16 Jahre Löw Der ewige Bundeskanzle...äh...trainer

Joachim Löw hat seinen Vertrag beim DFB um zwei weitere Jahre bis 2022 verlängert. Eine Überraschung ist das nicht: Löw hat sich an das Leben als Bundestrainer gewöhnt. Ein Vereinsjob käme für ihn nicht infrage.

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Im Jahr 2022 wird man Teenager fragen, ob sie sich noch an einen anderen Fußball-Bundestrainer erinnern als Joachim Löw. Und ihre Antwort wird lauten: Nein. Löw wäre dann 16 Jahre im Amt, so lange war Helmut Kohl Bundeskanzler.

"Ich habe immer gesagt, dass Joachim Löw für mich der beste Trainer für die Nationalmannschaft ist", leitete DFB-Boss Reinhard Grindel die Veranstaltung ein, bei der eigentlich der vorläufige WM-Kader des deutschen Teams bekannt gegeben werden sollte. Da ahnte man schon, was kommt: Vertragsverlängerungen mit Löw sind mittlerweile undramatische Alltagsgeschichten geworden. Niemand ist davon noch überrascht.

Löw hat über die Jahre immer wieder anklingen lassen, dass ihn auch ein Job bei einem europäischen Topklub reizen könnte. Die Springer-Presse bringt ihn auch gerne mal als Kandidaten beim FC Bayern ins Gespräch. Aber all das konnte man nicht wirklich ernst nehmen. Der täglich fordernde Trainingsbetrieb rund ums Jahr, das wöchentliche Denken um Gewinnen und Verlieren, der dauernde mediale Druck - all das ist nicht Löws Welt. Er hat das vor grauer Vorzeit für ein paar Jahre gemacht, aber das ist fast 15 Jahre her. Löw hat sich an das Leben als Verbandstrainer gewöhnt, es ist ja auch wirklich kein schlechtes Leben.

Alle zwei Jahre ab in den Tunnel

Sich alle zwei Jahre auf eine Großveranstaltung zu fokussieren, dabei für Wochen in dem berühmten Tunnel zu verschwinden, das hat Joachim Löw immer schon gut gekonnt. Dann wirkt der Unnahbare noch ein bisschen unnahbarer, dann gibt es nichts anderes, als das große Ziel, den Titel zu holen, zu verfolgen. Danach und davor jedoch gönnt er sich seine Ruhepausen.

Mit diesem Rhythmus hat Löw seine Erfolge erzielt, an diesen Rhythmus hat er sich gewöhnt. Mit der Vertragsverlängerung bis 2022 hat er auch signalisiert, dass er daran in seinem Trainerleben nicht mehr viel ändern wird wollen. Die Deutsche Presse-Agentur schreibt vom "Lebenslang Bundes-Jogi".

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Erweiterter DFB-Kader: Das ist das Team von Joachim Löw

Man kann sich nicht mehr vorstellen, wie viel Aufregung es 2010 um die damalige Vertragsverlängerung Löws gab, welche Widerstände es in der Führung gegen ihn und seinen Kurs gab. Vor der WM in Südafrika stand der Job für Löw mehrere Tage ernsthaft auf der Kippe, auch Manager Oliver Bierhoff drohte die Demission. Manchen Herren in der Otto-Fleck-Schneise passte der gesamte Kurs der Nationalmannschaft nicht. Das scheint Ewigkeiten her. Heute geht beim DFB nichts mehr ohne Löw und Bierhoff.

Überall nur alte Weggefährten

Auch der Manager und Löws Trainerteam haben an diesem Dienstag neue Verträge bekommen. Bierhoff und Löw sind 2004 gemeinsam zum DFB gestoßen, die beiden wissen mittlerweile mehr oder weniger blind, was der Andere tut und sagt. Die Assistenten Thomas Schneider, Marcus Sorg und Andreas Köpke sind auch fast schon DFB-Inventar, enge Vertraute von Löw. Dazu kommt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt als Teamarzt, Horst Dieter Hermann als DFB-Psychologe, Chefscout Urs Siegenthaler, alles langjährige Weggefährten. Da gibt es keine Reibungsverluste mehr.

