Nach 37 Jahren Iran lässt weibliche Fußballfans zu einem Spiel ins Stadion

Sie feiern mehr als ein Führungstor: Erstmals seit 1981 haben Behörden in Teheran Frauen und Männer gemeinsam ins Azadi-Stadion gelassen. Allerdings nur eine begrenzte Auswahl.

Iranische Fans jubeln
AP

Iranische Fans jubeln


Zum ersten Mal nach mehr als drei Jahrzehnten haben Frauen ein Länderspiel der iranischen Fußball-Nationalmannschaft im Stadion verfolgen dürfen. Die Anzahl war jedoch begrenzt und von den zuständigen Behörden selektiert.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna waren beim Spiel Iran gegen Bolivien ungefähr hundert Frauen im Teheraner Asadi-Stadion. Unter ihnen Angehörige der Spieler, Angestellte des iranischen Fußballverbandes und Mitglieder der iranischen Frauen-Nationalmannschaft. Weitere weibliche Fans baten vergeblich um Einlass.

"Die Anfeuerungen der Frauen waren in der Tat sehr interessant", sagte Irans portugiesischer Nationaltrainer Carlos Quiroz nach dem 2:1-Sieg seiner Mannschaft. Für ihn könne dies "der Beginn einer neuen Ära" in Iran werden, die er sehr begrüße.

Auch in den iranischen Medien wurde die Anwesenheit der Frauen im Stadion positiv besprochen. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass vielen weiblichen Fans der Zugang ins Stadion weiterhin verweigert wurde. Irans Nationalspieler Hossein Mahini schrieb auf Twitter, er habe die Hoffnung, "dass eines Tages euch das halbe Azadi-Stadion gehört".

Am 5. Oktober 1981 durften zum letzten Mal Männer und Frauen auf den Tribünen des Azadi-Stadions in Teheran gemeinsam ein Fußballspiel schauen. Seither haben die schiitischen Geistlichen, die Religion, Politik und Gesellschaft in Iran dominieren, Frauen verboten, Fußballspiele von Herrenteams im Stadion anzuschauen. Der erzkonservative Klerus ist der Ansicht, dass islamische Frauen in Fußballstadien mit frenetischen männlichen Fans und vulgären Slogans nichts zu suchen hätten.

Lesen Sie hier, wie iranische Frauen dem Stadionverbot trotzen.

Die Hoffnung, dass sich daran etwas ändern wird, waren bis zuletzt nicht sehr groß. Seit Jahrzehnten berichten iranische Zeitungen immer wieder von Überlegungen, das Verbot aufzuheben. Doch dabei blieb es stets. Auch, als während der WM in Russland Frauen zum Public Viewing der Iran-Spiele ins Stadion durften, schien dies nur eine öffentlichkeitswirksame Ausnahme einer in Stein gemeißelten Regel. Das ist seit Dienstagabend anders.

sak/sid



insgesamt 3 Beiträge
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Sonnestrandundmeer 17.10.2018
1. Frauen-Nationalmannschaft?
Moment mal, stand im Artikel wirklich, dass der Iran eine Frauen-Nationalmannschaft hat? Dann ist er ja doch fortschrittlicher als ich dachte. Aber wie muss man sich die Spiele der Frauen-Nationalmannschaft vorstellen? Dürfen dann genau wie bei Spielen der Männer-Mannschaften keine Frauen zuschauen oder, sondern ausschließlich Männer (was merkwürdig wäre, denn offensichtlich versucht der Iran Männer und Frauen im Stadion zu trennen) oder dürfen genau andersherum ausschließlich Frauen zuschauen (was ebenfalls merkwürdig wäre, da es im Artikel heißt, dass Frauen sonst nicht ins Stadion gelassen werden) oder darf überhaupt niemand zuschauen (was noch skuriler wäre)?
modemhamster 17.10.2018
2. @sonnestrandundmeer
Die englischsprachige Wikipedia listet das iranische Nationalteam seit 2005, also dem Jahr der Gründung, als Teilnehmer der Qualifikation für den AFC Women's Asian Cup. Etwas mehr Hintergründe finden sich hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Women's_football_in_Iran Leider ist die FIFA einigermaßen rückständig, was die Kleiderordnung angeht, jedenfalls im Vergleich zum Beachvolleyball, wo es einer ägyptischen Spielerin bei der letzten Olympiade freigestellt und erlaubt wurde, im Hijab anzutreten. Im Iran dürfen sie, da hat die FIFA wenig zu sagen, womit Ihre Frage hoffentlich beantwortet ist.
Patg82 21.10.2018
3.
Es ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung und ein Weg der Besserung, insbesondere für den Iran, der ja bekannt ist für die strikte Unterscheidung der Geschlechter. Interessant über das weibliche Fußball-Team des Irans ist allerdings, dass im Jahre behauptet wurde, dass einige der Spieler eigentlich Männer sind/waren und ihr Geschlecht geändert haben, also war es wohl eher ein gemischtes Team als eine wirkliche Frauen-Mannschaft.
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