Italien-Skandal Lauschangriff gegen Starstürmer

Erst war es nur ein böser Verdacht, jetzt steht fest: Inter Mailand hat seinen früheren Angreifer Christian Vieri ausspioniert - mit professioneller Hilfe. Dem Präsidenten des Clubs droht ein zeitweiliges Berufsverbot, der Telecom Italia eine hohe Schadenersatzforderung.


Mailand - Clubchef Massimo Moratti vom italienischen Meister Inter Mailand hat zugegeben, Vieri bespitzelt zu haben. Der 33-Jährige spielte von 1999 bis 2005 für Inter und erzielte in 143 Spielen 102 Tore. Die Telefongespräche des Ex-Nationalspielers seien abgehört worden, um dessen Leben außerhalb des Spielfelds auszuspionieren, sagte Moratti dem Staatsanwalt des italienischen Fußballverbands, Francesco Saverio Borrelli.

Inter-Boss Moratti: Sperre droht
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Inter-Boss Moratti: Sperre droht

Vieri wurde mit Hilfe einer Privatdetektei bespitzelt, die über gute Verbindungen zur Telecom Italia verfügte. Im Gespräch mit Borrelli erklärte Moratti, er wolle sich bei Vieri entschuldigen. Der Spieler will jedoch die Telecom Italia - bei der Moratti im Aufsichtsrat sitzt - und den Club anzeigen und Schadenersatz fordern. Wegen des Lauschangriffs gegen Vieri droht Moratti eine dreimonatige Berufssperre.

Der Erdölmagnat, der seit 1995 Inter-Präsident ist, bestritt dagegen, dass Inter 2002 einen Detektiv beauftragt habe, um den Schiedsrichter Massimo De Santis zu belauschen. Gegen den Referee wurde im Juli wegen Absprachen mit italienischen Vereinen, darunter Juventus Turin, ein vierjähriges Berufsverbot verhängt. De Santis Telefon soll mit Hilfe der Beziehungen zwischen Inter und dem vor zwei Wochen zurückgetretenen Chef der Telecom Italia, Marco Tronchetti Provera - einem Miteigentümer des Mailänder Clubs - illegal abgehört worden sein.

Staatsanwalt Borrelli will in Zusammenhang mit der Affäre weitere Inter-Verantwortliche vernehmen, darunter Vizepräsident Carlo Buora, der auch ein hochrangiger Angestellter der Telecom Italia ist, sowie den zweiten Vizepräsidenten von Inter, Riccardo Ghelfi. Er soll die Lauschangriffe auf Vieri bezahlt haben.

Präsident der Telecom Italia ist Guido Rossi, der vor kurzem als kommissarischer Chef des italienischen Fußballverbandes zurückgetreten ist und früher auch im Inter-Verwaltungsrat saß. Die vielfachen Verbindungen zwischen dem Kommunikationskonzern und dem Club belasten zunehmend das gute Image von Inter Mailand, der als einziger italienischer Großclub ohne Strafe im italienischen Fußballskandal geblieben war und den Meistertitel 2006 am grünen Tisch zugesprochen bekommen hatte.

all/sid



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