Fotograf von Netz-Bild "Boateng ist genau in meine Kamera gefallen"

Er war der Held des Spiels: Jérôme Boateng rettete sich gegen die Ukraine selbst vor einem Eigentor. Auch das Foto der Aktion begeisterte - dabei war es nur ein Zufallstreffer.

Jérôme Boateng im Netz
DPA

Jérôme Boateng im Netz


Das Foto von Jérôme Boateng, der die deutsche Nationalelf im Spiel gegen die Ukraine vor einem Gegentor bewahrte, war so einzigartig wie die Aktion des Verteidigers: Er selbst im eleganten Fall eingefroren, Manuel Neuer im Hintergrund machtlos. Das Bild ging im Netz viral, sorgte für süffisant-pointierte Beiträge zur AfD-Nachbarsdiskussion (Jogi Löw zu dem Moment: "Immer gut, einen Boateng als Nachbarn zu haben") und löste die Vermutung aus, dass Boateng der neue Chuck Norris sei.

Für den Fotografen Shawn Thew sorgte der Moment, in dem Boateng ins Netz fiel, "für einen glücklichen Zufallstreffer. Alle Fotografen haben zugewiesene Plätze für ihre Stative. Wir stellen unsere Kameras also an bestimmten Plätzen auf und lassen den Selbstauslöser arbeiten", sagte Thew, der den Boateng-Schnappschuss machte, im Gespräch mit dem "Westen".

Er habe sich im ersten Teil des Spiels andere Punkte im Stadion gesucht, von denen aus er seine Fotos schoss. Auf die Entstehung des Bildes konnte er so nur indirekt Einfluss nehmen. "Wir versuchen natürlich in der Vorbereitung alles so aufzubauen, dass gute Fotos entstehen," so Thew. "Garantieren kann das aber niemand, es ist immer eine Art Glücksspiel."

Er sei zunächst ernüchtert gewesen: "Als ich in der Halbzeit durch die Fotos des Selbstauslösers ging, hatte ich nur das Dach des Stadions und den Himmel von Lille auf der Kamera. Herr Boateng ist genau in meine Kamera gefallen und nach etwa 100 Bildern die wertlos waren, sah ich plötzlich die Aufnahme, die heute so viele Schlagzeilen schreibt."

Thew ist einer von 28 Fotografen, die in Frankreich für die Europäische-Presse Agentur Bilder machen. Er arbeitet zudem für das Weiße Haus und reist regelmäßig in Krisengebiete - so fotografierte Thew unter anderem die Schäden, die der Hurricane Katrina in New Orleans hinterließ und begleitete das US-Militär im Irak. Zur Nachbardiskussion um Boateng und Alexander Gauland sagte Thew: "Solche Events wie die EM zeigen uns, dass wir alle bessere Nachbarn sein sollten, dass wir alle etwas freundlicher sein können, wenn wir es nur wollen."

eth

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.