Neuer Schalke-Trainer: Mit Keller nach oben

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Huub Stevens ist weg, Jens Keller ist da: Der 42-Jährige übernimmt kurz vor der Winterpause den Trainerjob beim FC Schalke. Schon einmal sprang Keller in der Bundesliga kurzfristig ein - und scheiterte. Wer ist der Mann, der Schalke wieder flottmachen soll?

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Neuer Schalke-Coach Keller: "Es geht darum, dem Verein zu helfen"

Hamburg - Jens Keller ist ein Mann, der weiß, wann er zupacken muss: "Ich bin ein Typ, der die Chance ergreift, in der Bundesliga zu trainieren." Doch auch an Demut mangelt es nicht: "Ich bin dankbar für die Möglichkeit." Gesagt hat Keller das alles nicht etwa bei seiner Vorstellung als neuer Schalke-Coach am Sonntag, sondern vor zwei Jahren in Stuttgart.

Keller, Nachfolger des geschassten Schalke-Coachs Huub Stevens erlebt derzeit ein Déjà-vu: Auch bei seiner bislang einzigen Bundesliga-Trainerstation beim VfB Stuttgart war er mitten in der Saison zum Cheftrainer befördert worden. Im Oktober 2010 übernahm Keller, der zuvor Co-Trainer gewesen war, ein Team, das sich in desaströsem Zustand befand und auf dem letzten Tabellenplatz lag.

Diesmal wechselt Keller von der U17-Mannschaft zum Profiteam und findet ebenfalls verunsicherte Spieler vor. Trotz des Einzugs in die K.o.-Phase der Champions League sind die Saisonziele der ambitionierten Schalker in Gefahr: S04 steht in der Liga nur auf Rang sieben, mit drei Punkten Rückstand auf die Champions-League-Plätze, die nach dem Anspruchsdenken des Bundesligisten Pflicht sind.

"Ich muss die Jungs erstmal kennenlernen"

Schalke-Chef Clemens Tönnies ist "felsenfest davon überzeugt", mit Keller die richtige Wahl getroffen zu haben. Und Sportdirektor Horst Heldt gab dem neuen Coach gleich einen klaren Auftrag: das Pokalspiel gegen Mainz am Dienstag (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gewinnen - und in der Liga mindestens die Champions-League-Qualifikation erreichen. "Das Spiel am Dienstag ist für mich das Wichtigste. Über alles andere machen wir uns danach Gedanken", sagt Keller.

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Auch wenn er die Situation schon kennt, bremst Keller die Erwartungen: "Ich muss die Jungs erstmal kennenlernen." 90 Minuten Training am Sonntag reichten noch nicht, um Klarheit über mögliche personelle Maßnahmen im Team zu bekommen. Keller ist sich jedoch sicher: "Am Montag werde ich eine Idee für das Spiel gegen Mainz finden."

In Stuttgart war Kellers Trainerzeit bereits nach 59 Tagen wieder vorbei. "Ich hatte keine Vorbereitung und keine Zeit", sagte er damals: "Im Nachhinein hat auch das letzte Quäntchen Vertrauen und Glück gefehlt." Keller hatte eine durchwachsene Bilanz: Fünf Siege, drei Unentschieden, fünf Niederlagen standen nach 13 Spielen als Chefcoach zu Buche. "Ein Trainer von außerhalb hätte bei einer solchen Bilanz nicht gehen müssen, denn der hat ein ganz anderes Standing", sagte Keller.

Keller erstmal nur bis zum Saisonende fest im Sattel

Nach seinem Ende beim VfB konzentrierte sich Keller zunächst wieder auf Posten in zweiter Reihe. "Die Bundesliga ist in naher Zukunft kein Ziel. Dafür war ich zu kurz oben, da bin ich realistisch", sagte er damals dem "Kicker". Bruno Labbadia folgte Keller nach dessen Suspendierung, der 42-Jährige blieb für die Stuttgarter als Scout im Einsatz. Zur Saison 2012/2013 wurde Keller dann wieder Cheftrainer - allerdings zunächst nur bei der B-Jugend des FC Schalke.

Von dort schaffte er es in knapp einem halben Jahr wieder ins Bundesliga-Geschäft. Und auch diesmal hat er die Chance, dies auch längerfristig zu bleiben. "Er macht es garantiert bis zum Ende der Saison und dann gucken wir weiter", kündigte S04-Aufsichtsratschef Tönnies bei Sport 1 an. Sportchef Heldt formulierte es hingegen defensiver: "Es ist ganz klar definiert, dass er bis zum Saisonende die Verantwortung trägt. Wir denken und arbeiten jetzt erst mal kurzfristig." Die Entscheidung pro Keller fiel auch, weil Schalke "schnell handeln musste".

