Trotz WM-Debakel Joachim Löw bleibt Bundestrainer

Joachim Löw hat sich entschieden: Obwohl das DFB-Team bei der WM schon in der Vorrunde ausgeschieden ist, bleibt der 58-Jährige Trainer der Fußballnationalmannschaft. Der DFB bestätigte die weitere Zusammenarbeit.

Joachim Löw
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Joachim Löw bleibt trotz des historischen Ausscheidens bei der WM in Russland Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Dazu hat sich der 58-Jährige entschieden. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sechs Tage nach dem Ausscheiden des deutschen Teams in Vorrunde mit.

"Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch", sagte Löw: "Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten."

Löw soll seinen Entschluss der Verbandsführung um Präsident Reinhard Grindelbereits am Montagabend übermittelt haben. Der Verband bestätigte nun, dass beide Seiten auch zukünftig zusammen weiterarbeiten werden.

Der Bundestrainer hatte sich nach dem erstmaligen Vorrunden-Aus in der 84-jährigen WM-Geschichte des DFB-Teams zunächst Bedenkzeit erbeten. Er wolle sich als Trainer hinterfragen, teilte er nach der Rückkehr aus Russland mit. Das tat er, beginnend mit der Heimkehr nach Freiburg am vergangenen Donnerstag, einen Tag nach dem blamablen 0:2 gegen Südkorea.

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Joachim Löw: Der Weltmeister-Coach

Der Präsidialausschuss des DFB um Grindel, Vizepräsident Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius hatte bei einer kurzfristig anberaumten Sitzung mit Teammanager Oliver Bierhoff und Löw über die Zukunft des Nationalteams konferiert. Danach stand die Entscheidung offenbar fest, mit Löw weitermachen zu wollen.

"Wir sind alle der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird", wird Grindel in einer DFB-Mitteilung zitiert.

Auch der Weltmeister-Trainer scheint überzeugt, dass mit ihm ein Neustart gelingen kann. "Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen", sagte Löw. "Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen."

Löw hatte den Posten 2006 als Nachfolger von Teamchef Jürgen Klinsmann übernommen. Danach hatte er das DFB-Team mit Ausnahme der WM 2018 bei jeder WM- und EM-Endrunde mindestens bis ins Halbfinale geführt. Höhepunkt seiner Amtszeit war der Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien. Im Mai hatte Löw seinen Vertrag kurz vor Beginn der WM um zwei Jahre bis 2022 verlängert.

Lesen Sie hier die Chronologie zu zwölf Jahren Bundestrainer Joachim Löw:

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung von dessen Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer.

12.07.2006: Nach dem Rücktritt des "ausgebrannten" Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert.

16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden.

06.09.2006: Der bis heute höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußballzwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle.

28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im neunten Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütantenball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg.

29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0.

10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérôme Boateng gewinnt die DFB-Elf in Moskau gegen Russland. Das WM-Ticket ist gelöst.

17.12.2009: DFB-Chef Zwanziger verkündet einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur EM 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht.

04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Es kommt zum öffentlichen Streit zwischen Löw und Bierhoff mit der DFB-Spitze.

09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. einen WM-Frieden.

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Bundestrainer: Von Nerz bis Löw

28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer eins.

07.07.2010: Löw ist "traurig und enttäuscht". Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom vierten deutschen WM-Titel.

20.07.2010: Knapp zwei Wochen nach dem WM-Aus verlängert Löw seinen Vertrag.

15.03.2011: Still und heimlich einigen sich Löw und der DFB auf eine Vertragsverlängerung bis 2014.

26.05.2012: In der "zerrütteten" EM-Vorbereitung gibt es einen 3:5-Dämpfer gegen die Schweiz. Die meisten Gegentore unter Löw.

28.06.2012: Der Schock von Warschau. Löw vercoacht sich, der EM-Traum ist mit einem 1:2 gegen Italien im Halbfinale beendet.

15.08.2012: Der erstmals heftig kritisierte Löw braucht lange, um sich wieder zu finden. Vor dem 1:3 gegen Argentinien hält er eine Wutrede: "Unser Weg stimmt."

11.10.2013: Mit einem 3:0 gegen Irland wird das Ticket zur WM in Brasilien gebucht. Sein Team sei in der Quali das "Maß aller Dinge" gewesen, meint der Bundestrainer.

18.10.2013: Löw und sein Stab verlängern bis zur EM 2016.

13.07.2014: Die Krönung. Durch das 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien wird Deutschland zum vierten Mal Fußballweltmeister. Löw ist auf dem Gipfel angekommen.

11.10.2015: Nach einer holprigen Quali-Runde wird mit einem 2:1 gegen Georgien das EM-Ticket gelöst.

07.07.2016: Der Traum vom EM-Titel platzt. Gastgeber Frankreich ist beim 0:2 in Marseille nicht besser, aber viel effizienter.

02.07.2017: Achtungserfolg vor der WM: Mit einer B-Elf gewinnt Deutschland erstmals den Confed Cup. Im Finale von Sankt Petersburg besiegt das Team Chile.

05.10.2017: Mit dem 3:1 gegen Nordirland wird das Ticket für Russland gelöst. Vier Tage später wird die perfekte Quali-Runde beim 5:1 gegen Aserbaidschan abgeschlossen.

Joachim Löw
DPA

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27.03.2018: Das 0:1 gegen Brasilien ist die erste Niederlage nach zuvor 22 Partien ohne Pleite.

15.05.2018: Löw bekommt kurz vor der WM einen neuen Vertrag bis zum Turnier 2022 in Katar.

27.06.2018: Die historische Pleite ist perfekt. Das 0:2 gegen Südkorea besiegelt das erste deutsche Aus in einer WM-Gruppenphase.

28.06.2018: Löw braucht Bedenkzeit. Erst nach eingehender Analyse will er entscheiden. "Tiefgreifende Maßnahmen" müssen her.

29.06.2018: Alle Präsidiumsmitglieder sprechen sich nach auf einer Telefonkonferenz dafür aus, dass Löw seinen Vertrag erfüllen soll.

03.07.2018: Joachim Löw hat sich laut "Sport Bild" und "Bild" entschieden: Er will weitermachen.

mru/dpa



insgesamt 310 Beiträge
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Seite 1
ROBIN7 03.07.2018
1. Finde ich gut
denn er hat dem deutschen Fußball eine Kompletterneuerung verpasst. Jetzt an die alte Rumpler-Fraktion (Sammer u.a.) zu übergeben wäre fahrlässig, und neue Kräfte wie Nagelsmann müssen erst noch ein paar Jahre Club-Erfahrung sammeln.
isnogood444 03.07.2018
2. Boykott
Dann ist das Thema "Die Mannschaft" für mich durch.
panzerknacker 51 03.07.2018
3. Ja,
so ist das halt. Lukrative Pöstchen gibt man nicht gern auf. Wie bei Seehofer ...
Shiva25 03.07.2018
4. Alles bleibt wie gehabt...
Diese Angst vor einem Neuanfang in vielen Bereichen ist die wahre Crux der Deutschen. Immer wieder hat die Geschichte das gezeigt. Wirklich schade, die Chance war da, ist da!!! Nun kommt es auf die Menschen an, das Machtzentrum ist erst einmal gefestigt.
bonnerbär 03.07.2018
5. gute Nachricht
Das ist doch eine gute Nachricht. Kontinuität zahlt sich meist aus.
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