Trainer-Legende Klimaschefski "Ich rammte ihm den Vorschlaghammer in den Bauch"

Uwe Klimaschefski verpasste vorlauten Fans Kinnhaken und durfte in Homburg über rote Ampeln fahren. Im Interview mit dem Magazin "11FREUNDE" spricht er über an den Pfosten gefesselte Platzwarte, seinen Lehrmeister Hennes Weisweiler und Oben-ohne-Models.


Frage: Uwe Klimaschefski, Mario Balotelli von Manchester City wurde vor ein paar Monaten zu seinen angeblichen Eskapaden befragt. Hätten Sie Lust, dieses Frage-Antwort-Spielchen auch mit uns zu spielen?

Klimaschefski: Schießen Sie los.

Frage: Als Sie 1974 von einem Mainzer Fan beleidigt wurden, sollen Sie den Herren gebeten haben, Ihr Brötchen zu halten und verpassten ihm anschließend einen rechten Haken?

Klimaschefski: Stimmt.

Frage: Weil Sie als Trainer vom FC Homburg zu viele verletzte Spieler im Kader hatten, setzten Sie in der Nacht vor dem Spiel den Platz unter Wasser. Es war Winter, am nächsten Tag fiel die Partie wegen Glatteis auf der Spielfläche aus.

Klimaschefski: Nicht ganz. Es war unser Platzwart, der mit einem Gartenschlauch den Mittelkreis über Nacht bewässerte. Ich hatte ihm den Auftrag gegeben. Es war richtig kalt, und am nächsten Morgen waren Teile der Spielfläche spiegelglatt. Der Schiedsrichter schaute sich das an und sagte das Spiel dann wirklich ab.

Frage: Den Platzwart haben Sie 1976 an einen Torpfosten fesseln und mit Bällen beschießen lassen.

Klimaschefski: Leider wahr. Er war betrunken und hatte uns zuvor ziemlich genervt. Wir trafen ihn nur ein paar Mal, dann schnitt ihn seine Frau mit einem Küchenmesser los.

Frage: Weil er einen Rentner zusammengeschlagen hatte, schlugen Sie Anfang der Achtziger einen amerikanischen G.I. K.o. - mit einem Hammer.

Klimaschefski: Ich stellte den Idioten, doch der bedrohte mich mit einem Messer. In meinem Auto lag ein Vorschlaghammer, den ich dabei hatte, um Startblöcke für das Sprinttraining in die Aschebahn zu kloppen. Den rammte ich ihm in den Bauch und rief die Polizei.

Frage: Weil zu einem Heimspiel vom FC Homburg nur 1000 Zuschauer erwartet wurden, versprachen Sie eine ganz besondere Halbzeitshow: ein Wettrennen von weiblichen Oben-ohne-Models.

Klimaschefski: Es kamen schließlich 3000 Leute zu unserem Spiel.

Frage: Und die Frauen?

Klimaschefski: Waren erfunden. In der Halbzeit riefen die Zuschauer: "Klima, wo sind die Weiber?"

Frage: An Ihre Zeit als aktiver Spieler können sich heute nur noch die wenigsten erinnern, berühmt wurden Sie als Trainer. War es von Anfang an Ihr Wunsch, Trainer zu werden?

Klimaschefski: Den Plan dafür hatte ich jedenfalls nicht in der Schublade. Ich war Fußballer, über die Zukunft machte ich mir wenig Gedanken. Dann verletzte ich mich mit 29 Jahren schwer am Knie, mein Arzt sagte: "Ich gebe dir einen guten Rat: nie wieder Fußball! Deine Knie sind komplett im Eimer."

Frage: Sie hätten auch wieder als Bauklempner arbeiten können.

