Heimatliebe Irland-Fan kauft TV-Rechte für WM-Qualifikationsspiel

Ein in Australien lebender, gebürtiger Ire hatte es satt, die Spiele seiner Nationalmannschaft nur im Internet verfolgen zu können. Darum kaufte er kurzerhand die Übertragungsrechte für ein WM-Qualifikationsspiel - und nahm dafür sogar eine Hypothek auf.

Irische Fans (bei der EM 2012): Spiele künftig auch in Australien zu sehen
DPA

Irische Fans (bei der EM 2012): Spiele künftig auch in Australien zu sehen


Hamburg - David Feeney liebt Fußball. Und er liebt die Nationalmannschaft seines Heimatlands Irland. Doch der in Australien lebende Mann hat ein Problem: Die Spiele der Iren, die in der deutschen Gruppe C um die WM-Teilnahme kämpfen, werden in seiner neuen Heimat nur selten live im Fernsehen gezeigt. Deshalb wurde aus dem Fan ein Händler von TV-Übertragungsrechten.

Als der aus Dublin stammende Feeney die fünfte Quali-Partie Irlands im März gezwungenermaßen via Internet-Radio verfolgte, ein spannendes 2:2 gegen Österreich, platzte ihm der Kragen. "Ich dachte: So, das war's. Warum soll ich so etwas nicht sehen können? Ich muss versuchen, die Rechte zu kaufen", sagt Feeney der Nachrichtenagentur AP.

Feeney rief also einen Freund an, der sich im TV-Geschäft auskannte, und gab schließlich ein Gebot für das WM-Qualifikationsspiel Irland gegen Schweden bei der deutschen Agentur Kentaro ab, die die Rechte für die TV-Übertragung der irischen Spiele in Australien und Neuseeland hält. Doch zunächst bekam er eine Absage: "Sie sagten, mein Gebot sei zu niedrig", so Feeney: "Aber dann habe ich es etwas erhöht, und dann habe ich die Rechte bekommen."

Die Rechtehändler aus Deutschland waren von der Anfrage überrascht: "Das war auch für uns untypisch", sagt Lasse Eckartsberg von Kentaro SPIEGEL ONLINE: "Normalerweise verhandeln wir direkt mit den Sendern. Aber Herr Feeney hat uns sein Modell präsentiert und es hatte Hand und Fuß."

Mehrere zehntausend Dollar hat Feeney nach eigener Aussage für die Rechte ausgegeben, neben dem Irland-Spiel kaufte er auch die Partie für das Spiel England gegen die Ukraine am 10. September. Um den Deal zu finanzieren, weitete er die Hypothek auf sein Haus aus. Dafür musste er aber seine Frau für die Idee gewinnen. "Sie war nicht unbedingt begeistert", sagt Feeney - und verrät, wie er sie doch überzeigen konnte: "Falls ich mit der Idee Geld mache, bekommt sie es."

Feeney hat für den Deal die Firma "Channel 33" gegründet und ist eine Partnerschaft mit einem Pferdesport-Sender eingegangen. Dieser wird die Spiele nun übertragen, sie sollen jedoch nur in ausgewählten Sportbars und einem Casino in Sydney und Melbourne zu sehen sein, an die er das Spiel verkauft hat.

Feeney hofft auf die große irische und englische Gemeinde in Australien, damit seine Geschäftsidee funktioniert - und er auch weitere Spiele übertragen kann: "Wenn es funktioniert, dann können wir es in Zukunft noch öfter machen."

bka/AP/Reuters



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insgesamt 8 Beiträge
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krulle 29.08.2013
1. Super. Mit Mut und Liebe
Hut ab vor dem Herrn. Den Mut das zu tun hätte ich nicht, und ich wünsche ihm, dass es zumindest eine rote Null, nach Möglichkeit eine schwarze Null oder noch besser wird. (Und so werden die Preise für Fussballrechte weiter nach oben getrieben.)
multi_io 29.08.2013
2.
Zitat von sysopDPAEin in Australien lebender, gebürtiger Ire hatte es satt, die Spiele der Nationalmannschaft seines Heimatlandes nur im Internet verfolgen zu können. Darum kaufte er kurzerhand die Übertragungsrechte für ein WM-Quali-Spiel - und nahm dafür sogar eine Hypothek auf. http://www.spiegel.de/sport/fussball/irland-fan-kauft-uebertragungsrechte-a-919204.html
Thumbs up! Auch an seine Frau -- offenbar liebt sie ihn wirklich, wenn sie ihm das mit der Hypothek erlaubt hat. Wünsche ihm (bzw. ihr), dass er damit ordentlich Knete verdient. :-P
wackerdurchsaufen 29.08.2013
3. Nur bloss kein Geld verdienen ...
... jedenfalls nicht in Deutschland. Risiken dürfen alle immer gerne eingehen, aber wenn sie sich auszahlen, geht hier die Neiddebatte sofort los - die Linke organisiert Protestmärsche, und das Finanzamt langt kräftig zu.
Marib 29.08.2013
4. optional
erst beschwert er sich also, dass die Spiele kaum übertragen werden... und dann kauft er sich die Rechte um sie nur an bestimmten Orten auszustrahlen. Über Crowdfunding o.ä hätte ich ja sowas noch verstanden, aber so ist die aktion ziemlich hirnverbrannt.
klingsor68 29.08.2013
5. Da ist aber...
Zitat von wackerdurchsaufen... jedenfalls nicht in Deutschland. Risiken dürfen alle immer gerne eingehen, aber wenn sie sich auszahlen, geht hier die Neiddebatte sofort los - die Linke organisiert Protestmärsche, und das Finanzamt langt kräftig zu.
... Ihr Pseudonym ein bisschen mit Ihnen durchgegangen. „Neiddebatte" ist so ein Totschlagargument, gerne auch völlig sinnfrei verwendet in Verbindung mit „wie DDR ohne Mauer" und Ähnlichem. Wenn Sie schon von diesem Artikel wilde Verbindungen zu Ihren persönlichen Ressentiments herstellen, erinnere ich Sie gerne kurz daran, wer nach wie vor für die Risiken einsteht, die im Verlauf der Finanzkrise zutage getreten sind. In Deutschland hätte vermutlich keine Bank mehr dieses Risiko für einen Kleinen finanziert, und zwar deshalb, weil sie an anderer Stelle noch mit der Risikobereitschaft und der Gier ihrer Großkundschaft zu kämpfen hat.
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