Dopingskandal an Uni Freiburg Auch Löw war bei umstrittenem Arzt Klümper

Joachim Löw suchte als Spieler den umstrittenen Freiburger Mediziner Armin Klümper auf. Das hat er nun im "Aktuellen Sportstudio" bestätigt. Wissentliches Doping aber bestreitet der Bundestrainer.

Spieler Löw: "Ärztliche Hilfe in Anspruch genommen"
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Spieler Löw: "Ärztliche Hilfe in Anspruch genommen"


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Hamburg - "Natürlich war ich das ein oder andere Mal da", sagte Löw am Samstag im ZDF. Er habe sich "mit 18, 19 Jahren aber nicht getraut, nachzufragen und zu sagen, ich möchte das im Labor prüfen lassen", welche Mittel er da bekomme: "Mein Vertrauen in diesen Berufsstand Arzt war immens groß."

Löw ist damit der heute prominenteste Patient von Armin Klümper. Der Sportmediziner gilt als Schlüsselfigur in einem Dopingskandal, den die Evaluierungskommission der Freiburger Sportmedizin, die sich mit der Doping-Vergangenheit an der dortigen Universität beschäftigt, vor Kurzem öffentlich gemacht hatte.

Kommissionsmitglied Andreas Singler hatte erklärt, dass in den "späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren" beim Fußball-Bundesligisten aus Stuttgart "im größeren Umfang" und auch beim damaligen Zweitligisten aus Freiburg Anabolikadoping vorgenommen worden sei. Laut Aktenlage lieferte Klümper zwischen 1978 und 1981 allein dem VfB Stuttgart Verbandsmaterial sowie Vitamin- und Aufbaupräparate im Gesamtwert von über 117.000 D-Mark. Betrug hat Klümper über all die Jahre immer wieder bestritten.

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Er habe definitiv keinen systematischen Aufbau mit irgendwelchen Mitteln betrieben, sagte Löw, der sowohl in Stuttgart als auch in Freiburg aktiv war: "Ich habe ärztliche Hilfe in Anspruch genommen, wenn ich verletzt war. Das macht für mich schon einen großen Unterschied", so der 55-Jährige im "Aktuellen Sportstudio". Aus heutiger Sicht sei er "an einer schnellen Aufklärung" der Vorgänge von damals interessiert.

Zu seiner Zeit habe es auch "kein Bewusstsein für Doping" im Fußball gegeben: "Es gab keine Verbote, keine Kontrollen und keine Aufklärung." Dass es das alles heute gibt, hält Löw für richtig und wichtig: "Der Sport muss und soll sauber bleiben." Die Behauptung, Doping im Fußball nütze nichts, bestritt der Bundestrainer jedenfalls: "Das verstehe ich nicht. Heute weiß man, dass vor allem Anabolika im Fußball schon etwas bringen könnte. Für den Einzelnen bringt das wahrscheinlich schon was. Von daher muss das mit allen Mitteln bekämpft werden."

Grundsätzlich sei er der Meinung, "dass Doping im Sport nichts zu suchen hat". Allerdings halte er den Fußball keineswegs für dopingverseucht, sagte Löw: "Der Fußball macht wahnsinnig viel." Natürlich gebe es "wie in jedem anderen Sport schwarze Schafe." Aber man habe im Profifußball heute angesichts der vielen Kontrollen "keine Chance", nicht aufzufallen.

goe/sid

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Seite 1
piccolo-mini 22.03.2015
1.
Das war wohl die letzte Gelegenheit für Jogi, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Die jugendliche Unwissenheit wird man ihm abkaufen. Nächster Schritt für den Spiegel wäre es, die Behauptung zu überprüfen, ob das heute angesichts der "starken" Kontrollen nicht möglich sei. Fußball ist der mit Abstand am schwächsten kontrollierte europäische Profisport. Im Training wird gar nicht kontrolliert. (Anabolika nimmt man nicht unmittelbar vor dem Wettkampf). In der Halbzeit werden zwei Spieler pro Team ausgelost. Bevor die Kraft verloren geht, können also alle Spieler, bis auf die zwei, sich in der Pause zuknallen.
Ihr5spieltjetzt4gegen2 22.03.2015
2.
Joachim Löw mag aus heutiger Sicht der prominenteste Patient aus dem Fußballbereich bei Armin Klümper gewesen sein. Aus damaliger Sicht waren es wohl Uli Hoeneß, Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge. Was Löw hinsichtlich des damaligen Bewusstseins bezüglich Doping unter Fußballern ausgeführt hat, kann ich nur bestätigen. Bei einer Verletzung ging man zum Vereinsarzt, der sich den Schaden genauer ansah. Dabei erwähnte man mehrfach, so schnell wie möglich wieder spielen zu wollen. Es ging ja nicht nur um Geld, sondern auch darum, dass man im Falle eines längeren Ausfalls seinen Stammplatz sehr schnell verlieren konnte. Da war es einem völlig wurscht, was der Doc gespritzt oder sonstwie verabreicht hat. Man wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen dies zu hinterfragen. Schließlich war der Vereinsarzt die entsprechende kompetente Instanz. Meistens war es Kortison, was da gegeben wurde. Handelte es sich um längerwierige Verletzungen und Verletzungsfolgen, dann wurde einem die eine oder andere regionale oder nationale Koryphäe empfohlen. Man kannte sich. Schließlich wollte man auch nach längeren Zwangspause möglichst schnell ohne allzu langes Aufbautraining wieder in den Kader. Dass diese 'unterstützenden medizinischen Maßnahmen' so etwas wie Doping sein könnte, daran hat niemand gedacht. Es gab bei weitem nicht nur Klümper, aber er war sportartübergreifend schon so etwas wie die 'Erste Adresse'.
alfonsjohannes 22.03.2015
3. wie gewohnt
Jogi hat wahrscheinlich nicht das meiste gekriegt. Bin aber überzeugt davon, dass man damals sehr wohl wusste zu wem man ging. Jogi, weiter ehrlich sein und für Transparenz sorgen bitte, Danke
ambergris 22.03.2015
4.
Tja, die Sportler wollen spielen, die Ärzte wollen sich profilieren, der Verein will den Erfolg... da hat keiner alleine Schuld, sondern alle zusammen.
londonpaule 22.03.2015
5. Verjährt
Hätte Joachim Löw als Spieler bei der WM2014 gespielt wäre dies brisant. Da er aber nun seit mehr als einem Jahrzehnt oder seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt hat, darf man dies gewissentlich ignorieren. Man muss seine Legenden ja nicht mit Ach und Krach zerstören
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