Israel-Spiel DFB hält an Dejagah fest

Der Deutsche Fußball-Bund lässt Ashkan Dejagah nicht fallen - trotz der heftigen Kritik vom Zentralrat der Juden an dem U21-Nationalspieler. Es gäbe "keine politischen Gründe". Präsident Theo Zwanziger will dem Deutsch-Iraner aber ins Gewissen reden.

Von Jörg Schallenberg


"Wir haben Dejagahs Entschuldigung zu schnell akzeptiert", sagte Zwanziger heute dem Radiosender hr-info, "wir hätten mehr nachfragen und nachbohren müssen". Dies werde der DFB nun nachholen. An einen Ausschluss des 21-Jährigen, der nicht zum Länderspiel der U21-Nationalmannschaft am kommenden Freitag in Israel antreten will, ist aber nach Angaben von DFB-Sprecher Jens Grittner nicht gedacht.

Nationalspieler Dejagah: Rücksicht auf die Verwandtschaft
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Nationalspieler Dejagah: Rücksicht auf die Verwandtschaft

Grittner sagte SPIEGEL ONLINE: "An der Haltung des DFB hat sich nichts geändert. Der Spieler hat uns gegenüber nicht von politischen Gründen gesprochen." In der "Bild"-Zeitung war der Profi des VfL Wolfsburg dagegen so zitiert worden: "Das hat politische Gründe. Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin." Dejagah war heute für eine Stellungnahme erneut nicht zu erreichen.

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, forderte heute den Ausschluss des Spielers aus dem Nationalteam. Bereits gestern hatte sich ihr Stellvertreter Dieter Graumann gegenüber SPIEGEL ONLINE empört über das Verhalten des Spielers geäußert. "Es ist undenkbar und unmöglich, dass ein Nationalspieler einen privaten Judenboykott initiiert", sagte er.

Mit Unverständnis reagierte auch Bundestrainer Joachim Löw. "Ich kenne die politischen Probleme. Grundsätzlich hätte ich vom Spieler aber erhofft und erwartet, dass er aus sportlichen Gründen und als deutscher U 21-Nationalspieler eine andere Entscheidung trifft. Das muss ich schon ganz klar sagen", meinte der Bundestrainer in einem Interview mit der "Welt".

Informationen von SPIEGEL ONLINE zufolge will Dejagah nicht zum Spiel antreten, weil er Repressalien für Familienangehörige in Iran fürchtet, sobald er nach Israel einreist. Im Rückspiel gegen Israel in Deutschland würde er spielen.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 lehnt es die Regierung in Teheran ab, Israel anzuerkennen, und verbietet seinen Staatsbürgern die Einreise sowie jeden sportlichen Wettkampf mit Israel. Dejagah wurde in Teheran geboren, wuchs danach in Berlin auf. Laut Bildblog spielt Dejagahs Bruder beim Fußballclub Paykan Teheran und hätte dort möglicherweise mit Sanktionen zu rechnen, sollte Ashkan gegen Israel auflaufen.

"Er muss das Trikot der Nationalmannschaft abgeben"

Die Haltung des U21-Nationalspielers stößt inzwischen auch bei Politikern auf Kritik. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla macht zwischen politischen und persönlichen Gründen keinen Unterschied. Er sagte heute: "Wer Deutschland im Nationaldress vertritt, ob gebürtiger Deutscher oder Zugewanderter, muss sich zu unserer durch Geschichte und Kultur geprägten Gemeinschaft bekennen. Wer dies aus persönlichen politischen Gründen nicht will, muss das Trikot der Nationalmannschaft abgeben."

DFB-Präsident Zwanziger will nun das Gespräch mit dem Spieler suchen. Im Radio sagte er: "Ich werde es ihm etwas schwerer machen und versuchen, das Verantwortungsgefühl abzufragen, das er als deutscher Nationalspieler zeigen muss." Von diesem Gespräch hänge ab, ob Dejagah noch einmal für eine deutsche Nationalmannschaft nominiert wird. Grundsätzlich müsse sich Dejagah aber entscheiden, für welches Land er spielen wolle. "Heute bin ich Iraner, morgen Deutscher, wie es mir passt, das wird nicht gehen", sagte Zwanziger.

DFB-Sprecher Grittner dementierte dagegen jegliche Absichten Dejagahs, noch einmal für Iran anzutreten: "Das ist ohnehin unmöglich, weil er nach Abschluss des 21. Lebensjahres ein Länderspiel für Deutschland bestritten hat. Damit hat er auch ein klares Zeichen gesetzt, für wen er spielen möchte."

Zwanziger sagte: "Wer deutscher Nationalspieler sein will, hat auch Pflichten." Als junger Mensch habe Dejagah allerdings auch das Recht, Fehler zu machen und hinzuzulernen.

mit Material von dpa



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