Keller selbst macht keinen Druck: "In erster Linie geht es darum, dem Verein zu helfen." Doch er wird mit Sicherheit seine zweite Chance nutzen wollen. Auch während seiner Profizeit benötigte er mehrere Anläufe, bis er Bundesliga-Stammspieler war. Zu Beginn seiner Karriere schaffte Keller es nicht, sich beim VfB Stuttgart in der Bundesliga durchzusetzen. Er ging danach zu 1860 München, stieg mit dem Club in die erste Liga auf - blieb dort aber erneut fast nur auf der Bank. Erst im dritten Anlauf, beim VfL Wolfsburg, schaffte er es erneut nach einem Aufstieg, Stammspieler in Liga eins zu werden.

Aller guten Dinge sind drei, so war es für den Spieler Keller. Für den Trainer Keller soll es schon beim zweiten Mal klappen.

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
!!!Fovea!!! 17.12.2012
Zitat von sysopREUTERSHuub Stevens ist weg, Jens Keller ist da: Der 42-Jährige übernimmt kurz vor der Winterpause den Trainerjob beim FC Schalke. Schon einmal sprang Keller in der Bundesliga kurzfristig ein - und scheiterte. Wer ist der Mann, der Schalke wieder flottmachen soll? http://www.spiegel.de/sport/fussball/jens-keller-so-tickt-schalkes-neuer-trainer-a-873234.html
Dann war vor Jahren Magath wohl doch nicht Schuld......?! Ich finde es immer interessant, wenn ein Haufen junger Millionäre sich verweigern, dass dann immer der Trainer daran Schuld sein soll..... Vielleicht sollte Schalke 04 den Dormunder Trainer abwerben.... (Ironie aus!).
2. Nach Raúl wäre Gardiola logisch gewesen
jfpublic 17.12.2012
Gerade in so einem Verein kann doch niemand arbeiten, der nicht schon vorher Erfolg hatte. Siehe auch Di Matteo von Chelsea ... der arme Mann wird keine dritte Chance bekommen.
3. Tönnies
Currie Wurst 17.12.2012
...ist 'felsenfest' überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Als ob der ein Fels in der Brandung wäre. Fähnlein im Winde trifft´s ja wohl eher. Wenn 8 Spiele reichen, zwischen denen aber noch CL-Erfolge lagen, um einen Trainer zu demontieren, muss entweder hinter den Kulissen etwas vorgefallen sein oder die Verantwortlichen auf Schalke haben die Bodenhaftung verloren. Die CL-Erfolge sprechen eigentlich dagegen, dass es zwischen Mannschaft und Trainer geknirscht hat. Genauso wenig ist nämlich ausgeschlossen, dass der Riss zwischen Trainer und Vereinsführung entstanden ist. Mal abwarten, was da ein neuer Trainer ausrichten kann. Von Keller´s erstem Auftritt ist mir nur in Erinnerung geblieben, dass sein Name Programm ist. Von mir aus auch für Schalke.
4. Mit Keller in den Keller
daothong 17.12.2012
Zitat von sysopREUTERSHuub Stevens ist weg, Jens Keller ist da: Der 42-Jährige übernimmt kurz vor der Winterpause den Trainerjob beim FC Schalke. Schon einmal sprang Keller in der Bundesliga kurzfristig ein - und scheiterte. Wer ist der Mann, der Schalke wieder flottmachen soll? http://www.spiegel.de/sport/fussball/jens-keller-so-tickt-schalkes-neuer-trainer-a-873234.html
Wie kann man nur so blöd sein und einen erwiesenermaßen kompetenten und erfolgreichen Trainer gegen das Gegenteil eintauschen? Keller hat doch schon in Stuttgart gezeigt, dass er nicht erstligatauglich ist. Für eine Jugendmannschaft reicht es wahrscheinlich so gerade eben und jetzt CL ??? Das schafft der nie!!! Wenn sich Schalke dann Mitte der Rückrunde kurz vor dem Relegationsplatz befindet, werden wir den nächsten Trainer erleben. Und dann bitte nicht den Veh!!!! Herr Heldt sollte doch langsam wissen, dass das Ruhrgebiet für Schwaben nicht geeignet ist.
5. Der Mann ...
heduda 17.12.2012
... ist ein echter Glücksgriff - allerdings nicht für Schalke, sondern deren Konkurrenten um die internationalen Plätze. In Stuttgart hat er erst mal gegen Christian Groß nachgetreten, ganz mieser Stil. Groß habe "zu wenig auf ihn gehört", was Armin Veh im ASS zu der ebenso bemerkenswerten wie richtigen Aussage veranlasste, dass das gar nicht geht und Keller, wenn er sich vom Cheftrainer unverstanden fühlt, eben hätte kündigen müssen. Die Bilanz Kellers beim VfB war dann auch bescheiden. Dass seine rhetorischen Fähigkeiten in etwa das Niveau von Cobra Wegmann erreichen, macht die Sache nicht wirklich besser.
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