Klimaschefski: Machen Sie Witze? Im Fußball kannte ich mich aus, hier war ich zu Hause, und hier gab es viel mehr Geld zu verdienen. 1970 machte ich meine Trainerausbildung bei Hennes Weisweiler an der Sporthochschule Köln - übrigens gemeinsam mit Otto Rehhagel. Im letzten Jahrgang, der von Weisweiler ausgebildet wurde.

Frage: Wie war Ihr Verhältnis?

Klimaschefski: Erstaunlich gut. Er mochte mich, ich weiß auch nicht, warum. Wenn er abends in seiner Mönchengladbacher Stammkneipe mal wieder etwas zu tief ins Glas geschaut hatte, rief er mich am nächsten Morgen an: "Klima, mach du schon mal das Training!" Wir spielten dann ganz locker vier gegen zwei, bis der Chef in seinem großen Mercedes am Horizont auftauchte und wir blitzschnell zu den vorher aufgestellten Hütchen sprinteten, um brav die von ihm geforderten Übungen zu absolvieren. Die Prüfung bei ihm habe ich übrigens mit "gut" bestanden.

Frage: Von Ihnen stammt der Spruch: "Nur in Homburg darf ich bei Rot über die Ampel fahren." Hatten Sie in Homburg Narrenfreiheit?

Klimaschefski: Auf eine gewisse Art und Weise schon. Durch die Nähe zu Udo hatte ich einen extrem hohen Stellenwert im Verein. Auf mich hat er nichts kommen lassen. Als sich zum Beispiel einer meiner Spieler mal bei ihm mit den Worten "Der Klima hat uns als Arschlöcher bezeichnet" ausheulte, antworte Udo nur: "Ja und? Ihr seid doch Arschlöcher!"

Frage: Im März 1994 wurden Sie vom FC Homburg beurlaubt, weil sich Ihre Spieler in einer Abstimmung gegen Sie entschieden. Als Konsequenz trat auch Udo Geitlinger zurück. War das Modell Klimaschefski und Geitlinger einfach nicht mehr zeitgemäß?

Klimaschefski: Die neue Spielergeneration kam mit mir nicht mehr zurecht und ich nicht mehr mit den Spielern. Als ich sie nach einer schwachen Partie zusammenstauchte, beschwerten Sie sich beim Vorstand, ich musste gehen. Letztendlich war ich froh, diese Mannschaft nicht mehr trainieren zu müssen. Meine Zeit war vorbei.

Frage: Uwe Klimaschefski, Sie waren elf Jahre Spieler, 24 Jahre Trainer, Was war die schlimmste Niederlage in Ihrer Karriere?

Klimaschefski: 1976 spielten wir mit Homburg im Pokal-Viertelfinale gegen den HSV. Beim Stand von 1:2 bekamen wir einen Elfmeter zugesprochen, mein sicherster Schütze, Harald Diener, schnappte sich den Ball. Ein herrlicher Schuss, aber irgendwie bekam Rudi Kargus noch seine Finger dran. Am nächsten Tag maß ich die Entfernung vom Tor zum Elfmeterpunkt: Unser Platzwart hatte im Suff zwölf statt elf Meter abgemessen! Ich hätte ihn erwürgen können.

Das Interview führte Alex Raack

Lesen Sie die ungekürzte Fassung des Interviews in der September-Ausgabe der "11Freunde".

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
patzrochel 05.09.2012
1. Solche Typen fehlen!
Ich bin einer von denen, die sich auch noch an den Spieler Klimaschefski erinnern. Vielleicht weil ich ihn in meinem Sammelalbum hatte. Auf jeden Fall fehlen solche Typen im heutigen, glattgebügelten Fußballgeschäft! Weisweiler, Happen u.s.w. würden unsere heutigen "Stars" mal wieder auf die richtige Größe zurechtstutzen. Einzig Thomas Schaaf geht noch in diese Richtung. Schade, Schade.
Andreas Rolfes 05.09.2012
2. Fußball ist unser Leben
So schöne Geschichten schreibt eben nur der Fußball. ;)
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