Die Frage ist eher, ob es noch Reizpunkte gibt. Was kann ein Sami Khedira oder ein Thomas Müller beim DFB noch an neuen Impulsen erwarten von einem Trainer und seinem Team, die fast schon zur Familie gehören, bundesrepublikanisches Kulturgut? Löw spielt das Konkurrenzprinzip hoch, will damit die Motivation am Leben erhalten. Entscheidungen wie das Aussortieren von Sandro Wagner und Mario Götze aus dem WM-Aufgebot gehören in diese Kategorie. Dass er von 23 Weltmeistern von 2014 vier Jahre später nur noch neun mit nach Russland mitnimmt, ebenso.

"Immer noch besser werden, die Nationalmannschaft weiter entwickeln", hat Löw am Mittag als seine eigenen Ziele formuliert. Dafür taucht er in den kommenden Wochen wieder in den Tunnel ein. Und ganz am Ende des Tunnels wartet die Europameisterschaft im eigenen Land 2024. Zumindest dann, wenn die Uefa im September Deutschland den Zuschlag geben wird. Man kann davon ausgehen, dass der Bundestrainer dann Joachim Löw heißen wird. Er wird dann 64 Jahre alt sein. Danach kann er besten Gewissens den Ruhestand ansteuern.

insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
jeby 15.05.2018
1.
Wir werden den wohl nie los. Wenn er keinen Club trainieren will, wie wäre es denn dann z.B. mit England oder den USA? Die sind so verzweifelt, die nehmen jeden. Ich wünschte, wir hätten einen anderen Trainer. Löw hat schon so einige Fehler in der Vergangenheit gemacht.
jnek 15.05.2018
2. Bestenfalls "launig"
Dieser Kommentar kann bestenfalls noch als "launig" durchgehen. Man spürt es in jeder Zeile, der Autor macht sich über etwas lustig wo er weiß, dass er aus den üblichen Ecken wieder viel Beifall erwarten darf. Seltsamerweise wird überhaupt nicht thematisiert, dass die N11 unter Löw 1. einen vorher so nie gekannten andauernden Aufschwung erlebt, 2. eine so nie gekannte Konstanz auf 3. vorher so selten gekanntem hohen Niveau präsentiert, 4. spielerisch selten bis nie so gut war und dass es 5. also überhaupt keinen Grund gibt daran etwas zu ändern weil es 6. auch gar keinen passenden Kandidaten gibt. Löw und sein Team machen seit Jahren einen Topjob und solange dies so anhält können mir solch launige Kommentare gestohlen bleiben.
diorder 15.05.2018
3. Unterschwelliges Altersmobbing
Dass Journalisten öfter mal was Neues berichten wollen, ist verständlich. Ohne Sensationen, Konflikte , Aktuelles ist keine Quote und kein Geld für die Anteilseigner zu machen. Solide Leistungen von Leuten über 50 sind wie im Arbeitsleben nicht sehr gefragt. Selbst wenn man wie Löw mit der Mannschaft als Favorit für die WM gilt und oben in der Weltrangliste steht.
elpepino 15.05.2018
4.
Zitat von jebyWir werden den wohl nie los. Wenn er keinen Club trainieren will, wie wäre es denn dann z.B. mit England oder den USA? Die sind so verzweifelt, die nehmen jeden. Ich wünschte, wir hätten einen anderen Trainer. Löw hat schon so einige Fehler in der Vergangenheit gemacht.
Ja, wie z.B. Bilanz: 157 Länderspiele: 106 Siege, 28 Unentschieden, 23 Niederlagen Punkteschnitt: 2,20 (bester Schnitt aller Trainer) Erfolge: Vize-Europameister 2008, 3. Platz bei der WM 2010, Weltmeister 2014 Quelle: https://rp-online.de/sport/fussball/nationalelf/die-bundestrainer-bilanzen_bid-8814751
sandu2 15.05.2018
5.
Zitat von jebyWir werden den wohl nie los. Wenn er keinen Club trainieren will, wie wäre es denn dann z.B. mit England oder den USA? Die sind so verzweifelt, die nehmen jeden. Ich wünschte, wir hätten einen anderen Trainer. Löw hat schon so einige Fehler in der Vergangenheit gemacht.
Welcher Trainer hat denn nie Fehler gemacht? Wenn ich an seiner Vorgänger denke (Völler, Ribbeck, Vogts) und was für grottenschlechter Fußball da oft gespielt wurde (auch bei WM und EM), so soll er uns von mir aus ewig erhalten bleiben, zumindest solange wie die Mannschaft nicht so schlecht spielt wie unter seinen Vorgängern und es Spaß macht, ihr zuzuschauen.
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