem sportlichen Aspekt? Warum tut sich Hajrovic bisher so schwer?

Eichin: Spieler, die aus dem Ausland kommen und noch nicht die Erfahrung haben, werden in der Bundesliga immer Schwierigkeiten haben. Das Training ist intensiver als in anderen Ländern. Hajrovic hat in Zürich und bei Galatasaray ganz anders trainiert als jetzt bei uns. Zudem müssen sich die Spieler erst an das schnelle Umschaltspiel in der Bundesliga gewöhnen. Das Tempo ist viel höher als in anderen Ligen, da braucht jeder Spieler erstmal ein halbes Jahr.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprachen von "kreativen Wegen" auf dem Transfermarkt. Was bedeutet das genau?

Eichin: Man muss bei Transfers einfach früher dran sein als die Konkurrenz. Ich habe am 15. Februar 2013 bei Werder angefangen, und den ersten Kontakt zu Franco di Santo hatten wir im März.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie auf ihn aufmerksam geworden?

Eichin: Seine Agenten haben sich gemeldet. Die wussten, dass wir auf der Suche nach einem günstigen Stürmer waren. Er hat bei Wigan nicht mehr gespielt und wollte seinen Vertrag nicht verlängern. Dann haben die ihn auf die Tribüne gesetzt, und wir haben unsere Chance genutzt.

SPIEGEL ONLINE: Di Santo ist das Gesicht des neuen Werder Bremen, das mit vielen jungen Spielern plötzlich wieder guten Fußball zeigt. Warum hat Robin Dutt diesen Neuanfang nicht geschafft?

Eichin: Da widerspreche ich. Wir haben in beiden Jahren unter Robin Dutt die Einsatzzeiten der jungen Spieler aus der U23 teilweise verdoppelt. Man kann nicht alles von heute auf morgen umstellen. Viktor Skripnik macht das allerdings noch schärfer und mutiger. Auch, weil er die U23-Spieler noch besser kennt. Aber den richtigen Weg hatten wir bereits eingeschlagen.

SPIEGEL ONLINE: Bei Skripnik sitzen Sie nicht mehr mit auf der Trainerbank, anders als bei Robin Dutt. Hatten Sie zu dem alten Trainer einen besseren Draht?

Eichin: Nein. Diese Wahrnehmung ist typisch für das Geschäft Bundesliga. Am liebsten hätte ich mich schon vor dem Trainerwechsel auf die Tribüne gesetzt. Als ich neu hier war, wollte ich nah am Trainer und seinem Gespann sein, um mitzubekommen, wie sie ticken. Aber nach einem Jahr hatte ich mir ein Bild gemacht und wollte lieber den etwas erhabeneren Blick aufs Geschehen haben. Dann lief es nicht gut, und der Wechsel von der Bank auf die Tribüne hätte gewirkt, als würde ich von Dutt abweichen. Ich bin aber immer noch genau so oft in der Kabine, wie ich es bei Robin Dutt war.

SPIEGEL ONLINE: Wie überrascht sind Sie selbst von dem derzeitigen Erfolg?

Eichin: Dass es mit Viktor gleich so gut klappt, hat mich überrascht. Wenn man einen Trainer in die Bundesliga holt, der vorher die U17 und die U23 trainiert hat, gibt es im Haifischbecken Bundesliga immer ein Restrisiko. Das hat er grandios gemeistert. Und vor allem ist er ist genauso geblieben, wie er war. Wenn er mal nervös ist, dann sagt er das auch. Das kommt gut an, auch bei den Spielern.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der nächste Schritt, den Skripnik mit der Mannschaft schaffen muss?

Eichin: Wir müssen weiter kreative Transfers tätigen und die Nachwuchsspieler fest im ersten Team integrieren, sie fördern, ihnen Chancen geben. Es wäre doch schön, wenn wir sie zu Bundesligastars aufbauen könnten, die sich mit Werder identifizieren. Wenn wir dann für einen von ihnen auch mal ein Millionenangebot bekommen, das für ihn und für Werder interessant ist, wünschen wir ihm viel Erfolg. Und dann geben wir anderen Talenten eine Chance. So stärken wir unseren wirtschaftlichen Spielraum und gleichzeitig unsere sportliche Entwicklung. Unsere Zielvorgabe lautete, eine stabile Saison zu spielen, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen und wenn möglich an einem europäischen Platz zu kratzen. Da sind wir auf dem Weg.

SPIEGEL ONLINE: Es läuft tatsächlich sehr gut derzeit, Sie haben eine komfortable Situation. Das sah in der Winterpause noch ganz anders aus. Können Sie jetzt lockerer mit Journalisten reden, weil es so gut läuft?

