Boateng über DFB-Aus "Hätte mir natürlich anderen Abschied für uns gewünscht"

Jérôme Boateng hat auf die Entscheidung von Joachim Löw reagiert. Er habe Verständnis für sein Aus im DFB-Team, aber sei überzeugt, weiter "auf höchstem Niveau" spielen zu können. Auch Ex-Kollege Mesut Özil meldete sich zu Wort.

Jérôme Boateng
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Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng hat sich zu seinem Aus in der Fußballnationalmannschaft geäußert. Der 30-Jährige schrieb bei Facebook, Bundestrainer Joachim Löw habe ihm, Mats Hummels und Thomas Müller mitgeteilt, dass er als Cheftrainer der DFB-Auswahl künftig "jungen Spielern die Bühne bieten möchte". Für diesen Kurs habe er Verständnis.

Allerdings sei er auch "traurig" über den Abschied aus der Nationalmannschaft. Er sei "extrem stolz" das Trikot des DFB-Teams getragen zu haben und werde "vor allem den Sommer 2014" nie vergessen, als er mit dem DFB-Team bei der Weltmeisterschaft in Brasilien den Titel gewonnen hatte. Der Innenverteidiger schrieb auch, er hätte sich "natürlich einen anderen Abschied für uns gewünscht" und sei überzeugt, weiter "auf höchstem Niveau" spielen zu können.

Boateng war wie seine Teamkollegen vom FC Bayern, Hummels und Müller, Teil der Nationalmannschaft, die bei der WM 2018 in Russland bereits in der Vorrunde gescheitert war. Sein bisher letztes Länderspiel bestritt Boateng im vergangenen Oktober bei der 0:3-Niederlage in Amsterdam gegen die Niederlande in der Nations League.

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Hummels, Müller und Boateng: Das Ende einer DFB-Ära

Nach dem WM-Vorrunden-Aus hatte Löw mit dem Umbruch noch gezögert und gerade Spieler wie Boateng als unerlässliche Stützen für die neue Generation bezeichnet. Doch der Abstieg in der Nations League hat offenbar für ein Umdenken gesorgt.

Özil äußert sein Bedauern

Mesut Özil hat die Ausmusterung von Jérôme Boateng aus der Fußball-Nationalmannschaft bedauert. "Es tut mir leid, dass einer der besten deutschen Spieler der letzten Jahrzehnte das Nationalteam auf diese Art verlassen muss", schrieb Özil am Abend auf Twitter und fügte an "#Danke@JB17Official".

Özil war nach den Querelen um die Erdogan-Affäre im Sommer 2018 im Zorn aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Boateng war einer der wenigen Spieler, die sich damals kritisch zum Umgang mit dem Arsenal-Profi durch den DFB und die Öffentlichkeit geäußerten hatten. "Kopf hoch, Bruder", schrieb Özil nun und erinnerte mit einem offensichtlich mehrere Jahre alten Foto von ihm und Boateng an den Start der Karrieren.

"Seit unseren Anfängen in den Jugendnationalmannschaften haben wir so viele besondere Momente gemeinsam gefeiert. Du bist wirklich ein Freund und eine großartige Person auf und neben dem Platz", schrieb Özil. Beide gehörten zur DFB-Auswahl, die 2009 U21-Europameister wurde. 2014 folgte die gemeinsame Krönung mit dem WM-Sieg.

jan/aha/dpa

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ambulans 05.03.2019
1. auch
wenn es schade ist, dass j. boateng (altersbedingt; neben anderen) wohl nicht mehr in "der mannschaft" spielen wird - warum hängt eigentlich dieser "jogi" da immer noch rum?
briancornway 05.03.2019
2. Zwiespältig
Wenn man eine Millisekunde vorher seinen Rücktritt verkündet, ist man ein wackerer Veteran mit guter Selbsteinschätzung. Aber wenn der Trainer einem zuvorkommt, fühlt sich das eher an wie eine Art Abschiebung, fürchte ich. Danke an alle Drei für die ganzen tollen Jahre und viel Glück in der Restkarriere. Jetzt müssten nur noch einige der vermeintlichen Fans zurücktreten, dann wäre der Weg frei für neue Ziele.
zauberer2112 05.03.2019
3. Boateng und Schweini
haben im Finale 2014 das Spiel ihres Lebens gemacht, ohne die 2 wäre Deutschland nicht Weltmeister geworden. Aber vermutlich sehen der Manager und Trainer von der "Mannschaft" das anders und trauern immer noch Özil und Klose nach und hoffen auf ewiges Leben von Querpass-Toni.
Pless1 05.03.2019
4. Anderer Abschied
Ich kann es nachvollziehen, dass Boateng sich einen anderen Abschied gewünscht hätte. Aber das hätte er selbst in der Hand gehabt. Wenn er mit kritischem Auge auf die eigene Leistung geblickt hätte, wäre ihm ein Rücktritt in den Sinn gekommen. Das gilt letztlich auch für Hummels und erst Recht für Khedira. Während unsere beiden altgedienten Innenverteidiger deutliche Leistungsprobleme in der N11 und im Verein zeigen ist Khedira zwar bei Juve zeitweise immer noch sehr gut, aber an 6ern haben wir alles andere als Mangel: Kroos und Gündogan sind nur zwei Beispiele jüngerer und deutlich spielstärkerer Konkurrenten. Bei Müller finde ich das hingegen schade. Ja, er ist seit langem nicht in Topform. Aber ihn werde ich noch am ehesten vermissen. Ihm würde ich ein Comeback wünschen und würde das auch nicht ganz ausschließen. Auch wenn andere momentan besser sind: er kann Dinge, die niemand anderes kann. Aber klar ist: er müsste das dann auch mal wieder öfter zeigen. Dass es zu solchen unschönen Aussortierungsaktionen kommen muss liegt daran, dass die Herren Weltmeister den kritischen Blick auf sich selbst ein Stück weit verloren haben und sich für weniger ersetzbar halten als sie es sind.
Franziskus 05.03.2019
5. Fader Beigeschmack
Zitat von ambulanswenn es schade ist, dass j. boateng (altersbedingt; neben anderen) wohl nicht mehr in "der mannschaft" spielen wird - warum hängt eigentlich dieser "jogi" da immer noch rum?
Das Scheitern bei der WM ist ganz sicher nicht diesen Spielern zuzuschreiben. Nach einer tollen Qualifikation kam der Einbruch. Und das nicht, weil Hummels, Boateng und Müller auf einmal nicht mehr Fußball spielen können. Es lag meines Erachtens daran, dass der Bundestrainer die falschen Entscheidungen im Fall Özil getroffen hat. Das wichtigste innerhalb einer Mannschaft ist die Harmonie. Dazu trägt entscheidend der Trainer bei. Das Problem unserer Nationalmannschaft ist der Trainer. Wenn eine Mannschaft nicht mehr erfolgreich ist, tauscht man den Trainer aus. Alle 3 Spieler kommen von Bayern München und spielen dort auf höchsten Niveau. Das muss andere Gründe haben, wenn der Bundestrainer auf solch erfahrene und sehr gute Spieler verzichten kann. Die Mannschaft verjüngen ist ein vorgeschobener Grund.
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