Medienberichte Jens Lehmann soll Steuern im sechsstelligen Bereich hinterzogen haben

Ist Jens Lehmann ein Steuersünder? Laut "Handelsblatt" soll der Ex-Nationaltorwart unter anderem Werbeeinnahmen verschleiert haben. Das Finanzamt sei von "erhöhter krimineller Energie" ausgegangen.

Jens Lehmann
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Jens Lehmann


Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gehörte Jens Lehmann zu den Protagonisten des "Sommermärchens". Dank seiner gehaltenen Elfmeter im Viertelfinale gegen Argentinien zog die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-WM ins Halbfinale ein. Zu dieser Zeit stand Lehmann beim FC Arsenal in der Premier League unter Vertrag. Seine Einkünfte aus Spielen mit der Nationalmannschaft und Sponsorenverträgen soll er aber weder in England noch in Deutschland versteuert haben. Das geht aus einem "Handelsblatt"-Bericht hervor.

Demnach läge der Zeitung Lehmanns Akte der Steuerfahndung des Finanzamts München vor. Darin werde auf 117 Seiten beschrieben, wie der ehemalige Nationaltorhüter mit "erhöhter krimineller Energie" nach Steuerschlupflöchern gesucht und Einnahmen verschleiert habe. Demnach habe Lehmann unter anderem Gesellschaften auf der Kanalinsel Jersey gegründet und vorgegeben, keinen Wohnsitz in Deutschland zu unterhalten, um keine Steuern zahlen zu müssen.

Sein Haus in Dortmund habe er zum Schein an den Mann seiner Schwiegermutter vermietet. Tatsächlich sei Lehmann aber regelmäßig mit seiner Familie dort gewesen, wie man anhand von Fotos nachweisen könne. Zudem habe er den "Mieter" angewiesen, keine Details über Absprachen in E-Mails oder am Telefon zu erwähnen. Der Fall sei durch Zufall aufgedeckt worden, weil das Hauptzollamt Speyer 2012 ein an Lehmann adressiertes Paket geöffnet und darin Kontounterlagen einer Schweizer Bank gefunden habe.

Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 100.000 Euro

Insgesamt soll Lehmann laut Berechnungen des Finanzamts 934.837 Euro hinterzogen haben. Das gehe aus einem Bericht hervor, den die Steuerfahnder der Staatsanwaltschaft München II im Juli 2016 übergeben hätten. Nach eingehender Prüfung sei die Staatsanwaltschaft auf einen geringeren, aber immer noch sechsstelligen Betrag gekommen, den Lehmann nachgezahlt habe. Anfang 2017 wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Der "Bild"-Zeitung sagte Lehmann, dass er als Auflage 100.000 Euro gezahlt habe, "um einen Anspruch, der eventuell bestanden hätte und vor Gericht ausgetragen worden wäre, zu befriedigen." Zudem kritisierte der frühere Fußballer, dass seine Akte an die Öffentlichkeit gelangt sei und damit "rechtswidrig Steuergeheimnisse freigegeben und für viele Menschen zugänglich gemacht" worden seien.

Auf Twitter schrieb Lehmann, die vom "Handelsblatt" erhobenen Vorwürfe gegen ihn "in wesentlichen Teilen unwahr und rechtswidrig". Er habe niemals Steuern hinterzogen und "werde daher mit juristischen Mitteln gegen die vom Handelsblatt aufgestellten Unwahrheiten vorgehen".

Zusätzlich zu den mutmaßlich hinterzogenen Steuern soll Lehmann von 2008 bis 2013 doppelt Kindergeld bezogen haben. Zusätzlich zur weiterlaufenden Leistung aus Dortmund hätten die Lehmanns bei der Familienkasse Passau Kindergeld beantragt. Den doppelt bezogenen Betrag in Höhe von knapp 20.000 Euro habe er zurückgezahlt. "Wegen meines Wechsels nach England wusste ich gar nicht, dass es weiter gezahlt worden war", erklärte Lehmann der "Bild"-Zeitung.

Als Steuersünder befände sich Lehmann im internationalen Spitzenfußball in bester Gesellschaft. In Folge der "Football Leaks"-Enthüllungen, an denen der SPIEGEL maßgeblich beteiligt war, haben die spanischen Behörden unter anderem gegen die Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, Bayerns Mittelfeldspieler James Rodríguez sowie Trainer José Mourinho ermittelt.

mmm



insgesamt 27 Beiträge
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Regimekritisch 21.11.2018
1. Kindergeld doppelt?
Und nicht bemerkt? Da sieht man mal,daß man ab einem Monatseinkommen von meinetwegen 10.000€ getrost das Kindergeld streichen kann,oder? Ist anderswo besser angelegt
touri 22.11.2018
2.
Schade, auf dem Platz habe ich Lehmann immer bewundert. Aber wie kann man nur so dämmlich sein? Der Mann hat garantiert einen zweistelligen Millionenbetrag verdient, warum riskiert er wegen einer für ihn lächerlichen Millionen in den Knast zu wandern? Da kann er das Geld dann auch nicht ausgeben Hoeneß hätte Warnung genug sein müssen.
grossinquisitor 22.11.2018
3. Steuergeheimnis
Seit über einem Jahr ist das Verfahren eingestellt, da bläst der Staat, unser Vater Staat, der von uns ehrliche Abgaben verlangt, Steuerakten an die Medien. Das ist der Skandal. Aber die staatstreue Presse, macht sich lieber, Ihrem Neidkomplex folgend, über den reichen Bürger her. Für mich eine rechtswidrige Berichterstattung. Und zudem ethisch kaum begründbar, würde man dem Lebach Urteil des BVerfG folgen.
Speedinho1 22.11.2018
4. Man wundert sich immer wieder
Warum kommt ein Mensch mit einem Millioneneinkommen überhaupt auf die Idee Kindergeld zu beantragen?
MarkusH. 22.11.2018
5. Peanuts?
10% Strafe? Sonst keine Konsequenzen? Ok dann muss ich bei meiner Steuererklärung auch nicht mehr so aufpassen, das freut mich
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