Boateng kritisiert DFB-Kollegen "Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben?"

"Anscheinend haben viele sich nicht getraut": Jérôme Boateng beklagt fehlende Rückendeckung für Mesut Özil in der Nationalelf. Auch für sich selbst fordert er mehr Unterstützung ein - und zwar vom FC Bayern.

Jérôme Boateng
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Jérôme Boateng


Nationalspieler Jérôme Boateng hat die Zurückhaltung seiner DFB-Teamkollegen im Fall Mesut Özil kritisiert. "Wo waren die Mitspieler, die sich bei Mesut bedankt haben?", sagte Boateng in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Özil hatte seine Karriere in der Nationalmannschaft nach dem deutschen WM-Vorrundenaus beendet. In einer dreiteiligen Erklärung hatte der 92-fache Nationalspieler schwere Vorwürfe gegen den DFB und dessen Präsidenten Reinhard Grindel erhoben. Özil beklagte fehlenden Rückhalt innerhalb des Verbands gegen rassistische Attacken von außen.

Boateng hatte sich anschließend als einer von wenigen Spielern direkt dazu geäußert. "Es war mir eine Freude, Abi", schrieb er auf Twitter. Die meisten Teamkollegen schwiegen. "Anscheinend haben viele sich nicht zu äußern getraut, weil sie gedacht haben, dass das bei den deutschen Fans nicht so gut ankommt", sagte Boateng nun der "SZ": "Aber da geht es nicht um die Aktion mit dem Foto (von Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan - Anm. d. Red.). Da geht es um einen tollen Spieler, der mit uns Weltmeister geworden ist, der den deutschen Fußball auch ein Stück weit verändert hat. Sich dann zu enthalten, finde ich schade."

Auch für sich selbst forderte Boateng mehr Unterstützung ein - und zwar von seinen Bossen beim FC Bayern München, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. "Man würde sich als Spieler manchmal etwas mehr öffentliche Rückendeckung wünschen", sagte Boateng.

Hoeneß und Rummenigge hatten im Sommer offen gesagt, dass Boateng den Rekordmeister verlassen könne, wenn es ein entsprechendes Angebot gebe. Mit Paris Saint-Germain war zwar verhandelt worden, Einigkeit über einen Transfer erzielten die Klubs aber nicht.

"Mir ist es wichtig, noch mal klarzustellen, dass ich voll auf den FC Bayern fokussiert bin", sagte Boateng. "Und dass ich es andererseits aber auch nicht so schön finde, wenn überall Sachen über mich behauptet werden und man dann keine öffentliche Unterstützung vom Verein bekommt."

Im Video: Deutschtürken über den Özil-Rücktritt

SPIEGEL TV

sak/mon/dpa

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