Eichin: Ja klar. Alles, was wir prophezeit haben, ist eingetreten. Wir haben gesagt: Es ist viel Qualität in der Mannschaft. Jetzt fragen die gleichen Journalisten, die uns vorher belächelt oder sogar attackiert haben: Mensch, da ist ja richtig Qualität in der Mannschaft? Ich kann das nicht immer ernst nehmen.

Zur Person
Thomas Eichin, 48, ist seit Februar 2013 Geschäftsführer Sport beim Bundesligisten Werder Bremen. Geboren und aufgewachsen ist Eichin in Freiburg. Beim Freiburger FC wurde er zum Junioren-Nationalspieler. Als 18-Jähriger wechselte Eichin 1985 zu Borussia Mönchengladbach. Zehn Jahre später wurde Eichin nach Nürnberg verliehen, wo ihm in der zweiten Liga sein erstes Tor als Profi gelang. Nach der sportlichen Karriere mit 180 Bundesligaspielen arbeitete Eichin im Marketing von Mönchengladbach, ehe er 1999 im Management des Eishockeyklubs Kölner Haie anfing. Dort war Eichin Geschäftsführer, ehe er zu Werder wechselte.

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Wenn es nach Eichin
jensen12345 28.02.2015
gegangen wäre, hätte er nach Dutt (der Werder auf den letzten Tabellenplatz geführt hatte) den Problembären Bruno statt Skripnik zu Werder geholt. Dann spielte Bremen jetzt nicht um die Europacup-Plätze mit, sondern wäre immer noch tief im Tabellen-Keller. Gut, dass sich Eichin da nicht durchsetzen konnte.
2. Nach dem Lauf
experte1305 28.02.2015
gibt es jetzt erstmal eine Klatsche gegen Wolfsburg und damit fängt der Abwärtstrend an. Die Fischköppe meinen, nach ein paar Siegen sind sie King of Curry- wurst!
3. das sollte auch Eichin's letzte Patrone...
andreasm.bn 28.02.2015
im Magazin gewesen sein! Allein die Verpflichtung von Dutt hätte ihn eigentlich schon auf's Abstellgleis befördern müssen. Wie man in Stuttgart so dumm sein kann, werde ich wohl nie verstehen...
4. Wer ...
clausbremen 28.02.2015
... jetzt noch Zweifel äussert, dass WERDER über echte Qualität verfügt, ist entweder Hamburger oder hat sie nicht alle. Eichin, Skripnik und die Mannschaft bringen erstklassige Leistung und haben inzwischen alle Kritiker widerlegt. Was will man mehr. WERDER FOREVER !
5.
sunnebo 28.02.2015
Zitat von experte1305gibt es jetzt erstmal eine Klatsche gegen Wolfsburg und damit fängt der Abwärtstrend an. Die Fischköppe meinen, nach ein paar Siegen sind sie King of Curry- wurst!
Nach diesem durchaus niveauvollen Kommentar erlaube ich mir mal, weitere Ergüsse dieses "Experten" zu zitieren: Über Maik Büskens / Fürth: "Der Oberblender Büskens wird den Fürthern den Rest geben und sie in die 3. Liga führen!" Über den VfB Stuttgart (nach Niederlage gegen Dortmund): "Mit dem Nichtskönner Dutt hat sich Stuttgart den Abstieg gekauft!! Halleluja! Dutt, der nächste Manager der ukrainischen Damen- Nationalmannschaft!" Über 1860 (nach Trennung von von Ahlen): "Dieser asoziale Haufen hat wirklich keine Existenzberechtigung im bezahlten Fußball! Auf Nimmerwiedersehen!" Über Zinnbauer / HSV: "Zinnbauer ist in dem Job doch völlig überfordert und wird, wenn nicht ein Wunder geschieht, den HSV hoffentlich in die ver- diente 2. Liga führen. Danach kann er ja wieder Ver- sicherungen verscheppern." Über Borussia Dortmund (nach Sieg gg Freiburg): "Da gewinnt diese Gurkentruppe nach gefühlten 2 Jahren mal wieder, und das auch noch gegen einen Mitabsteiger, schon sind sie wieder King of Currywurst. Das Gefühl täuscht, liebe BVBler, der nächste Spieltag wird es zeigen!" Über Preetz / Hertha: "Preetz! Die Inkarnation der Losers, Blenders, des Misserfolges! Wo Pretz ist , ist hinten!!" Und so weiter...
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