Japanischer Fußball In Fernost tut sich etwas

Während der nordamerikanische Fußball Probleme hat, läuft es in Japan prächtig. Die J-League kann es inzwischen mit europäischen Spielklassen aufnehmen - zumindest wirtschaftlich. Den derzeitigen Erfolg und Strategien für die Zukunft erklärt das Magazin "SPONSORs".

Von Daniel Wojczewski und Michael Weilguny


An wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen mangelt es der japanischen J-League nicht - im Gegensatz zur nordamerikanischen MLS, der Major League Soccer. Die erste professionelle Fußballliga Japans geht dieses Jahr in ihre 16. Saison und hat sich bereits als zweite Kraft im japanischen Profisport neben Baseball etabliert. Auf Basis der Wirtschaftszahlen kann es die J-League bereits mit europäischen Fußballligen aufnehmen.

Japaner Okubo (im Länderspiel gegen Oman): Stetiges Wachstum
REUTERS

Japaner Okubo (im Länderspiel gegen Oman): Stetiges Wachstum

Mit einem Umsatz von 339 Millionen Euro (Saison 2006) würde die J-League in Europa hinter den Niederlanden (355 Millionen Euro, 2005/2006) Platz sieben belegen. Mit einem Sponsoringvolumen von 160 Millionen Euro in besagter Saison kann die J-League sogar fast mit der französischen Ligue 1 (161 Millionen Euro, 2005/2006) und der italienischen Serie A (188 Millionen Euro, 2005/2006) mithalten.

In ihrer wirtschaftlichen Struktur orientiert sich die J-League dabei deutlich am zentralen Vermarktungskonzept der meisten europäischen Ligen. Mit der zentralen Vermarktung der Fernsehrechte wollten die Verantwortlichen der J-League bewusst eine Entwicklung vermeiden, wie sie in der japanischen Baseball-Profi-Liga zu beobachten ist.

Die Baseball-Clubs vermarkten ihre Spiele in Eigenregie. Dementsprechend groß sind die Einnahmedifferenzen zwischen den populären und weniger populären Vereinen. Da die Clubs der J-League auf keine gefestigte Anhängerschaft bauen konnten, sondern sich diese erst durch die Darbietung eines spannenden Wettbewerbs erarbeiten mussten, schien den Machern der Liga die Zentralisierungsmaßnahme eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Etablierung des Profi-Fußballs.

Ein durchaus beachtlicher Zuschauerschnitt von 19.081 pro Spiel in der Saison 2007 gibt den Liga-Verantwortlichen bislang Recht. Damit landet die J-League beispielsweise noch vor der niederländischen Eredivisie (18.052), die in dieser Kategorie hinter den europäischen Big-Five-Ligen (Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien) auf dem sechsten Platz liegt.

Um das Interesse an der Liga weiter hochzuhalten, ist es nach Meinung von Kenji Onitake, Chairman der J-League, notwendig, wie in den neunziger Jahren ausländische Topstars in die J-League zu holen. "Je mehr große Namen bei uns vertreten sind, desto mehr Zuschauer kommen in die Stadien", lautet das Credo des Liga-Bosses Onitake.

Onitake hat sich für die kommenden Jahre ehrgeizige Wachstums- und Gewinnziele gesetzt. Er sieht das Primärziel der J-League darin, bis 2010 die Zuschauermarke von 11 Millionen (J 1 + J 2, aktuell etwa 8,5 Millionen) zu knacken. Das könnte durchaus klappen, zuletzt war die Zuschauerentwicklung ja positiv.



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