Italiens WM-Blamage Arrivederci, Weltmeister

Träge, uninspiriert, ohne Herz: Für Italiens Starensemble ist bei der WM in Südafrika schon nach der Vorrunde finito. Der aktuelle Weltmeister verabschiedet sich mit einer Niederlage gegen den Nobody Slowakei aus dem Turnier - als Gruppenletzter.

Von David Kluthe

dpa

Hamburg - 24 Minuten lang erinnerte das italienische Spiel gegen WM-Neuling Slowakei an vergangene Erfolge: Italien wartete auf Fehler des Gegners, verwaltete das Unentschieden und lauerte auf Konter. Kurz: Catenaccio.

Vermutlich wäre es so weitergegangen. Vermutlich hätte irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit ein klug zu Ende gespielter Gegenangriff das 1:0 und damit den Achtelfinaleinzug sichergestellt. Doch in der 25. Minute offenbarte sich, warum das Team von Trainer Marcello Lippi 2010 nur noch ein müder und in die Jahre gekommener Abklatsch der Weltmeister-Elf von 2006 ist: Nach Ballgewinn im eigenen Strafraum leistete sich Daniele de Rossi einen katastrophalen Fehlpass im Spielaufbau. Während Italiens Routiniers Fabio Cannavaro und Gianluca Zambrotta nur staunten, schaltete die Offensive der Slowaken blitzschnell.

Juraj Kucka passte in die Spitze auf Robert Vittek, der den Ball unhaltbar für Italiens Keeper Federico Marchetti im linken unteren Toreck unterbrachte.

Es war der Anfang vom Ende einer italienischen Spieler-Generation.

Italien verlor schließlich 2:3 (0:1). Nach den Unentschieden gegen Paraguay (1:1) und Neuseeland (1:1) landete der Weltmeister ohne Sieg auf dem letzten Platz der Gruppe F - hinter den Neuseeländern. Der Außenseiter beendete seine Partie gegen Paraguay mit einem 0:0. Während die Neuseeländer nun ungeschlagen mit drei Punkten die Heimreise antreten müssen, steht Paraguay als Gruppensieger in der nächsten Runde.

Die Slowakei bejubelte ihrerseits den unerwarteten Achtelfinaleinzug. "Das ist Fußball. Wir schauen jetzt, was noch für uns drin ist. Wir sind noch für eine Überraschung gut. Unsere Rückflüge waren für Samstag gebucht, jetzt müssen wir umbuchen", sagte der ehemalige Nürnberger Vittek. Auf Seiten der Italiener herrschte hingegen Ratlosigkeit. "Wir müssen nach Hause fahren. Das ist sehr traurig, sehr bitter. Aber das müssen wir jetzt akzeptieren. Wir haben bis zum Schluss gekämpft, aber es hat gegen die sehr engagierten Slowaken einfach nicht gereicht", sagte Lippi.

Träge Italiener, mutige Slowaken

Dabei kam Italien zunächst besser ins Spiel, ohne sich jedoch zwingende Torchancen zu erarbeiten. Lippi setzte mit Simone Pepe, Antonio di Natale und Vincenzio Iaquinta auf drei Stürmer. Die Schussversuche von di Natale (1.) und Iaquinta (4.) verfehlten ihr Ziel aber deutlich.

Doch dann erlahmte der Offensiveifer. Die zunehmende Trägheit der Italiener schien auch der Slowakei nicht verborgen zu bleiben. Von Minute zu Minute traute sich die Mannschaft von Trainer Vladimir Weiss mehr zu, erspielte sich Chancen und hätte kurz vor der Pause beinahe das 2:0 durch Kucka bejubeln dürfen. Dessen Schuss streifte jedoch nur das Außennetz.

Weltmeister-Coach Lippi sah Anlass zum Handeln: Fabio Quagliarelli verstärkte die Offensive (für Gattuso), Christian Maggio ersetzte Domenico Crscito. Erst nach der Einwechslung von Spielmacher Andrea Pirlo (56. für Montolivo) kam Italien langsam wieder in Schwung.

Zunächst vergab di Natale kläglich aus aussichtsreicher Position. Dann wurde es brenzliger vor dem Tor der Slowaken. Nach einer Flanke von Pepe landete der Ball vor den Füßen von Quagliarella. Dessen Schuss klärte Martin Skrtel auf der Linie.

Vittek trifft doppelt

Durch Italiens Bemühungen bot sich Platz für den Außenseiter. Cannavaro lief Miroslav Stoch bei einem Konter nur hinterher. Stoch verfehlte das Tor, doch die nächste Chance der Slowaken saß. Die Ecke von Marik Hamsik köpfte Giorgio Chiellini wieder nach außen, im zweiten Versuch passte Hamsik flach in die Mitte. Dort wartete erneut Vittek und erhöhte mit seinem zweiten Treffer auf 2:0 (74.).

Jetzt wurden die Angriffe der Italiener wütender. In einer packenden Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse.

Jaquinta brachte di Natale nach schöner Kombination per Hacke in Position. Der Stürmer von Udinese Calcio traf zum Anschluss (81.). Quagliarella hatte es anschließend eilig, den Ball wieder zum Mittelkreis zu bringen, kassierte vom gegnerischen Torwart Jan Mucha einen Schlag ins Gesicht und sah genau wie Mucha Gelb.

Nur drei Minuten später lag der Ball erneut im Tor der Slowaken. Quagliarella stand beim Abschluss jedoch im Abseits.

Als Italien alles auf eine Karte setzte und erstmals im Spiel zu kombinieren begann, legte die Slowakei nach. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung tauchte Kamil Kopunek frei vor dem italienischen Tor auf und hob den Ball abgeklärt über den herauseilenden Marchetti - 3:1 (89.).

Auch das war noch nicht der Schlusspunkt: Quagliarella hob den Ball in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit viel Gefühl über den slowakischen Keeper Mucha zum erneuten Anschlusstreffer.

2006 in Deutschland hätte Pepe in der fünften Minute der Nachspielzeit vermutlich freistehend vor dem Tor zum Ausgleich getroffen - Italien wäre mit drei Unentschieden ins Achtelfinale eingezogen. 2010 in Südafrika stand jedoch ein anderes Italien auf dem Platz. Pepe traf nicht. Kein Catenaccio. Kein Unentschieden. Kein Achtelfinale.

Slowakei - Italien 3:2 (1:0)
1:0 Vittek (25.)
2:0 Vittek (74.)
2:1 di Natale (81.)
3:1 Kopunek (89.)
3:2 Quagliarella (90.+2)

Slowakei: Mucha - Pekarik, Skrtel, Durica, Zabavnik - Strba (87. Kopunek), Kucka - Stoch, Hamsik - Vittek, Jendrisek
Italien: Marchetti - Zambrotta, Cannavaro, Chiellini, Criscito (46. Maggio) - de Rossi, Gattuso (46. Quagliarella) - Montolivo (56. Pirlo) - Pepe, di Natale, Iaquinta
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 45.000 (in Johannesburg)
Gelbe Karten: Mucha, Pekarik, Strba, Vittek - Cannavaro, Criscito, Gattuso, Montolivo, Pepe, di Natale, Quagliarella

Und so lief das andere Spiel in Gruppe F - Paraguay gegen Neuseeland:

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
shokaku 24.06.2010
1. Au weia
Zitat von sysopTräge, uninspiriert, ohne Herz: Für Italiens Starensemble ist bei der WM in Südafrika schon nach der Vorrunde finito. Der amtierende Weltmeister verabschiedet sich mit einer Niederlage gegen den Nobody Slowenien aus dem Turnier - als Gruppenletzter. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,702687,00.html
Da haben wir ja den Grund der Niederlage schon. Lippi und seine Truppe dachten sie spielen gegen das Team der Slowakei.
AlbertWesker 24.06.2010
2. Bei der Spielweise...
Nach diesen drei Spielen hätte es Italien einfach nicht verdient ins Achtelfinale einzuziehen! Naja, haben ja die Champions league, da lässt man einfach keinen Italiener spielen und bekommt für viel Geld die Titel :-)
wup 24.06.2010
3. -
Zitat von sysopTräge, uninspiriert, ohne Herz: Für Italiens Starensemble ist bei der WM in Südafrika schon nach der Vorrunde finito. Der amtierende Weltmeister verabschiedet sich mit einer Niederlage gegen den Nobody Slowenien aus dem Turnier - als Gruppenletzter. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,702687,00.html
Vielleicht bekommen die italienischen "Fussballer" doch noch einen Preis. Den Oscar für die beste schauspielerische Leistung. Wie die sich ständig bei den kleinsten Berührungen fallen lassen und auf dem Rasen wälzen, als hätte ihnen jemand ins Knie geschossen. Einmalig!
roflem 24.06.2010
4. .
Zitat von sysopTräge, uninspiriert, ohne Herz: Für Italiens Starensemble ist bei der WM in Südafrika schon nach der Vorrunde finito. Der amtierende Weltmeister verabschiedet sich mit einer Niederlage gegen den Nobody Slowenien aus dem Turnier - als Gruppenletzter. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,702687,00.html
Erst Frankreich jetzt Italien, Sonntag England? Ich freue mich über jeden Sieg von kleinen underdogs! Diese verwöhnten Bubis, die trotz Millionengagen nicht mal ein Tor treffen können....ciao ciao!
JensDD 24.06.2010
5. ...
Zitat von shokakuDa haben wir ja den Grund der Niederlage schon. Lippi und seine Truppe dachten sie spielen gegen das Team der Slowakei.
wars nicht doch Serbien ;-)
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